Grundeinkommen Nie wieder Hartz IVSeite 5/5

Zweifelhaft ist auch, ob das Geld vom Staat dazu führt, dass sich die Bürger sozial engagieren. Untersuchungen zeigen: Je länger jemand arbeitslos ist, desto weniger betätigt er sich ehrenamtlich, künstlerisch oder politisch, er trifft sich seltener mit Freunden oder Verwandten, treibt weniger Sport, nimmt seltener an kulturellen Veranstaltungen teil und geht sogar weniger in die Kirche. »Je weiter die Leute aus dem Erwerbsleben heraus sind, desto inaktiver werden sie«, sagt Gert Wagner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. »Ehrenämter sind eine Sache qualifizierter Erwerbstätiger.« Wäre das mit einem Grundeinkommen alles anders? Selbst Befürworter wie Thomas Straubhaar räumen ein: Es wäre ein Experiment mit »vielen Risiken und hoher Unsicherheit«.

Scheck oder Selters - Experten und Visionäre streiten um das beste Modell des Grundeinkommens. Ein Videobeitrag

Scheck oder Selters - Experten und Visionäre streiten um das beste Modell des Grundeinkommens. Ein Videobeitrag

Viele Länder, die ihre Arbeitslosigkeit verringert haben, schlugen einen ganz anderen Weg ein. Die USA, Dänemark oder Großbritannien führten praktisch die Arbeitspflicht ein und damit das Gegenteil eines Grundeinkommens. Die Bereitschaft zur Arbeit wurde zur Voraussetzung staatlicher Hilfen. Deutschland hat sich diesem Trend, der 1996 mit Bill Clintons Workfare-Programm begann, mit Verspätung angeschlossen. Das Interesse am Grundeinkommen ist ein Ausdruck erster Erfahrungen aus diesem Kurswechsel. Doch stand hinter dem viel zitierten »Fordern und Fördern« ein vernünftiger Ansatz. Hatte nicht gerade das alte System der schlichten Alimentierung, in dem sich weder Bürger noch Arbeitsverwaltung große Anstrengungen abverlangten, jene inaktiven Langzeitarbeitslosen hervorgebracht, die kaum in die Erwerbstätigkeit zurückfinden? Inzwischen sind allerdings Zweifel gewachsen, ob die den Arbeitslosen versprochene Hilfe wirklich geleistet wird, etwa bei Schulden, Sucht oder Qualifizierungsmängeln.

Anzeige

Die Idee eines allgemeinen Grundeinkommens erscheint da manchen wie ein Befreiungsschlag zur Überwindung der sozialpolitischen Ohnmacht. Ginge es aber nur um das Ziel, den Menschen Alternativen zur Erwerbsarbeit zu ermöglichen, so ließe sich das auch ohne einen kompletten Systemwechsel erreichen. Geld ohne klassische Arbeit – Beispiele für eine schrittweise Umsetzung sind das Elterngeld oder die Anrechnung von Erziehungszeiten bei der Rente. Auch Bafög, Altersteilzeit oder Arbeitslosengeld könnten weniger restriktiv gewährt werden. Selbst eine staatliche Förderung von Sabbaticals ist denkbar. Das alles ist zwar weniger berauschend als die große Sozialutopie vom Einkommen ohne Arbeit – aber real.

Zum Thema
Wer bezahlt? - Modelle für ein bedingungsloses Grundeinkommen »

Das Paradies? - Alle bekommen 1000 Euro im Monat vom Staat? Prima Idee, jubeln die einen. Andere halten gar nichts davon. ZUENDER-Schwerpunkt zum Grundeinkommen »

Ein Grundeinkommen für jeden und bedingungslos - Thomas Straubhaar vom HWWI will alle herkömmlichen Sozialtransfers abschaffen »

Subvention für echte Arbeit - Niedriglöhner sollen brutto für netto verdienen, damit sie Jobs annehmen, statt Arbeitslosengeld zu kassieren, sagt der Ökonom Peter Bofinger »

Sozialreformen - Welche sozialpolitischen Konzepte sind die besten? Ein Schwerpunkt »

Wirtschaft und Konjunktur - Analysen und Hintergründe »

 
Leser-Kommentare
  1. Hallo,

    ich bin neu hier, habe mich extra angemeldet um zu DIESEM Artikel etwas schreiben zu können. Sehr schön ausgewogen mit Für und Wider, ich würde nur noch das Argument von Naja hinzufügen, dann wäre er noch einen Tick perfekter.

    Für SOLCHE Artikel liest man DIE ZEIT, ich bin ganz hin und weg und habe den Link erstmal weiter verteilt, eine kürzere und knackigere Zusammenfassung eines SO komplexen Themas habe ich noch nicht gelesen.

    Weiter so!!!

    Ralf Wenzel aus Hamburg

  2. und möglichst irgendwohin, wo es keinen internetanshluss und möglichst 99% muslimischen anteil in der bevölkerung gibt.

    keine panik: die sind gastfreundlich, niht jeder von enen ist weienrlich oder hat nen säbel/bombe unterm kaftan.

    hasta la vista, erwin!

    • iceman
    • 12.04.2007 um 21:05 Uhr

    Wenn wir ein solches 'Modell' in die Realität umsetzen würden, dann würde dieses Land innerhalb der nächsten drei Generationen vollständig kaputt gemacht werden, und zwar durch eine hoffnungslos rückständige Unterschicht [entfernt wegen ausländerfeindlicher, rassistischer Wortwahl/ Redaktion]
    Bürgergeld lässt sich - wie so vieles Schöne und Gute - nur dann umsetzen, wenn das in einem System mit aufgeklärten und verantwortungsbewussten Menschen geschieht.
    Um eine radikale Ausbeutung sozialer Wohltaten zu verhindern, benötigt man Menschen mit Bildungsbewusstsein, Anstand und gesundem Patriotismus.
    Solche Tugenden müssen über einen langen Zeitraum eingeübt werden, sie fallen nicht vom Himmel.
    Das Schmerzhafte im Falle Deutschlands ist, dass wir das alles schon hatten!
    Die Mentalität der Deutschen ging bereits Richtung skandinavisches Modell:
    hoher Wohlstand und hohe soziale Gerechtigkeit - verbunden mit hohem Bildungsbewusstsein und Leistungsfähigkeit.
    Aber das wurde zerstört durch eine global einmalig dämliche Zuwanderungspolitik, und auch durch die niedrige Kinderquote der Bildungsschicht.

    Es ist vorbei!

    Inzwischen haben wir in Deutschland ganz einfach nicht mehr das 'Personal', um solche Modelle umzusetzen.
    Es geht zu allerletzt um die von Kolja Rudzio genannten 'Zahnärzte', die sich über eine niedrige flat tax-rate freuen würden.
    Nein, es geht um die faulen, ignoranten und intoleranten [s.o./ Redaktion] Couch-Potatoes, die, völlig abgeschottet von der Moderne, ihren dümmlichen und buschniggahaften Männlichkeitsstolz über die Ausbringung möglichst vieler Nachkommen zur Schau stellen, die später ihrerseits nur zur Last fallen.

    Die grosse Frage ist:
    Was sollen eigentlich solche pubertären Artikelchen???
    Was für eine Motivation steckt dahinter, welch ein Gedankengut, was für eine dumpf-naive Weltanschauung, und was für ein Mangel an sozio-ökonomischen Kenntnissen bzw. Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen?

    Kann es sein, dass überhaupt nicht mehr nachgedacht wird, wenn jemand etwas für die ZEIT schreibt, dass Sinngehalt gar nicht mehr gefragt ist, es wirklich NUR NOCH um eine (An-) Reizung des Lesers geht?
    Oder liegt die tiefere Ursache für einen solchen Schwachsinnsartikel nur in der Psychologie des Autors, am infantilen Reiz der Zerstörung des 'Systems', wie er von so vielen Migrationsstämmigen empfunden wird (selbst wenn sie sich selber schon etabliert haben)?
    Meine Hoffnung:
    [da hat sich wohl jemand sehr in der Wortwahl vergriffen, daher entfernt/ Redaktion]

  3. Sollte dieses Projekt umgesetzt werden, kollabiert unsere Volkswirtschaft in kürzester Zeit. Damit einhergehend Hyperinfliation. Und schon bin ich die Hypothek für mein Häuschen los.

    Denn was diese sogenannten 'Wissenschaftler' ausgeheckt haben ist Quatsch mit Soße. Allein die Behauptung, dass die Sozialbürokratie eingespart würde beweist deren absolute Weltfremdheit. Das Gegenteil wird der Fall sein, die Bürokratie wird fröhliche Urständ feiern.

  4. 5.

    Dieser Kommentar disqualifiziert sich selbst. Wer in so offenkundig fremdenfeindlicher Manier schreibt, bezeugt damit selbst seine Unkenntnis einer modernen multikulturellen Gesellschaft. Diesen Mangel dem Autor eines so ausgewogenen Artikels vorzuwerfen ist infam.

  5. Probleme, die durch eine Fixierung auf den Fetisch Geld und damit einhergehende In(geld)wertsetzung aller Dinge entstanden sind, lassen sich nicht mit Geld lösen. Mehr habe ich um diese Urzeit dazu nicht zu sagen.

    v.

  6. es ist alles eine Frage des Standpunktes.
    Iceman bewertet den Vorschlag des bedingungslosen Grundeinkommens vom Standpunkt der Realität aus. Und da hat er in jedem Punkt recht.
    Sie bewerten es vom Standpunkt der linken multikulturellen, jede Wirklichkeit verleugnenden, Spinnerei aus. Und da haben Sie Recht.
    Und damit Ihr Weltbild keine Risse bekommt, empfehle ich dringend die Kriminalstatistik, die Arbeitslosenstatistik zu ignorieren.
    Auch die Tatsache, dass 25% der Türken in Berlin die Schule ohne Abschluss verlassen, sollten Sie konsequent ausblenden.
    Danke.

  7. ... ist wenige Jahre vor dem Ende. Aber solche Modelle sind ebenfalls nicht tragbar. Wenn jeder 1500 Euro bekommt geht keiner mehr arbeiten. Viele verdienen jetzt gerade einmal so viel oder weniger. Wer soll das bezahlen? Ein auf dem Geldkreislauf basierendes System kann so nicht funktionieren. Wer will den Sozialismus?

    Solche Wünsche sind Alarmzeichen. Sollte es zu einem Umsturz kommen werden Staatsanleihen und Versicherungsprodukte platzen wie Seifenblasen. Man sollte sein Geld rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service