Geburtstag Der Einmischer

Der Publizist Klaus Harpprecht wird 80 – eine Gratulation

Seiner Frau Renate zuliebe lebt er schon seit 20 Jahren in Südfrankreich. Als Überlebende von Auschwitz betrachtet sie Deutschland lieber von außen. Wie gut, dass Klaus Harpprecht Entfernungen auch als nunmehr 80-Jährigen nicht stören. Zum Flughafen in Nizza braucht er zwei Stunden über die Autobahn. Er war schon immer ein Reisender. Kein Erdteil ist ihm fremd. Freunde hat er überall. »Wahrscheinlich ist er der erste globalisierte Geist der Republik«, mutmaßt sein Verleger und langjähriger Freund Michael Naumann.

Seinen Drang, sich in die deutschen Verhältnisse einzumischen, hat das nie gemindert. Wahrscheinlich verschafft ihm die Distanz sogar den besseren Überblick. Er kann nach Bedarf täglich kommentieren und seinen Standpunkt stets mit Vehemenz vertreten. Das mag das Erbe des schwäbischen Pfarrhauses sein, aus dem er stammt. Er steigt gern auf die Kanzel – manchmal zornig, mitunter pathetisch, doch häufig als eine autoritative Stimme der Kritik deutlich zu vernehmen. Manchmal wundert man sich, wie er das schafft: unter dem wunderbaren Licht der Provence noch so empörungsbereit zu bleiben. Seine List: Er zieht die Vorhänge zu, wenn er arbeitet.

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Er ist ein leidenschaftlicher Arbeiter. Noch immer scheint ihm die ungläubige Überlebensfreude jener jungen Schriftsteller und Journalisten zu beflügeln, die in den fünfziger Jahren als 20-Jährige die Redaktionen der Zeitungen, Rundfunkanstalten und der Verlage bevölkerten, um in der neuen Republik eine wetterfeste Demokratie durchzusetzen. »Nie wieder!« war der Kampfruf dieser Generation. »Nach Ende des Krieges«, gab Harpprecht der Neuen Zürcher Zeitung zu Protokoll, »gab es nur einen Gedanken: Das darf nie wieder passieren. Das Politische saß einem auf dem Hals.« Seine Überzeugung führte ihn fast zwangsläufig zu Willy Brandt, dem ersten sozialdemokratischen Bundeskanzler der Republik. Harpprecht wurde sein Berater für internationale Fragen und leitete sein Schreibbüro.

Dem Land fehlten damals die demokratischen Vorbilder. Diejenigen, die es noch gab, sammelte Harpprecht in seinen Texten und Büchern. Ernst Reuter, ein Leben für die Freiheit heißt seine erste Biografie, die 1957 erschien. Zwanzig Jahre später schrieb er über den Weltbürger Georg Forster, einen enthusiastischen Anhänger der Französischen Revolution, von dessen »Liebe zur Welt« er sich persönlich angesprochen fühlte. Zwei Jahre danach dann ein Gruppenporträt republikanischer Deutscher, die, auch sie dem Ruf der Revolution folgend, nach Paris gezogen waren. Unserer schwach entwickelten republikanischen Tradition hauchte er aber auch mit seinen unvergesslichen Dorfgeschichten aus der Provence ein wenig Leben ein.

Zu seinem Opus magnum wurde jedoch die 1995 erschienene Biografie über Thomas Mann, 2256 Seiten stark – ein »Monster«, wie Harpprecht selbst dieses Lebensbild eines unpolitischen Konservativen nannte. Thomas Mann verkörperte für ihn das Rätsel des deutschen Bürgertums. Sich in dessen Gedankenwelt zu versetzen kostete den liberalen Schwaben einige Schwermutsanfälle.

Zurzeit hält er sich oft im Hamburger Pressehaus auf, wo er sich in das Leben von Marion Gräfin Dönhoff vertieft. Die Biografie der langjährigen ZEIT- Herausgeberin will er im kommenden Jahr zu ihrem 100. Geburtstag vorlegen.

 
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