Asien Königswetter und Kaiserklima

China und Japan proben diese Woche die Wiederannäherung. Doch ihre Beziehung bleibt heikel.

Peking

Der chinesische Premier Wen Jiabao (l.) mit seinem japanischen Kollegen Shinzo Abe in Tokyo

Der chinesische Premier Wen Jiabao (l.) mit seinem japanischen Kollegen Shinzo Abe in Tokyo

Wenn diese Woche Japans Kaiser und auch der Regierungschef in Tokyo Chinas Premierminister willkommen heißen, ist das alles andere als eine diplomatische Selbstverständlichkeit. Der dreitägige Besuch vom chinesischen Premier Wen Jiabo in Tokio, der an gestrigem Freitag endet, ist der erste seit sieben Jahren. Kaum eine andere Beziehung zwischen zwei so bedeutenden Staaten ist seit der Jahrtausendwende so gespannt und konfliktbeladen wie jene zwischen China und Japan. Manche befürchten bereits eine historische Erbfeindschaft, wie sie einst Deutschland und Frankreich trennte. Grund dafür ist nicht nur der alte fortschwelende Historikerstreit um Japans Rolle im Zweiten Weltkrieg: War es Aggressor oder Befreier? China und Japan streben vor allem nach Einfluss, Macht und Vorherrschaft in Asien. Für viele Beobachter ist das Tauziehen schon entschieden: China sei die aufsteigende, Japan die absteigende Macht, sagen sie und halten wachsende Konflikte bis hin zum Krieg für möglich.

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Sie wollen keine zänkischen Emporkömmlinge mehr sein

Gegen dieses alte Machtdenken mit seinen fatalistischen Zügen aber wollen der japanische Premier Shinzo Abe und sein chinesischer Gast Wen Jiabao jetzt in Tokyo ein Zeichen setzen. Gemeinsam wollen sie ihre Länder vom Ruf befreien, zänkische neue Emporkömmlinge in einer alten Weltordnung zu sein. Stattdessen möchten sie sich als gute Schüler globalen Denkens und Regierens zeigen und haben sich dafür ein neues Politikfeld ausgesucht: den Klimaschutz. Beide Regierungschefs werden in Tokyo gemeinsam ihre Bereitschaft bekunden, verpflichtende Emissionsbeschränkungen im Rahmen eines Post-Kyoto-Abkommens vom Jahr 2013 an einzugehen – noch in diesem Jahr sollen die Verhandlungen beginnen. Weder Abe noch Wen wollen dabei hinter den jüngst verkündeten Klimaschutzzielen ihrer Kollegen aus der EU zurückstehen. Damit wagt sich vor allem die Regierung in Peking weit vor. Bisher nämlich gab sie den alten Industrieländern alle Schuld am Klimawandel und lehnte konkrete Ziele zu einer Reduzierung des CO₂-Ausstoßes ab. Die USA nutzten dies wiederum als Vorwand, das Kyoto-Abkommen ebenfalls nicht zu ratifizieren. Doch nun wollen Peking und Tokyo die Synergie ihrer Volkswirtschaften nutzen, um den Westen klimapolitisch zu überholen – mit Japan in der Rolle des ökologischen Retters für China.

»Chinas Probleme hat Japan alle schon gehabt und es besitzt heute im Energie- und Umweltbereich die beste Technik der Welt. Deshalb kann China viel von Japan lernen«, umschreibt Chinas Botschafter in Japan, Wang Yi, die Annäherung. Beide Länder werden deshalb eine Reihe klimarelevanter Projekte vereinbaren. Und damit jeder sieht, wie ernst sie es meinen, redet Premier Wen als erster chinesischer Politiker seit 22 Jahren vor dem japanischen Parlament.

Doch Wen und Abe bewegen sich auf schmalem Grat, denn ihre Ankündigungspolitik verprellt ihre politische Klientel: Abe enttäuscht Japans rechte, Wen Chinas linke Nationalisten. Kann das gut gehen?

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