Regeneration Schwierige WundenSeite 4/4

Alles Wissen bringt nichts, wenn das Geld fehlt. »Hausärzte können sich die richtigen Materialien oft nicht leisten«, sagt Gernold Wozniak. »Da bleibt es dann häufig bei Fettgaze und Mullbinde.« Dabei sind die Hightechverbände unter dem Strich nicht unbedingt teurer, schließlich müssen sie seltener gewechselt werden. Das verringert zum einen die Materialkosten, zum anderen muss der Pflegedienst seltener zum Verbandwechsel ausrücken.

Die Kassen zahlen Milliarden für die Folgen schlechter Versorgung

Für den Arzt ist das allerdings nur ein kleiner Anreiz: Leistungen des Pflegedienstes gehen nicht auf sein Budget, entsprechende Einsparungen also auch nicht. Am Ende kommt die billige Behandlung dann die Kassen teuer zu stehen: Im Jahr 2005 summierten sich die Folgekosten auf 1,7 Milliarden Euro, schätzt die ICW. Ganz zu schweigen von der zusätzlichen Pein.

Hergeben mögen viele Hausärzte die Dauerpatienten dennoch nicht. »Vier Jahre lang musste ich kämpfen, damit ich Patienten mit chronischen Wunden ambulant behandeln durfte«, sagt Wozniak, der die Wundsprechstunde am Knappschaftskrankenhaus in Bottrop leitet. Er redete mit den örtlichen Hausärzten und verhandelte mit der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung; schließlich bekam er eine »Ermächtigung zur Teilnahme an der kassenärztlichen Versorgung«. Zumindest Patienten, die eine Überweisung vom Chirurgen vorlegen können, darf er nun behandeln.

Auch die Wundexperten in Hamburg-Harburg kennen diese Zwickmühle. »Unser Wundzentrum hat keine Kassenzulassung, deshalb ist die ambulante Versorgung für uns ein Verlustgeschäft. Oft stehen aber entlassene Patienten wieder vor der Tür, weil ihr Hausarzt ihnen kein Rezept ausstellen kann«, sagt der Chefarzt Sebastian Debus. Die Hamburger haben für das Problem eine eigene Lösung gefunden: »Wir versuchen, die Versorgung teilweise über Studien zu finanzieren.«

Eine allgemeine Basis für die Zusammenarbeit zwischen Klinik- und Hausärzten will nun die DGfW schaffen. Sie verhandelt mit dem Bundesverband der Betriebskrankenkassen über einen Rahmenvertrag. Wozniak ist optimistisch: »Wir sind fast so weit. Und der Vertrag könnte von anderen Krankenkassen übernommen werden.« Die Patienten können nur hoffen, dass die Initiative mehr Erfolg hat als der Vorstoß der Kassenärztlichen Bundesvereinigung vor zwei Jahren. Schon 2005 hatte sie ein Konzept für die Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden entwickelt und den Spitzenverbänden der Krankenkassen angeboten. Damit sollte genau die Zusammenarbeit von niedergelassenen Ärzten, stationären Einrichtungen und Pflegediensten geregelt werden. Doch geschehen ist bisher nichts.

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