Religion Der Glaube lebt nicht vom Papst allein
Das Christentum hat mehr subversive Kraft, als dem Staat lieb ist. Antwort auf Armin Nassehi
Der Papst ist populär. Das Fernsehen überträgt, die Klatschpresse berichtet, Open-Air-Messen werden auch von der hipperen Jugend gefeiert. Die Trendforscher haben sich auf das Schlagwort von der Wiederkehr des Religiösen geeinigt, und so hat, um dem modischen Phänomen auf die Spur zu kommen, der Münchener Soziologe Armin Nassehi die christliche Religion einem Schneidertest unterzogen . Er ist zu dem wohlwollenden Ergebnis gekommen: Sitzt tadellos und hat noch Luft, passt allen Konfektionsgrößen, vor allem in der katholischen Façon (die protestantische ist etwas enger geschnitten), kein Wunder, dass sich das Modell wachsender Beliebtheit erfreut.
Doch ehe sich die aufgeklärteren Kirchenvertretern freuen, dass der Glaube offenbar seinen »Sitz im Leben« wieder gefunden hat, wie das einschlägige Stichwort lautet, das Nassehi mit schönem Spott gebraucht, sollten sich die Geistlichen fragen, bei welcher Anprobe in welcher Umkleidekabine der Professor eigentlich sein Lob gewonnen hat. Sein Kunde ist nämlich nicht der Mensch schlechthin, sondern der aufgeklärte Westbürger in der weltanschaulich neutralen Demokratie, dem er versuchsweise in die christliche Konfession geholfen hat (Wollen Sie mal reinschlüpfen?), um anschließend festzustellen: Na geht doch, tadellos. »Die eigentlich praktische Frage, die sich dahinter verbirgt, ist die nach der ›guten‹ Religion«, heißt das Kriterium in der Ausdrucksweise des Soziologen: »Eine gute Religion muss mit gesellschaftlichem und religiösem Pluralismus umgehen können. Sie muss mit der Idee und der Praxis der individuellen Freiheit kompatibel sein, und sie muss sich auf gleicher Augenhöhe auf einen Dialog mit anderen Religionen einstellen können.«
Mit anderen Worten: Die gute Religion im Sinne Nassehis soll nicht mit anderen Religionen in Streit geraten, sie darf den Gläubigen nichts vorschreiben und soll zu der Gesellschaft, wie sie sich wildwüchsig entwickelt, keine starken Meinungen entfalten. Einmal abgesehen davon, dass eine solche Religion keine Religion, sondern ein Wellness-Programm wäre, verblüfft die Selbstverständlichkeit, mit der Nassehi davon auszugehen scheint, dass es Gesellschaft und Staat sind, die Forderungen an die Religion zu stellen und über ihre Eignung zu befinden haben. Staat und Gesellschaft sind für ihn das Absolute (sie stellen sozusagen die Körpermaße), und die Religion ist das, was dieser Lebensform auf den Leib zu schneidern ist.
Selbst wenn man zugesteht, dass dieser Soziologe selbst nicht gläubig ist oder sein will, müsste er doch als Wissenschaftler wissen, dass es sich gerade umgekehrt verhält: Die Religion ist ihrem Wesen nach das Absolute (oder verwaltet die Kenntnis davon) – und wenn es etwas gibt, dass sich anzupassen hat, dann sind es Gesellschaft und Staat. Gott hat Himmel, Erde und Mensch geschaffen, aber nicht die pluralistische Demokratie, und auch die Menschwerdung seines Sohnes sollte nicht zuvörderst die Gestalt des bundesdeutschen Grundgesetzes annehmen. Weniger polemisch formuliert: Das Christentum ist seit zweitausend Jahren auf der Welt, es hat die verschiedensten Staats-, Wirtschafts- und Gesellschaftsformen überdauert oder geprägt, es ist in seinem Kern nicht auf eine besondere Form angewiesen. Für Christen sind jeder Staat und jede Gesellschaft nur transitorisch, und mögen sie noch so drückend oder bequem sein.
Natürlich hat Nassehi recht, dass aus Sicht des modernen Staates das Christentum eine gute Religion sein kann – aber nur weil sie, anders vielleicht als der Islam, keine Einheit von Glauben und Staat erwartet. Die Zwei-Reiche-Lehre garantiert eine milde resignatorische Einstellung des Christen zu seinem sozialen Gehäuse: Es wird nun einmal auf Erden niemals zum Besten bestellt sein.
Das heißt aber nicht, dass der Christ sich etwa wohlwollend mit allem abzufinden bereit wäre oder bereit sein müsste. Denn auch im irdischen Jammertal hat er ein gottgefälliges Leben zu führen, und da zeigt sich nun, dass die Aussichten dafür besser oder schlechter stehen können, dass es kurzum bessere und schlechtere Staatsformen, gerechtere und ungerechtere Gesellschaften gibt. Mit anderen Worten: Der Christ wird immer etwas zu nörgeln haben und im Konfliktfalle mit der Obrigkeit oder der Mehrheit seinem Gewissen folgen. Insofern ist das Christentum gerade keine »gute« und friedliche, im Konfliktfalle sogar eine unbeherrschbare Religion. Man muss sich solche Konflikte übrigens keineswegs nur als historisch überwundene vorstellen (wie im Sozialismus oder Hitlerreich), sie könnten überraschend schnell gegenwärtig werden. Wenn etwa eine weitgehende Freigabe der Gentechnik beschlossen würde, könnte die Loyalität der Christen zum Staat schnell wanken, wie groß auch immer die gesetzgeberische oder gesellschaftliche Mehrheit für die Gentechnik wäre. Die Mehrheit ist überhaupt keine Autorität in einer Offenbarungsreligion und noch viel weniger in einer, die mit den Martyrien einer Minderheit begann.
- Datum 21.04.2007 - 06:13 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.04.2007 Nr. 17
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Von welcher Zeit spricht Jens Jessen eigentlich? Meint er die Gegenwart? Die medial verklärte JPII-Vergangenheit, die in ihren letzten Zügen nachwirkt?
Den Medien-Katholizismus, den Jessen hinter dem angeblichen neuen Glaubens-Hype zu erkennen meint, ist mit dem letzen Papst gestorben. Mittlerweile müsste doch auch der letzte Luftblasen-Kritiker oder Sanktopop-Fan mitgekriegt haben, dass seit zwei Jahren das genaue Gegenteil im Anmarsch ist. Und dieses Gegenteil deckt sich – liest man nur mal die aktuellen Texte - ziemlich genau mit der Art Christentum, dessen „subversive Kraft“ Jessen als schwieriges, nicht einzugemeindendes, politisch unkorrektes Gebilde kennzeichnet. Und - Verzeihung - mir scheint ganz im Gegensatz zur Suggestionslinie der Artikel-Überschrift, dass es derzeit kaum einen Glaubensrepräsentanten gibt, der zwar medial stärker aufgedonnert oder verdonnert wird, selbst aber so ziemlich genau das Gegenteil verfolgt und inhaltsorientierter und medienskeptischer (nachzulesen in diversen Ansprachen) sein Amt versieht, als der derzeitige Papst. Seltsam, dass Jessen das in keiner Weise mit in Kontrast nimmt.
Dass der „Glaubens“-Hype eine mediale Erfindung ist, wird im Übrigen von genau den Medien, die ihn aufspielen (ob „Bild“ oder „Spiegel“ oder ntv), zumeist selbst immer gleich mit geliefert - quasi wie im Idioten-Laufrad. Trotz dieser allseits bekannten Reflexionsschleife aber, hängt sich Jessen, scheint’s, in eben dieses Leerlaufrad mit ein und nimmt das eine für das andere, erklärt das Medien-Bild für die Realität, nur um es sogleich wieder platzen zu lassen. Als ob er mit seiner Medienkritik irgendetwas Neues sagte.
Jessen wirft seinem Debatten-Gegner Nassehi vor, nur auf „theoretisches“ Glaubenswissen zurück zu greifen. Liest man Jessens Artikel, muss man dasselbe allerdings genauso für ihn feststellen. Es ist ja sehr richtig, dass er gegen all die politischen Kommentatoren, die sich ihre Religion zurecht schneidern wollen, Religion im Gegenteil als etwas Inkommensurables, Inkompatibles definiert. Aber was kritisiert Jessen damit überhaupt? Die Medien? Den Wellness-Katholizismus, den es wo gibt? Oder redet er vom Wellness-Protestantismus? Oder will er einfach nur konstatieren, was seit langem klar ist, nämlich, dass echter Glaube immer eine Sache von Minderheiten ist und sein wird und sicher auch immer war?
Das letzte Mal, dass ich mir so etwas wie einen evangelischen Gottesdienst angetan habe (ich bin evangelisch), war Weihnachten vor zwei Jahren in einer Kirche auf dem Land: In einem Spätgottesdienst war es (wieder mal) wie im Kindergarten. Die Predigt kam über banale Alltags-Schnurren und Binsen nicht hinaus. Die Bauern, Apotheker und Beamten, durften sich, wie immer, in ihrem routinierten Pragmatismus nur bestätigt fühlen. Und von „Liturgie“ oder „Ritual“ kann man nun mal ohnehin kaum sprechen. Weniger Herausforderndes, weniger Aneckendes, weniger Nachdenkliches, geschweige denn irgendwie Tiefgreifendes oder „Heiliges“, findet man vielleicht noch in einer Autobahnraststätte. Soviel zur Aushöhlung von Religion, wofür kein Papst oder „Medien-Hype“ nötig ist.
Im Gegensatz dazu kommen mir mittlerweile die intensiven Versuche (ich muss es leider sagen) ausgerechnet des jetzigen Papstes, in seinen Katechesen und Predigten konsequent auf christliche Grundlagen zurück zu kommen - ihre vielschichtigen philologischen und auch historisch-kritischen Seiten ins Bewusstsein sein zu bringen und sie (dann natürlich von einer bestimmten Glaubensauffassung her) inhaltlich zu erklären - im besten Sinne protestantisch vor. Was für eine Reformation also erhofft oder befürchtet Jessen? Eine mediale?
Besser und prägnanter kann man es nicht auf den Punkt bringen!
Man hält es noch kaum mehr für möglich, das gibt es also noch in der ZEIT:
ein intelligenter, gut geschriebener Artikel, der tatsächlich Wissen und Kompetenz über den behandelten Gegenstand verrät!
Ich kopiere hier aus einem anderen Zusammenhang einen Beitrag von mir (vgl. auch: http://www.zeit.de/online...), da ich glaube, dass der Text, der sich da gegen eine ganz andere „Anti-Subversion“ richtete, auch hierher ganz gut passt. In punkto „Subversivität“ der Religion – insbesondere der katholischen -, stimme ich da in einem gewissen Sinne, der Behauptung Jens Jessens zu, schränke aber ein, dass diese subversive Kraft an das Schicksal des Patriarchats gebunden ist. Das postmoderne Kapital hat da im Moment eine Art Loyalitätskonflikt am Hals, indem es sich von dieser Subversion einerseits zu befreien sucht, andererseits aber sich vom religiös konnotierten Patriarchat nicht völlig abnabeln kann, da es sonst die weibliche Arbeitskraft nicht so billig erhält, wie es das sich wünscht (eine dem Mann völlig Gleichgestellte ist nicht des Kapitals Wunsch), bzw. all zu sehr riskieren würde, sich dabei selbst zu untergraben, denn Kapitalismus bleibt nicht nur ein männliches Geschäft, sondern auch ein dem männlichen Sexus zuarbeitendes Machtspielzeug. Eine spannende Geschichte tut sich da womöglich auf, insofern von da aus eine ganze neue Seite aufgeschlagen werden könnte: Der Januskopf „Kapital-Patriarchat“ beginnt zu bröckeln! Allerdings muss man sich da im Klaren sein, dass hier nicht nur Identische, sondern als solche Ewiggestrige am Werk sind! Die Dialektik scheint sich da an uns – dem Subjekt - zu amüsieren.
„In einer offenen Gesellschaft kann und soll man sich nicht gegen „Unterwanderung“ wappnen, sondern man soll den Diskurs führen. Die Unterwanderung durch den Islam, offenbart in Wahrheit ein Merkmal postmoderner Gesellschaften: Die Zunahme des Mystizismus als Ausdruck des Übergangs in die Barbarei! Auch die Renaissance der christlichen Religionen – hier im Westen - stellt aus dieser Sicht eine „Unterwanderung“ dar. Das alles und viel mehr ist die Strafe für die verpasste Revolution in der Moderne. Wenn es stimmt, dass die „Revolution ihre Kinder frisst“ (Wolfgang Leonard), dann wird wohl der Kapitalismus von seinen Kindern gefressen – auch eine Form des „Autokannibalismus“ (Robert Kurz). Aus der Sicht des Kapitalismus ist der „Kampf der Kulturen“ somit nicht zu gewinnen, da die Kultur von innen heraus zersetzt wird. Und wenn es zutrifft, dass mit dem Beginn der Klassengesellschaft, der Sieg der Kultur über die Biologie einherging, so ist der „Abgesang des Kapitals“ (R.K), also der Niedergang, ohne dessen Überwindung durch eine Revolution, zugleich der Niedergang der Kultur überhaupt. Die Biologie wird dann insofern wieder über den Menschen triumphieren als diese zuvor von ihm instrumentalisiert wurde. Die schlimmsten Horrorvisionen von und über menschliche Maschinen, die die Kontrolle über den Menschen übernehmen sind eben nicht allein technisch konnotiert, sondern letztlich wieder biologisch: Die Kreatur reproduziert sich solchermaßen selbst, und der Mensch – soweit es einen solchen dann noch gibt – verliert darüber die Macht, und zwar so ähnlich wie das Kapital dies derzeit über seine eigene Realakkumulation – welches virtualisiert! Eine Rettung der Kultur gibt es nur durch die Überwindung der Klassenkultur, d.h. durch die Überwindung der Warenproduktion und damit des Gegensatzes von Kapital und Arbeit. Erst infolge einer solchen Revolution wird der Mensch wirklich Herr seiner selbst und sein „Sieg“ über die Biologie wird dann unumkehrbar. Die Beziehungen des Menschen zu seiner („natürlichen“) Umwelt müssen allerdings ebenso radikal verändert werden, wie die innerhalb seiner sozialen: auch dort darf er nicht als „Herr“ auftreten! Die Verhältnisse innerhalb der (dann objektiven wie subjektiven) Welt werden dann zum ersten Mal wirklich demokratisiert – im Besten Sinne des Wortes. Und eine solche Gesellschaft ist eine kommunistische, und in ihr gibt es natürlich auch keine sexuelle Unterdrückung mehr, damit verliert die Religion ihre soziale Basis - das Patriarchat! Sie verschwindet einfach! – „Ende der Vorgeschichte“ (Karl Marx)!“
... daß Gott bisher nur als virtuelle Relität existiert. Menschen erfinden Fabelwesen bei denen Sie dann Beistand suchen. Sie erfinden ein Leben nach dem Tod weil sie diesen nicht bereit sind zu akzeptieren.
Ein 'Leben nach dem Tod' wird mit Sicherheit noch lange Vision bleiben, bei Gott hat die Menschheit jedoch eine Reale Chance ihre jahrtausendealte Vision in die Realität umzusetzen. Der Mensch ist bald in der Lage eine Überintelligenz zu schaffen welche sich Gott nennen kann. Das sollte Ziel der Menschheit sein. Anstatt in unzähligen Kriegen aufeinander einzudreschen sollten wir uns an diese große Aufgabe heranwagen. Damit Gebete nicht länger ins Leere gehen.
Nietzsche war in vielen Dingen ein Spinner, geisteskrank, armseelig,
aber wenn er im Zarathustra fordert, die Menschheit muesse sich selbst ueberwinden, dann ist er Verkuender der Zukunft!
Ich bewundere ihn dafuer!
Wir brauchen eine bessere Religion, oder wir werden verschwinden von dieser Erde, weil uns die alten Religionen nicht mehr die richtigen Antworten geben!
Welches Wesen der Mensch auch schafft – Überwesen, Untermenschen, oder was auch immer – es bleibt eine menschliche Kreatur: Ein Teil von ihm. Die Magie der Religion wirkt nur in der Imagination eines Wesens außer ihm, eines das entweder den Übergang zwischen Leben und Tod (einem göttlichem) gänzlich aufgehoben oder das den Grenzbereich zwischen Leben und Tod erreicht hat (in Nietzsches außergöttlichem). Was es auch immer sei, es lebt von der Vorstellung, dass das Subjekt Teil des Objekts (Teil des Todes – Gott ist tot, Nietzsche) ist, also nicht wirklich Subjekt. Die (Selbst-)Erkenntnis des Menschen als Subjekt ist aber ein irreversibler Vorgang, so wie auch die Geburt ein solcher ist. In dem Moment, wo der Mensch sich seiner bewusst wird, bzw. den Geburtskanal hinter sich gelassen hat, ist er geschieden vom Objekt, bzw. vom Tod (für die Dauer seiner Existenz). Sein zukünftiger Tod ist nicht identisch mit dem Zustand vor seinem Leben, auch wenn beides mit dem Tod zusammen fällt. Denn als Subjekt hat er Spuren hinterlassen und damit womöglich das einzig Überendliche hervorgebracht – die Erinnerung. Ab dem Moment, wo das dem Menschen bewusst wird, verliert die Magie der Religion ihren Wert. Denn keine Magie, kein Gedankentrick, kein „Überwesen“ kann das ungeschehen machen, denn der Mensch ist, da er bereits denkt, dass er ist (um mal hier Descartes´ bekannte These etwas zu modifizieren). Da wo das Leben also vom Tod klar geschieden wird, ist kein Platz mehr für Religion. Das gilt jetzt schon und erst recht in der Zukunft, denn auch in einer solchen, wird es kein ewiges Leben geben, zumal auch ein ewiges Leben vom ewigen Tod nicht zu unterscheiden wäre. Nur wo ein begrenztes, endliches Leben existiert, hat es überhaupt ein solches. Das Leben, gerade als begrenztes Leben, ist das einzig wertvolle in diesem ganzen Universum. Diese Erkenntnis ist es, die die religiös-nihilistische Wahnvorstellung von einem etwas, das da womöglich wertvoller wäre, dereinst aus der Welt schafft!
Das ist für mich eine Frage. Prof. Nassehi ist ein sympathischer und hochintelligenter Mann, hier, mit seinem Beitrag, scheint er mir den Nagel aber nicht auf den Kopf getroffen zu haben und eben schlecht beobachtet zu haben. (Wie ich dort ja auch schon kommentierte.)
Im Widerspruch zu seinen Ausführungen liegt vor allem die Überschrift. Hätte er dort nicht von der Kraft der Religion, sondern von der Kraft der menschlichen Rituale (zur Not auch der Kraft der Orthodoxie gesprochen, die ja eben noch mehr als die katholische Kirche sich auf die Kraft der mittelalterlichen Liturgie stützt) gesprochen, dann wäre das m.E. stimmig gewesen. Natürlich ist es schwer, zu erahnen, was in der Masse der Menschen vor sich geht, die ja doch auch, noch, recht verschiedenen sind und denken, habe ich den Eindruck.
Die christlichen Riutale, ein Teil der christlichen Rituale sicher nur, hat jedenfalls schon mit der Weltanschauung von Jesus Christus zu tun und allein dadurch vermittelt sich eben dann auch ein Teil der Weltanschauung des Jesus Christus bzw. des Christentums. Dennoch, und das ist schon bedenklich, wenn man will erstaunlich, ist der Papst bei den Inhalten eher zurückhaltend - und das in diesen schwierigen Zeiten. So führt man keine offensive Auseinandersetzung, so vermittelt man nicht den Eindruck, dass man alles weiß. Aber vielleicht ist die Sache ja auch zu ernst, als dass er sie direkt benennen will, ist die Zeit doch nnoch nicht so weit, dies so, also konkret, zu tun.
Herr Jessen gibt schon ein paar gute Gegenantworten, vor allem auch die, dass Herr Prof. Nassehi Unwissenheit hier eigentlich nur vorgeben kann. Die wichtigsten inhaltichen Punkte des Christentums finden sich ja schon bzw. gerade auch im 'Vaterunser', und das wird bei den meisten Ritualen, den Gottesdiensten also, schon auch immer mit gebetet.
Dein, nicht unser, ist das Reich - es, das himmlische, komme nicht irgendwann, sondern (so Jesus) möglichst bald...!
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