Chancengleichheit Der feine Unterschied

Wir brauchen mehr Frauen in der Forschung. Und mehr Forschung, die auch die Frauen im Blick hat.

Annette Schavan , Bundesministerin für Bildung und Forschung, will mehr Frauen in der Wissenschaft BILD

Die Europäische Union hat das Jahr 2007 zum »Jahr der Chancengleichheit für alle« ausgerufen. Gleiche Rechte zu verlangen und entsprechende Gesetze zu verabschieden reicht aber längst nicht aus. Wir müssen Verhaltensweisen und Mentalitäten ändern.

Schon in den Schulen stellen wir fest, dass Mädchen und Jungen unterschiedlich erfolgreich sind. »Junge Frauen weiter auf der Überholspur« meldet die aktuelle Shell-Jugendstudie. Diese Ungleichheit zu erforschen ist die Voraussetzung, um zielgerichtet fördern zu können.

Anzeige

Der aktuelle Bildungsbericht zeigt deutlich, dass Mädchen in der Schule erfolgreicher sind als Jungen. Mädchen werden früher eingeschult, bei der Einschulung seltener zurückgestellt und bleiben seltener sitzen. Mädchen verstehen – das zeigt die Pisa-Leistungsstudie zur Schlüsselqualifikation Lesen – geschriebene Texte besser und nutzen die Texte häufiger zur Lösung von gestellten Aufgaben. Deshalb müssen wir auch Instrumente finden, um Jungen zielgerichtet zu fördern.

Gleichzeitig müssen wir aber sehen, dass, obwohl mehr Mädchen als Jungen die Hochschulreife erreichen, nur 48 Prozent aller Studierenden Frauen sind. Unter den Promovierten sinkt der Frauenanteil auf 39 Prozent und auf 23 Prozent unter den Habilitierten. Nicht einmal jede zehnte C4-Professur ist von einer Frau besetzt. Bei den Führungspositionen in den außeruniversitären Forschungseinrichtungen liegt ihr Anteil bei lediglich sieben Prozent. Auch in der industriellen Forschung sind Frauen mit zwölf Prozent deutlich unterrepräsentiert. Wenn wir die eingefahrenen Wege nicht verlassen, vergeuden wir ein enormes innovatives Potenzial.

Die Leitungen der Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind vorrangig gefragt, wenn es darum geht, qualifizierten Frauen bessere Chancen in der Forschung zu verschaffen. Ich begrüße die Offensive für Chancengleichheit des Wissenschaftsrates und die entsprechenden Empfehlungen der Hochschulrektorenkonferenz. Jetzt gilt es, diese Vereinbarungen in die Realität umzusetzen.

Die in dieser Woche stattfindende Konferenz »Gender in der Forschung« thematisiert die in Deutschland neu entwickelten Strukturen und Aktivitäten, um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern optimale Bedingungen für ihre Arbeit zu schaffen. Solche Konferenzen sind ein Forum, um sowohl Strukturen in Wissenschaft und Forschung als auch aktuelle Vorschläge zur Weiterentwicklung von Forschungsinhalten zu diskutieren. Gender in der Forschung heißt nämlich nicht nur Forschung von Frauen. Gender in der Forschung heißt auch, dass die Forschung spezifische Erkenntnisse über Frauen und Männer von Anfang an in den Blick nimmt.

Leser-Kommentare
  1. Wir brauchen mehr Männer in der Forschung. Und mehr Forschung, die auch die Männer im Blick hat. 'Genderforschung' ist NIEMALS Männerforschung, nur Frauenforschung. Es reicht langsam. Ich fühle mich diskriminiert. Annette Schavan hat gegen das Anti-Diskriminierungsgesetz verstoßen und ist als Ministerin nicht mehr tragbar.

  2. Gender-Aspekte mit dem Versprechen eines 'enormen Marktpotenzials', geschlechtsbezogene Verfahrens- und Denkweisen für die 'Vermarktungsphase', Geistes- und Sozialwissenschaften mit Beiträgen zum 'Umsetzungserfolg': 'Wer in diesem Markt dabei sein will, der muss sich viel einfallen lassen' - vor allem, was die Instrumentalisierung von Frauenförderung, Bildung und Wissenschaft auf dieses alles andere zurückdrängende Ziel hin betrifft.
    Marktdienliche Emanzipation - ideal für Partialemanzipierte, Profiteure, karriereinteressierte Politiker und -innen.

  3. 3. oi

    "Ein Beispiel aus der Medizin: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere der Herzinfarkt, gehören auch bei Frauen zu den Haupttodesursachen. Mehr als 130000 Frauen in Deutschland erleiden jedes Jahr einen Herzinfarkt. Mehr als die Hälfte von ihnen überlebt den ersten Infarkt nicht. Die Überlebenswahrscheinlichkeit ist geringer als bei Männern. Der Grund: In mindestens einem Drittel der Fälle treten die bei Männern typischen Symptome bei Frauen eben nicht auf. Ein Beispiel von vielen. Erst die Berücksichtigung von Genderaspekten in der Forschung macht deutlich, wo die Unterschiede wirklich liegen."

    Hier ist aber offensichtlich nicht das ominöse "Gender", sondern das Geschlecht bedeutsam. 6, setzen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service