Astronomie Der Mondmann

Der Berliner Professor Gerhard Neukum will 2012 eine Sonde zum Mond schießen.

Er hat damals in Cape Canaveral auf der Gästetribüne gesessen, als es losging. »Womm, womm, womm, worr!« So hat es sich angehört. »Worr, worr!« Und so sah es aus: Seine Hände formen einen Feuerball. Der Planetenforscher Gerhard Neukum gerät in Wallung. In seinen Gedanken steigt die mächtige Saturn-Rakete noch einmal in die Höhe. Florida im Januar 1971: Die Apollo14-Kapsel ist auf dem Weg zum Mond.

Neukum war damals als junger Forscher in den USA. Heute ist er 63, Professor am Institut für Geologische Wissenschaften an der Freien Universität Berlin und der wohl bekannteste deutsche Weltraumforscher. Er hat vor zwei Jahren entscheidend mitgeholfen, den Mars zu erkunden. Sein Team hat eine Kamera gebaut, die den Roten Planeten exakt kartierte – dreidimensional, in Farbe, mit einer Auflösung bis zu zwei Metern.

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Der Mars ist erobert. Jetzt bereitet sich Neukum auf sein nächstes Projekt vor. Er soll im Rahmen einer von deutschen Wissenschaftlern geplanten Forschungsmission eine Spezialkamera bauen, die den Mond ähnlich genau fotografiert.

Zum Mond sind es vier Tage – doch er ist schlechter kartiert als der Mars

An einer Metalltafel in Neukums Institut hängen plakatgroße Farbaufnahmen vom Mars. Daneben hat jemand rot-grüne 3-D-Brillen mit Magnetknöpfen angeklippt. Setzt man sie auf, sieht man feine Gräben und riesige, alles überragende Gipfel. Tiefe Schluchten klaffen in der rauen Oberfläche. Einen Schritt näher an die Karte, und man kann die Marsfurchen mit den Augen abtasten, ganz so, als flöge man in einen Raumgleiter. Dieser Raum ist ein Ort, an dem man sich in fremde Planetenwelten träumen kann – eine Reise zum Mars würde etwa neun Monate dauern.

Zum Mond sind es vier Tage. Doch von dort gibt es solche Aufnahmen nicht. In den siebziger Jahren, als das amerikanische Apollo-Programm eingestellt wurde, waren gerade zehn Prozent der Oberfläche kartiert. Mit herkömmlichen Mitteln, ohne Kopfkino-Effekte. Das ist ein Grund, warum Wissenschaftler den Mond jetzt wieder ins Visier nehmen. »Der Mond war bei mir nie ganz tot. Wissenschaftlich gesehen«, sagt Neukum.

In den vergangenen Jahren sind Forscher auf der ganzen Welt zu der – nicht ganz uneigennützigen – Ansicht gelangt, dass die Menschheit viel zu wenig über den Mond weiß. Sie hoffen, dort neue Erkenntnisse zur Entstehungsgeschichte der Erde zu gewinnen. Außerdem gilt der Mond als Testfeld für eine Marsmission. In sieben Ländern laufen nun parallel Vorbereitungen für bemannte und unbemannte Missionen: Großbritannien, Italien, die USA, Indien, China und Japan wollen Sonden schicken, seit diesem März sind auch die Deutschen dabei. Ein neues Rennen zum Mond hat begonnen. Diesmal geht es nicht mehr nur darum, welche Supermacht zuerst den Fuß auf die puderweiche Oberfläche setzt. Die Frage ist: Wer sammelt die wichtigsten Daten?

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