Eurofighter Geld für die Gattin, Kampfjets für den General
EADS steht im Verdacht, in Österreich Schmiergeld verteilt zu haben. Nun könnte der Kauf von 18 Eurofightern storniert werden.
Braucht Österreich den Eurofighter? BILDSo ein Fest hatte die österreichische Luftwaffe lange nicht gesehen. Der damalige österreichische Verteidigungsminister Günther Platter, seine ranghöchsten Generäle und ein Manager der europäischen Flugzeug- und Rüstungsfirma EADS kamen auf dem Fliegerhorst im kleinen Städtchen Langenlebarn zusammen, um ein wenig Spaß zu haben. »In einem aus Holz gezimmerten Flugzeug«, so erinnert sich jetzt ein Wiener Beamter vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss in Wien, sei der Politiker »hereingefahren« worden. Nach dem Essen setzten sich die Generäle auf Fahrräder, die mit Luftballons geschmückt waren, und zielten mit Spritzpistolen auf Zielscheiben, auf denen Politikerbilder klebten.
Das war im Herbst 2004, und die Anwesenden hatten allen Grund zur Freude – nicht nur, weil EADS die Fete spendierte. Die rechtskonservative Regierung der neutralen Alpenrepublik hatte dem Bundesheer gerade ein zwei Milliarden Euro teures Geschenk gemacht und unter wütenden Protesten der Öffentlichkeit bei EADS 18 Kampfjets der Marke Eurofighter gekauft. 180 dieser umstrittenen, weil ursprünglich für den Kalten Krieg konzipierten Flieger hatte vor zehn Jahren auch Deutschland bestellt.
Nun könnte der Deal in Österreich doch noch scheitern. Denn die Regierung Schüssel/Haider ist mittlerweile abgewählt, und in Österreich regiert seit dem Frühjahr der Sozialdemokrat Alfred Gusenbauer, der gegen den Willen seines Koalitionspartners, der Österreichische Volkspartei (ÖVP), einen Untersuchungsausschuss über den umstrittenen Rüstungskauf einsetzte, weil er den Kaufvertrag über das teure Fluggerät am liebsten stornieren würde. Die ersten Erkenntnisse dieses in Wien lange Zeit nur müde belächelten Kontrollgremiums verdienen internationale Beachtung. Während etwa in Großbritannien Korruptionsermittlungen des Serious Fraud Office im Rahmen des Verkaufs von 72 Eurofightern an saudische Scheichs von Tony Blair persönlich aus »Sicherheitsgründen« gestoppt wurden (dabei sollen etwa 80 Millionen Euro Schmiergeld geflossen sein), gerät EADS in Wien durch die medienöffentlichen Korruptionsermittlungen in enorme Bedrängnis. Und erstmals könnte der Konzern einen bereits fix verbuchten Milliardenauftrag verlieren – dank streng formulierter Antikorruptionsbestimmungen im Vertragswerk. Die bestrafen nach US-amerikanischem Vorbild selbst geringfügige Bestechungsversuche mit der Nichtigkeit des gesamten Geschäfts und legen dem Unternehmen die Beweislast für ein sauberes Verhaltens auf.
Bei der fröhlichen Heeresfeier im Jahr 2004 waren auch der deutsche Eurofighter-Chef Aloysius Rauen und ein österreichischer General namens Erich Wolf zugegen. Wolf war bis vor kurzem Chef der österreichischen Luftwaffe und plädierte als Mitglied einer »Bewertungskommission« für den Kauf der Eurofighter – obwohl es billigeres und nach Meinung von Viersternegenerälen gleichwertiges Fluggerät aus Schweden gegeben hätte. Wolf rechtfertigte den Kauf der Flieger auch damit, dass man »dem (bekannten österreichischen Skifahrer) Hermann Maier doch auch keine Ski aus den sechziger Jahren in die Hand drücken« würde. Und nachdem er mit dem Jet eine Runde gedreht hatte, sagte er: »Das fühlt sich an, als ob dir ein Pferd auf die Brust springen würde.«
Heute ist Wolf suspendiert. Er soll von EADS nicht nur die Einladung zur lustigen Fete, sondern auch weit großzügigere Zahlungen angenommen haben. Einer PR-Firma des Generals hat der Wiener Lobbyist von EADS, Erhard Steininger, 87600 Euro überwiesen – »ein Darlehen für meine Frau«, wie Wolf beteuert. Doch in Steiningers Steuerakte, die der Wiener Untersuchungsausschuss veröffentlichte, ist das Geld als »Anzahlung« verbucht. Die Aufdecker in Wien glauben daher an eine verbotene Schenkung. EADS will mit dieser Überweisung nichts zu tun haben, ein Sprecher erklärt die Zahlung zu Steiningers »Privatsache« und weist jede Schuld von sich.
Doch so leicht ist die Sache für den Konzern nicht vom Tisch zu wischen. Nicht nur Wiener Oppositionspolitiker wie der Grüne Peter Pilz, auch renommierte Rechtsexperten, darunter der Wiener Professor für Zivilrecht Andreas Kletecka, meinen, dass die Regierung in Wien den unbeliebten Milliardenauftrag nun stornieren könne. Auch Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) behält sich vor, den Vertrag zu kündigen, will aber noch weitere Gutachten abwarten.
- Datum 19.04.2007 - 04:14 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.04.2007 Nr. 17
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so gut, oder schlecht.
ein kleines detail am rande:
der damalige verteidugungsminister platter ist, man glaubt
es kaum, jetzt der innenminister, somit chef der betrugsbekämpfung.
er kann quasi gegen sich selbst ermitteln.
noch unglaublicher finde ich, daß der bundespräsident auf
eine koalition mit der övp drängte, '...um stabile verhältnisse...' zu erreichen.
und so gelobte er platter zum innenminister an.
dazu sollte man wissen, der bundespräsident hat in ö laut
verfassung fast unumschränkte macht, bloß er nützt sie nicht.
er kann z.b. ohne angabe von gründen eine regierung ent-
lassen.
auch kann er das parlament auflösen.
jedoch nur 'einmal aus dem selben grund...'.
soll heißen so oft er will.
er tut nichts im vorliegenden fall.
weil dies noch kein bundespräsident gemacht hat.
das nennt man in ö 'real-verfassung'
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