Stimmt's?
Harmloser Lichtschock
In vielen Museen, Galerien oder Kirchen ist das Fotografieren mit Blitz verboten, da dies den Kunstwerken angeblich schadet. Stimmt das, oder soll hier nur der Verkauf hauseigener Kataloge und Postkarten gefördert werden? Thomas Peper, Lüneburg
Es gibt einige Gründe, das Fotografieren in Museen zu reglementieren: Bei jüngeren Kunstwerken drohen Urheberrechtsprobleme; andere Besucher könnten sich durch das Hantieren mit Kameras und insbesondere durch Blitze gestört fühlen, und schließlich will, wie Sie richtig vermuten, auch der Museumsshop Postkarten verkaufen. Das Argument mit der Schädigung der Bilder durch Blitze ist hingegen Unfug.
Zunächst einmal: Licht lässt alle Farbstoffe ausbleichen. Das merkt jeder, der Wäsche zu lange in der Sonne trocknen lässt oder eine alte Quittung kaum mehr lesen kann. Museen müssen immer einen Kompromiss finden zwischen dem Schutz der Bilder vor Licht und dem Interesse der Besucher, die möglichst viel sehen wollen.
Grundsätzlich ist der Effekt des Lichts auf die Farbstoffe kumulativ: Je mehr Licht auf ein Bild fällt, desto größer ist der Schaden. Das hellere Blitzlicht ist nicht per se schädlicher als das Tages- oder Kunstlicht im Raum, es kommt auf die Gesamtdosis der Photonen an. Grob geschätzt: Vom Blitz einer Amateurkamera fallen in einer tausendstel Sekunde etwa so viele Photonen auf ein Bild wie sonst in einer Sekunde bei recht schummriger Beleuchtung.
Werden von einem berühmten Gemälde täglich 300 Blitzaufnahmen gemacht, dann ist die Wirkung dieselbe, als wenn man das Licht im Museum fünf Minuten länger brennen lässt. Also praktisch zu vernachlässigen. Viel wirksamer als ein Blitzverbot ist die sorgfältige Einstellung der Beleuchtung im Museum. Christoph Drösser
Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das »Stimmt’s?«-Archiv: www.zeit.de/stimmts
- Datum 20.4.2007 - 03:56 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 19.04.2007 Nr. 17
- Kommentare 4
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zum Beispiel in der amerikanischen Kolumne 'straightdope':
http://www.straightdope.c...
Die negativen Folgen des Blitzens werden allerdings nicht quantifiziert.
zum Beispiel in der amerikanischen Kolumne 'straightdope':
http://www.straightdope.c...
Die negativen Folgen des Blitzens werden allerdings nicht quantifiziert.
bzw das mal versuchen. Da hat man normalerweise gleich einen neben sich stehen: 'Nein geht nicht. Da könnten Sie ja Photos in professioneller Qualität machen.' wurde mir in einem Porzellanmuseeum mal gesagt. Auch wenn ich das nicht vorhatte fand ich das wenigstens ehrlich.
Einige Museen erlauben Stative, und das Bild mit Blitz ist öfters durch Reflektionen schlechter als eines vom Stativ. Der Blitz ist daher eigentlich uninteressant. Gegen die Reflektionen von den schützenden Glasscheiben kann man einen Polarisationsfilter nehmen, der schwächt es ab.
FR
Die Energie des Lichtes hängt nicht nur von der Anzahl der Photonen (i.e. Intensität) sondern auch von der Wellenlänge des Lichtes ab. Je höher die Wellenlänge bzw. Frequenz, desto höher ist die Energie eines individuellen Photons, Je heller die Quelle desto mehr Photonen pro Zeit werden ausgesandt. Wenn es darum geht eine chemische Bindung zu zerstören, ist es sehr entscheidend, wieviel Energie ein einzelnes Photon hat (nach DeBroglie ist die Energie eines Photons direkt proportional zur Frequenz). Zwei Photonen mit jeweils der halben Energie würden nur sehr unwahrscheinlich die gleiche Reaktion auslösen.
Ein Blitzlicht enthält aber wesentlich mehr Photonen im hochfrequenten (ultravioletten) Bereich, als es eine normale (u.U. schummrige) Museumsbeleuchtung tut. D.h. alleine das Abschätzen der Photonenanzahl ist relativ ungeeignet um die Anzahl solcher Reaktionen zu quantifizieren. Es sind z.B. auch Reaktionen denkbar, die ausschliesslich von UV Strahlung verursacht werden, sodass eine längere Exposition zu ausschliesslich niederfrequenterem Licht überhaupt keine Reaktionen verursachen würde.
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