Vor einiger Zeit musste ich mich aus beruflichen Gründen intensiv mit Adolf Hitler befassen. Dabei habe ich eine wissenschaftliche Entdeckung gemacht. Adolf Hitlers Mutter war krank und starb. In dieser Zeit wurde sie von einem Arzt aufopfernd betreut, der Dr. Bloch hieß und Jude war. Weil die Hitlers arme Leute waren, arbeitete Dr. Bloch für ein bescheidenes, fast lächerliches Honorar, 77 Hausbesuche und 47 Behandlungen kosteten 359 Kronen. Das kann man alles nachlesen. Der junge Hitler ergriff unter Tränen Dr. Blochs Hand und sagte: »Dr. Bloch, ich werde Ihnen immer dankbar sein.« So war es. Hitler sorgte im sogenannten »Dritten Reich« persönlich dafür, dass dem alten Arzt kein Haar gekrümmt wurde, Dr. Bloch überlebte und sagte nach 1945 in einem Interview: »Mir wurden Vergünstigungen gewährt, wie sie keinem anderen Juden in ganz Deutschland eingeräumt worden sind.«

Das heißt, Adolf Hitler hat in der finstersten Epoche der deutschen Geschichte nachweislich das Leben von mindestens einem Juden gerettet. Bekanntlich war der Antisemitismus das Kernstück der nationalsozialistischen Ideologie, es war streng verboten, Juden zu helfen. Hitler hat also einiges riskiert, als er Dr. Bloch half, er hätte ja seinen Job verlieren und zum Gespött werden können. Man stelle sich vor, die britische Presse hätte Wind davon bekommen, dass ausgerechnet Adolf Hitler heimlich verfolgten Juden hilft. Als ich das gelesen habe, sind mir zum ersten Mal Zweifel daran gekommen, ob Hitler wirklich Nationalsozialist war. Es stimmt natürlich, dass er dort in leitender Position tätig und in diese Dinge verstrickt gewesen ist, aber das Letztere gilt in jener Zeit doch mehr oder weniger für alle. Es findet sich immerhin kein einziges von Adolf Hitler unterzeichnetes Schriftstück, in dem stünde: »Alle Juden sind umzubringen.« Womöglich hat Hitler, der einfach nur ehrgeizig war und eine politische Karriere machen wollte, den Antisemitismus und den Militarismus der meisten anderen Deutschen beobachtet und sich gesagt, dass er auf diese Weise, indem er sich so gibt, wie er sich gab, am schnellsten Kanzler wird, was ja auch stimmte, innerlich aber war er ein Gegner des NS-Regimes. Seinen Zwängen aber konnte er sich ebenso wenig entziehen wie Millionen andere. Immerhin hat er, wieder unter Inkaufnahme erheblicher persönlicher Risiken, den SA-Führer Röhm beseitigen lassen, einen besonders brutalen Kerl, und er hat mit letzter Kraft dafür gesorgt, dass wenigstens nicht der fanatische Nazi Göring sein Nachfolger wird, sondern der ideologisch weniger festgelegte Admiral Dönitz. Wenn man sucht, findet man also genügend Hinweise dafür, dass Adolf Hitler, so sonderbar es klingt, ein Mann des Widerstands und ein guter Mensch gewesen sein könnte, vorausgesetzt, man ist fest dazu entschlossen, diese Meinung zu vertreten, zum Beispiel, weil man, vielleicht als Ministerpräsident, Redner auf einer Gedenkveranstaltung für Adolf Hitler ist und weil man die Gefühle der Freunde und Angehörigen von Adolf Hitler, die in der ersten Reihe sitzen, auf keinen Fall verletzen will.