Web 2.0 Was machst du gerade?Seite 3/3

Aber was genau kann Twitter, was andere Internetseiten, Rundmails oder auch bessere Kalenderprogramme nicht können? Es liegt im Wesen dieser Art von »sozialer Software«, dass darüber nicht in abgeriegelten Entwicklerbüros befunden, sondern vor allem in Onlineforen heftig gestritten wird. Da berichtet ein Programmierer, wie vorige Woche ein Erdbeben in Mexico City Sekunden nach dem Ausbruch bei Twitter genau beschrieben und erst Stunden später bei CNN gemeldet wurde. Ein anderer schwört auf Twitter zur Koordination weltweit verstreuter Mitarbeiter und vielbeschäftigter Familienmitglieder. Und manche halten Twitter trotz allem für ein – bestenfalls – amüsantes Spielzeug.

Im deutschsprachigen Internet wird Twitter auffallend kritisch diskutiert. Während sich die einen um das Ende der Privatsphäre sorgen, zerbrechen sich andere den Kopf, wie sich mit der Sache Geld verdienen ließe. Die ersten deutschen Klone gibt es auch schon: Texteln.de steckt noch sichtlich in den Anfängen, die Beiträge eines überschaubaren Nutzerkreises ranken sich vor allem um die Themen Essen und Schlafengehen.

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Die meisten Twitter-Nutzer werden einfach das Gefühl nicht los, dass sich mit einem Angebot wie Twitter wieder mal etwas Grundlegendes verschiebt. Die Regeln der Kommunikation zum Beispiel. Der Internetunternehmer und Blogger Ross Mayfield brachte den Geisteszustand der Twitterer auf die Formel der »kontinuierlichen Teilanwesenheit«: Man ist zwar immer erreichbar, aber auch immer woanders. Die sowieso schon geringe Formalität einer SMS, geschweige denn E-Mail, reduziert Twitter noch weiter: Je größer der Kreis der Empfänger, desto unverbindlicher die Nachricht. Auf eine Twitter-Botschaft kann man reagieren, muss es aber nicht. Nachdem die SMS schon das Konzept der Pünktlichkeit relativiert hat (»Komme 20 min später«), könnte Twitter die gute alte Verabredung gleich ganz hinter sich lassen: Ein paar Dutzend Leute erfahren, in welchem Café man sich in den nächsten Stunden treffen könnte – und kommen vorbei oder auch nicht. Immerhin: So führt auch die virtuellste, knappste Kommunikation am Ende womöglich wieder zur guten alten Geselligkeit.

Oder zurück zur Natur. Am vergangenen Wochenende kam die wichtigste Twitter-Nachricht aus dem Rheinland: »Hallo Computerfreaks, das Wetter ist unglaublich gut in Deutschland! Geht nach draußen!«

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Links zum Thema
www.twitter.com »

www.twittervision.com »

twitter.com/public_timeline »

twittermap.com/maps »

www.twitterverse.com »

www.twitterholic.com »

Die deutsche Debatte
"Thesen zum Hype" »

Warum Twitter eine Lücke füllen kann »

Überlegungen über nützliche Anwendungen:
17 sinnvolle Anwendungsideen für Twitter »

5 Ways to Use Twitter for Good »

Ross Mayfields Blog »

Interview mit Evan Williams (Vorsicht, lang) »

 
Leser-Kommentare
  1. Ich finde das Thema höchst spannend. Einige Twitter-Einträge haben fast schon etwas Poetisches. (Siehe auch http://www.upload2007.com...)

    Wie wäre es mal mit einem Poetry-Slam per Twitter?

    • wafidu
    • 22.04.2007 um 15:16 Uhr

    Cool, ok, jooh, yes, yep, yeah, ja, ... Zustimmung hat viele Gesichter. Sei es als SMS, e-mail oder Chat-Nachricht im Frage- und Antwortdialog, der sich wiederholend, endlos und parallel mit mehreren Teilnehmern abspielen kann. Von den grinsenden gelben Kugelgesichtern ganz zu schweigen, die weniger nach dem Motto 'ein Bild sagt mehr als Tausend Worte' kreiert wurden. Zum Glück sorgen diese Textschnipsel nicht für grossen Traffic (hat nichts mit fi**en, aber mit Verkehr zu tun) im weltweiten Netz, sondern gehen im Rauschen der Youtube Videos, myspace-flickr Bilder und peer-to-peer Tauschbörsen unter; sonst müsste man sie abschaffen, da zu 98,89% überflüssig. Dazu gesellen sich oben genannte Texte als Kurzbeiträge auf unzensierten Nachrichtenportalen. Im Extremfall als 140 Zeichen kurzes 'Gezwitscher' auf dem gleichnamigem Portal (twitter.com oder dessen elektronischen Klonen). Auf diesem lässt und hinterlässt jeder Online-'Ich lass die Hosen runter'-Junkie Spuren seines nichtigen Daseins. Leider für alle nachvollziehbar und für die Ewigkeit in elektronischen Archiven gespeichert. Selbst für die direkt angesprochenen 'Freunde', 'Buddies' oder 'Meine_Gruppe' dürfte es uninteressant sein, dass Mr. Oberpimpblogger79 alias Markus Müller gerade Hakle 5-lagig für die Hygiene danach verwendet, um sich dann zurück an den 40-Zoll TFT-Bildschirm im acht Quadratmeter grossen Wohnzimmer zu machen. Alles mit einer Hand. In der anderen das Handy für den SMS-Versand dieser Nichtigkeiten. Im selben Zeitraum laufen eingehende 'Nachrichten' auf seinem Account auf diesem wunderbaren, weil 'Alle machen mit und finden es cool', Gezwitscher-Portal auf. Wieder 36 neue, man ist ja schliesslich bekannt und beliebt in der Community. Die SMS-Weiterleitung hat Mr.79 schon längst deaktiviert, sonst wäre die Handynutzung durch eingehende Nachrichten blockiert. Aber wer sind diese 'always on' und 'always community aware' people? Buchstabensüchtige Nerds (früher auch Freaks genannt, ganzfrüher: Fanatiker, noch davor: Anhänger, weiter zurück: FDJ, Hitlerjugend, etc.), die jeden Trend mitmachen oder einfach nur Volldeppen? Keiner will es eigentlich wissen. Weder die Betroffenen aus Furcht vor Freitod, noch die Nicht-Betroffenen. Denn letztere bekommen von alledem glücklicherweise nichts mit. Die Community feiert sich mal wieder selbst in Auswüchsen des Web 2.0, wo Mitmachen alles ist. Das Nicht-Mitmachen wird belohnt mit Ruhe, Zeit zum Todschlagen und Spass mit realen Menschen in einer realen Welt. 'Twitter Dir Einen' oder 'Zwitscher Dir Einen' oder lass es einfach. Jedem das seine.

    • opak
    • 23.04.2008 um 10:49 Uhr

    Wie alles im Leben braucht es bei Twitter Medienkompetenz. Die meiste Zeit wird doch immer noch mit eMails und endlosen Meetings vergeudet... Wer Twitter gut einsetzt - und das Thema wird bei dem sagenhaften Wachstum wichtiger - kann wieder einiges an Zeit sparen. Tipps gibt es hier: 7 Gründe warum Twitter Zeit spart

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