Grundeinkommen Arbeiten ohne Zwang
Warum ein Grundeinkommen unserer Gesellschaft guttun würde.
Ein Gespenst geht um in Deutschland. Eine revolutionäre Idee, die den Sozialstaat vom Kopf auf die Füße stellen würde: ein Grundeinkommen für jeden Staatsbürger und jede Staatsbürgerin ohne Bedarfsprüfung und ohne Arbeitspflicht. Es würde aus dem allgemeinen Steueraufkommen von der Wiege bis zur Bahre gezahlt und sollte Armutsfestigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und mehr Wahlfreiheit für den Einzelnen sicherstellen.
Die unübersehbare Vielfalt an Transferleistungen inklusive der entsprechenden Bürokratie zur Prüfung des Bedarfs fiele weg – von Arbeitslosengeld, Sozialhilfe und Wohngeld bis zu Kindergeld und Bafög. Beiträge zu Kranken- und Pflegeversicherung würden in Form von Pauschalen entrichtet und aus dem Grundeinkommen bezahlt. Die Reform ließe sich durch den Wegfall von Transferleistungen finanzieren – und durch eine Umstellung des Sozialsystems von einer Beitrags- auf eine Steuerfinanzierung. Je nach Höhe des Grundeinkommens – derzeit schwanken die Vorschläge zwischen 600 und 1500 Euro monatlich für Erwachsene und der Hälfte für Kinder – würden Steuererhöhungen und Veränderungen der Steuerstruktur erforderlich.
Den weitestgehenden Vorschlag macht der Unternehmer Götz Werner. Er will das Steuersystem von einer Leistungs- auf eine Verbrauchsbesteuerung umstellen und plädiert für eine Erhöhung der Mehrwertsteuer bei gleichzeitiger Senkung von Einkommen- und Unternehmensteuern. Ich selbst habe vorgeschlagen, die aus ökologischen Gründen sinnvolle Besteuerung von Energie und Ressourcen in die Finanzierung des Grundeinkommens einzubeziehen. Statt volkswirtschaftlich Sinnvolles wie Arbeit und Einkommen zu belasten, sollten Energie- und Ressourcenverbrauch sowie der Konsum generell zur Grundlage der Besteuerung gemacht werden. Davon würden besonders die Branchen der Umwelt-, Solar- und Effizienztechnik profitieren. Wird das Aufkommen über einen Ökobonus an die Gesellschaft zurückgegeben, verbessern sich zudem die sozialen Verteilungswirkungen. Wären etwa die Einnahmen aus der rot-grünen Ökosteuer nicht in die kränkelnde Rentenversicherung geflossen, sondern über ein Energiegeld pro Kopf zurückgegeben worden, hätte ein vierköpfige Familie fast eintausend Euro pro Jahr erhalten. Wir brauchen also ein neues soziales Ökosteuerkonzept.
Von den Gegnern des Grundeinkommens werden neben der Finanzierungsfrage weitere Einwände ins Feld geführt. Gewerkschafter erheben den Vorwurf, das Modell komme einer schleichenden Einführung von Kombilöhnen gleich und drücke das Lohnniveau. Viele Ökonomen befürchten, dass die Motivation zu arbeiten sinkt und das Faulenzen beginnt, wenn Geld auch ohne Mühen auf dem Konto eingeht. Und die Vertreter des aktivierenden Sozialstaats sind der Überzeugung, dass ein Grundeinkommen und der Ausbau der sozialen Infrastruktur sich gegenseitig ausschließen. Erst kürzlich sagte mir die Sozialdezernentin einer Großstadt: »Wir brauchen für unsere Problemgruppen Hilfsangebote auf allen Stufen. Für sie kämen 800 Euro auf die Hand einer Totstellprämie gleich.«
Manche dieser Argumente sind ernst zu nehmen. Andere zeugen von verkappten Organisationsinteressen, einem negativen Menschenbild oder übertriebenem Sozialpaternalismus. Für mich sind die Einwände nicht so stark, dass man das Grundeinkommen verwerfen müsste. Ich sehe aber viele Argumente, die für seine Einführung sprechen.
- Datum 27.04.2007 - 06:21 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 26.04.2007 Nr. 18
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Wenn Sie irgendwann mal was 'Tolles' in ihrem Leben gemacht haben, so sind Sie doch bis zur Rente weiter verpflichtet sich um die Welt zu kuemmern und zu arbeiten!
Dass ich bei einer Begegnung den Kuerzeren ziehen wuerde, das bezweifle ich, denn ich bin ein Mann und Sie:
Also, wenn hier schon steht wie Ökonomen denken, dann will ich das mal etwas mit einem einfachen Modell weiterführen.
Zunächst will ich mal ein paar Annahmen treffen:
- das Einkommen der deutschen Bevölkerung ist rechtsschief verteilt (Medianeinkommen ist kleiner als Durchschnittseinkommen), d.h. ein großer Teil der Bevölkerung verdient im Vergleich zu allen Einkommen relativ wenig
- Zu guter letzt nehmen wir an, dass es bis jetzt kein Grundeinkommen gibt (was natürlich nicht stimmt, da z.B. die Arbeitslosen auch jetzt schon über eines verfügen)
- Der Mehrwertsteuersatz ist einstufig (nehmen wir mal an, es gibt nur den von 19 %) und über die Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes wird das 'bedingungslose Grundeinkommen' finanziert
So, und jetzt nehmen wir doch mal ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1.000 Euro für jeden an. Das bedeutet, dass wirklich jeder (unabhängig von seinem Einkommen) diese Summe erhält. Also auch die Reichen, die das Geld gar nicht brauchen.
Es leuchtet auch unmittelbar ein, dass dieses Geld auch finanziert werden muss. Wer mehr verdient, wird wohl auch mehr konsumieren. Eine Finanzierung durch eine Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes führt demnach dazu, dass auch die Reichen den gleichen Satz bezahlen wie die Armen. Vereinfachend kann man deshalb mal davon ausgehen, dass jeder Bürger den gleichen Steuersatz entrichten muss. So müsste z.B. jeder zwei Prozent (Zahl ist jetzt aus der Luft gegriffen) seines EInkommens mittels des Güterkonsums aufgrund der Einführung des 'bedingungslosen Grundeinkommens' zusätzlich an den Fiskus abgeben.
Für Menschen mit einem sehr geringen Einkommen würde sich netto ein Vorteil ergeben. Ab einer bestimmten Einkommensgrenze aber würde die Menschen im Vergleich zur Situation vor der Einführung drauflegen. Dies ist allerdings nur für weniger als die Hälfte der Bevölkerung der Fall. Dies liegt daran, dass in Deutschland über die Hälfte der Bevölkerung relativ wenig Geld verdient (Median- kleiner als Durchschnittseinkommen).
Man kann also erkennen, dass in kurzer Frist die meisten Menschen durch ein 'bedingungsloses Grundeinkomme' besser gestellt werden. Geht man nun davon aus, dass die meisten Menschen relativ kurzfristig denken, dann sieht man warum dieses Modell so viele Befürworter findet und politisch sogar durchsetzbar sein könnte.
Ein politische Durchsetzbarkeit bedeutet jedoch lange nicht, dass das dann auch für die Bevölkerung langfristig auch gut ist, auch für die Befürworter!! Diese kurzfristige Denkweise vernachlässigt nämlich Anreizprobleme systematisch. So ist davon auszugehen, dass zumindest einige (dies kann wohl wirklich niemand abstreiten) der Geringverdiener weniger als zuvor arbeiten werden. Langfristig ist es fraglich, ob die Produktivität in Deutschland dadurch geschwächt wird oder einige dem deutschen Staat unnötig auf der Tasche liegen, obwohl sie dem Staat dienlich sein könnten.
Auch halte ich es für relativ schwachsinnig, den reicheren Menschen erst viel Geld wegzunehmen, um ihnen danach einen Teil davon einfach wieder zu geben. Nichts gegen eine sinnvolle Umverteilung, aber kann man dann einfach nicht gleich einfach nur etwas weniger nehmen?
Wäre es nicht eine bessere Lösung, nur diejenigen Menschen zu unterstützen, die einen für uns mehrheitlich akzeptierten zu geringen Lebensstandard haben? Und gleichzeitig so vorzugehen, dass sich auch für diese Menschen neben der Unterstützung arbeiten lohnt? Damit wäre doch allen geholfen!!!
also bei mir ist der artikel nicht schöner als die anderen, wird bei ihnen eine besondere schriftart angezeigt? sic!
Watt heißt datt, Arbeiten? Wieso datt denn? Ick will datt Grundeinkommen, dann muss ick nich mehr zur fremdbestimmten Arbeet, die einen nur uffreibt, sondern kann selbstbestimmt faulenzen.
Oder wollt Ihr uns mal wieder verkackeiern? Also 1500 Ocken nur gegen Arbeit? Ick wusste doch, dass da ein haken bei is. ;-)
Sie leiden an den Verhältnissen und ich auch.
Sie finden meine Einstellung zersetzend. Gut, kann ich nachvollziehen.
Es wird geackert wie blöde, bloß löst das die Probleme nicht, mit der die Menschheit konfrontiert ist. Viele Probleme entstanden erst durch die Produktion und den Konsum, wie wir ihn jetzt kennen, psychologisch auch durch die Definition der Wertigkeit eines Menschen über Arbeit, Vermögen und Attraktivität. Die Unreflektiertheit vieler Menschen liegt daran, daß sie geistig von der Arbeit so sehr in Anspruch genommen werden, daß sie keine Kapazitäten mehr haben, sich selbst ein Bild zu machen, wie die Zusammenhänge sind. Der überall angepriesene Ausweg heißt Konsum.
Vielleicht nehmen Sie meine deutliche Oppsition zu den jetzt gängigen Sichtweisen als bedrohlich wahr.
Sie müssen nur wissen, daß die Vorwürfe und Angriffe gegen Leute, die aus Gewissens- oder persönlichen Erkenntnisgründen dissident
zu den aktuellen Werten und Praktiken stehen, ebenfalls bedrohlich wirken können.
Die Lösung liegt sicher nicht im bewährten 1+1=2, das uns in die aktuelle soziologische, psychologische,
Umwelt- und Armutssituation geführt hat.
Sie wollen ein Teil der Krankheit, die angebliche Alternativlosigkeit calvinistischer Einstellung zur Arbeit, zur Lösung machen. Als was wird der Mensch und seine Freiheit betrachtet? Sie wollen Zwang für Menschen. Ich glaube nicht, daß das nachhaltig etwas wird.
Der Mensch ist frei geboren und sehnt sich innerlich nach Freiheit und dem Recht, selbst zu definieren, was er als sinnvoll ansieht. Aktuell ist diese Freiheit durch Gruppendruck und ein System, für das der Mensch als Objekt da sein soll, nur begrenzt gegeben. Umgedreht wird ein Schuh draus. Der wahre Antrieb kommt von innen. Wenn nun viele Menschen da nicht mehr mit machen können oder wollen, wie es jetzt ist, spricht das nicht gegen diese Menschen, sondern gegen das System.
Viele wollen oder können diese alten Strukturen und Vorstellungen des Menschen innerlich nicht mehr mit tragen, weil sie eine Beleidigung der Einzigartigkeit und der Seelenkräfte des Individuums sind.
Da können sie mit Zwang kommen, wie sie wollen. Das wird so nicht mehr funktionieren, weil es nicht wirklich funktioniert, sondern schiefe Gleichgewichte und Sinnbilder produziert.
Entweder es findet sich ein völlig neuer
Ansatz oder die betreffenden Befürworter werden sich zunehmend mit, wie sie es wahrnehmen, zersetzender Energie konfrontiert sehen. Tief im Inneren fühlt sich jeder Mensch von Zwang, Heuchelei und Lügen beleidigt. Dieses Innere erwacht gerade auf merkwürdige Weise, nachdem es lange blockiert war. Das Kollektiv entwickelt sich und an dem Punkt sind wir jetzt. Bald kommt der Punkt, wo mehr Leuten klar wird, wie konstruiert die uns bekannte Realität war. Einen großen Prozentsatz unserer Überzeugungen haben wir aus geschickter Propaganda von Religion und Besitzenden.
Leider bin ich nicht so dumm und hab das nicht mittlerweile rausgekriegt. Dieser Art von Notwendigkeiten, Werten oder angeblichen Naturgesetzlichkeiten unterwerfe ich mich nicht mehr.
Endlich ein Artikel, der kurzgehalten und prägnant auf die wesentlichen Punkte des Grundeinkommens eingeht und vor allem von einem positiven Menschenbild geprägt ist.
Sein Artikelende: ' ... Vor allem würden die Menschen die Tätigkeit (Anm: man beachte das Wort 'Tätigkeit', nicht 'Arbeit') aus freier Entscheidung aufnehmen, ohne Aktivierung, ohne Zwang. Das ist es wohl, was sich mancher wichtige Entscheidungsträger nicht vorstellen kann', möchte ich ergänzen: ... nicht vorstellen WILL!
Denn wenn ein bedingungsloses Grundeinkommen an alle Bürger/ innen entrichtet wird, haben unsere Politiker erheblich weniger Steuergelder zur freien Verfügung, um ihre Interessen/ Lobbyisten zu 'umgarnen'.
Herr Loske beweist, dass er sich mit dem Thema beschäftigt hat und beschreibt, worum es geht (was ich bei Herrn Blüm`s langatmigen Verdrehungen nicht sagen konnte).
Danke Herr Loske!
mfg bv
tun? Oder wollen sie die ganze Welt alimentieren?? Die aufgabe des Staates isr es für SEINE Bürger zu sorgenund nicht für afrikanische Elendsflüchtlinge.
Diese nationalistischen Parolen können Sie sich für den nächsten Stammtisch aufheben. Wer hier in Deutschland Schutz vor Verfolgung sucht, hat - wenn die Voraussetzungen vorliegen - einen grundgesetzlich garantierten Anspruch auf Schutz. Ich sehe aber nicht ein, für einen deutschen Faulpelz, der arbeiten darf (im Gegensatz zum 'afrikanischen Elendsflüchtling' - um in Ihrem Jargon zu bleiben), aber nicht arbeiten will, zahlen zu müssen.
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