Genetik Schwarzer Kontinent Europa

Unsere Vorfahren waren dunkelhäutig – noch bis vor 6000 Jahren, sagen amerikanische Forscher. Höhlenmaler, Steinzeitjäger und womöglich auch die Pfahlbauer vom Bodensee müssen wir uns als Farbige vorstellen.

Wenn noch irgendwer hohe Kultur mit einer hellen Hautfarbe verbindet, muss er sich schleunigst von diesem Vorurteil verabschieden. Denn die Pioniere der europäischen Kultur waren Farbige. Neue, noch unveröffentlichte Studien amerikanischer Genetiker und Anthropologen zeigen, dass unsere Vorfahren erst vor 5300 bis 6000 Jahren zu bleichgesichtigen Gesellen wurden. »Die weiße Haut entstand lange nach der Ankunft des modernen Menschen in Europa«, sagt die Anthropologin Heather Norton von der University of Arizona.

Es war ein kleiner Fisch im Aquarium, der Norton und Kollegen zum Umdenken über unsere Ahnen zwang. Golden heißt er und ist eine Zebrafisch-Mutante, deren Haut viel heller ist als die ihrer normalen Artgenossen. In Goldens Erbgut fanden die Forscher die Ursache dafür, dass Schwarze schwarz und Weiße weiß sind: ein einzelnes Gen. Was Golden unter den Fischen ist, seien die Europäer unter den Menschen, erklärte die Anthropologin Norton jüngst auf der Tagung der American Association of Physical Anthropologists.

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Anhand genetischer Uhren konnten die US-Forscher die Entwicklung des Farbgens in die ferne Vergangenheit zurückverfolgen. Demnach hatten nicht nur die Einwanderer, die vor 45.000 Jahren von Afrika nach Europa kamen, die dunkle Hautfarbe ihrer afrikanischen Vorfahren – auch ihre Nachfahren behielten sie für die folgenden 40.000 Jahre. Für die Kunstgeschichte bedeutet das: Die berühmten steinzeitlichen Höhlenmalereien von Chauvet, Altamira und Lascaux wurden von Künstlern mit brauner Haut geschaffen. Waren vielleicht gar die Pfahlbauer vom Bodensee dunkelhäutig?

Erst in der Jungsteinzeit erblasste die europäische Bevölkerung rapide – gerade zu jener Zeit, als der Ackerbau in Europa Einzug hielt. Die Spuren der geschwinden Entpigmentierung aber, stellten Norton und ihre Kollegen fest, finden sich noch heute in den Erbmolekülen der Europäer.

Entdecken konnten die Forscher sie allerdings erst, nachdem sie herausgefunden hatten, was den Zebrafisch Golden so bleich macht. Das Team des Krebsforschers Keith Cheng an der Penn State University spürte den verantwortlichen Gendefekt des Fisches auf. Daraufhin suchten die Forscher nach einer ähnlichen Erbanlage im Menschen und stießen auf ein Gen namens SLC24A5, das die Bauanleitung für ein Eiweiß in den Melaninkörperchen der Pigmentzellen der Haut enthält.

Bei Menschen gibt es zwei Varianten dieses Gens und daher auch zwei Formen des entsprechenden Pigmentzellen-Proteins. Die eine Form findet sich bei praktisch allen Afrikanern, allen Ostasiaten und bei den Indianern Süd- und Nordamerikas. Die andere Variante besitzen alle Europäer. Und sie funktioniert nicht gut. Sie enthält Threonin, eine ganz normale Aminosäure. Dieser Baustein kommt in vielen Proteinen vor, doch an dieser Stelle, auf Platz 111 im SLC-Eiweiß, hat er nichts zu suchen. Wo Threonin sitzt, gehörte Alanin hin, eine ganz andere Aminosäure.

Leser-Kommentare
  1. vor allem, da diese Trottel völlig übersehen haben, daß sich aus diesem Teilaspekt der Menschheitsgeschichte ja prima rassistische Thesen ableiten ließen - so etwa wie:

    'da ging also die erstaunliche europäische Kulturegeschichte (die ja eigentlich vor 6000 Jahren so richtig angefangen hatte) Hand in Hand mit der Weiswerdung der Europäer?!?'

    Was sollte man denn da für Schlüsse draus ziehen?

    Nun, am besten gar keine, außer daß die ZEIT mal wieder auf Parawissenschaft abfährt...

    • exi2
    • 25.04.2007 um 20:22 Uhr

    Man muß Der Zeit wohl wirklich vorwerfen, daß sie die Zeit verschlafen hat. Nur weil ein 'amerikanischer' Wissenschaftler (gemeint ist wohl ein us-Bürger, aber diese bilden nicht einmal Nordamerika) etwas verbreitet, ist es noch lange nicht neu. Grob geschätzt sind 90% aller neuen 'amerikanischen' Entdeckungen nur ein Aufwisch altbekannten Wissens und allerhöchstens in der bildungsschwachen USA vermarktbar.

    Machen wir es kurz: es ist seit über hundert Jahren bekannt, daß die Pigmentstörung die unsere helle Haut, hellen Augen und hellen Haare zur Folge hatte, etwa zwischen 5000 bis 4000 v.Chr. im Gebiet zwischen Aralsee und dem Kaspischem Meer aufgetreten ist. Dort liegt der Urheimat der Indoeuropäer, die etwa um 4000 v. Chr. anfingen bleich, blond und blauäuig auszuschwärmen und in mehreren Siedlungszügen in Europa eindrangen. Die dort ansässigen Menschen wurden massakriert und z.T. assimiliert.
    Das weiß man in Europa seit hundert Jahren. Das haben die Amis nicht neu entdeckt, das haben sie allerhöchstens plagiiert.

    • JensBe
    • 25.04.2007 um 20:41 Uhr
    3. Logik

    'Wenn noch irgendwer hohe Kultur mit einer hellen Hautfarbe verbindet, muss er sich schleunigst von diesem Vorurteil verabschieden. Denn die Pioniere der europäischen Kultur waren Farbige...'

    Aber die farbigen Pioniere der europäischen Kultur hatten keine europäischen Kultur. Die kam 6000 Jahre später nachdem die farbigen Pioniere zu weissen Pionieren geworden waren. Während alle farbig gebliebenen keine europäischen Kultur entwickelten.

    Folgen wir dieser Logik wäre die folgende Aussage auch zulässig: 'Wenn noch irgendwer den aufrechten Gang mit dem Menschen verbindet, muss er sich schleunigst von diesem Vorurteil verabschieden. Denn die Vorgänger (Pioniere) des Menschen waren die Affen ...'

    • Saki
    • 26.04.2007 um 15:51 Uhr
    4.

    Das sind schon tolle Hechte, die Europäer, seit hundert Jahren können sie genetische Informationen analysieren, obwohl der Rest der Welt, das höchstens seit ein paar Jahrzehnten kann.

    Gibt es eigentlich für Ihr obskurantistisches Gewäsch irgend einen Beleg, eine Methodenbeschreibung oder auch nur logische Konsistenz, die wissentschaftlichen Standards entspricht? Nur als Beispiel: Die Inder sind - wie die Namen es schon andeuten - zu einem großen Teil auch Indoeuropäer, aber weder bleich, noch blond, noch blauäugig.

    • exi2
    • 27.04.2007 um 1:26 Uhr

    sie nicht auf boahgeilsupermegahyperhochgeredete Techniken angewiesen sind um naturkundliche Wahrheiten zu erkennen.
    Ignorieren wir einmal die Ungarn, die später als vesprengter Teil mongolischer Horden zurückgelassen wurden. So finden wir dennoch nicht-indoeuropäische Menschen die in Europa beheimatet sind: die Finno-Ugrier, die Lappen. Mit den Merkmalen der Schwarzhaarigkeit und Braunäugigkeit wie sie für nichtpigmentgestörte Menschen üblich sind. Entsprechendes findest du in Indien; die nicht-indoeuropäischen Völker/Kasten zeigen ein klares asiatisches Aussehen.

    Die Völkerkunde wurde schon als Wissenschaft etabliert als die heutige USA noch eine englische Kolonie war. Und damals fand die Klassifizierung (Rassen, Völker) anhand des Phänotypus und der kulturellen Eigenheiten (Sprache, Sitte, Technolgie, usw.) statt. Die Welt mußte einfach nicht warten bis sich irgendein Ami ihrer erbarmt und vermeintliche Erleuchtung verschenkt. Die Welt hat lange vor den Amis den Zeitpunkt der genetischen Ausprägungen identifiziert. Und die Völkerkundler konnten anhand von Überlieferungen, Sprachgebrauch, Alltagsgütern nicht nur den Zeitpunkt lokalisieren, sondern auch den Ort. Die klare Trennung zwischen vor-indoeuropäischen Wanderungen, den späteren indoeuropäischen Wanderungen und den noch späteren slawischen Wanderungen kann man deutlich daran festmachen welche Haarfarbe die Völkerscharen hatten. Und auch daran welchen Schmuck sie transportierten, welche Werkzeuge und Waffen und welche Tiere sie hegten. Anhand der Fundstelle kann man wie gesagt klar auf Zeit und Ort schließen.

  2. Und was machen wir jetzt ?

    • Saki
    • 26.04.2007 um 19:06 Uhr

    Mill will einfach kein überzeugender Grund einfallen, warum eine helle Hautfarbe ein Überlebensvorteil sein soll. Allerdings ist diese Schlußfolgerung im Sinne der Evolutionstheorie auch grottenschlecht formuliert.

    Ein Überlebensvorteil für den Träger eines Gens und des entsprechenden Merkmals ist keineswegs die Ursache für die Ausbreitung dieses Gens in einer Population. Es kommt viel mehr auf einen Fortpflanzungsvorteil an. Zwar kann ein Überlebensvorteil oft in einen Fortpflanzungsvorteil umgemünzt werden, allerdings ist ersterer nicht zwingend notwendig.

    Es genügt anzunehmen, dass für einige zig Generationen weiße Männer einen erheblich höheren Fortpflanzungserfolg hatten - z.B. weil Frauen aufgrund wirkmächtiger, ästhetischer Maßstäbe, weiße Zeuger ihrer Kinder bevorzugten, um das erbleichen der Europäer zu erklären.

  3. Aus den beiden ersten Sätzen geht also hervor, dass es keine frühen Hochkulturen ausserhalb Europas gab ... ?

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