Ist im Norden alles besser? (3) Angstlust im SehnsuchtslandSeite 6/6

Zeitungen und Sender wiederum sehen sich durch die Traumfabrik Internet bedroht, jeder sucht nach einer schier unfassbaren Tat. So konnte Leif Giwi Persson zu jenem Fernsehonkel werden, der sein Land mit den schaurigsten Gutenachtgeschichten füttert. Er spielt das böse Spiel bedenkenlos mit.

Im Fernsehstudio schwenken die Kameras auf ihn, und seine Sätze klingen so matt und zertrümmert, als berichte er gerade von seinen Verdauungsproblemen. Aber das macht erst den besonderen Kitzel seiner Sendung aus. Einem unbekannten Täter, der irgendwo da draußen immer wieder Frauen anruft und sie belästigt, ruft Persson zu: »Wir können dich abholen. Irre nicht weiter durch die Nacht.« Persson setzt sich die Mütze auf, die der Doppelmörder von Linköping am Tatort zurückließ. Persson spielt mit einem Springmesser, das dem des Mörders ähneln könnte. Persson bittet Schweden um Hinweise.

Als die Kameraleute einpacken, schaut er auf den Zettel mit den besten Zuschauertipps und sagt, er müsse sich beeilen. »Es ist wie beim Salat. Man muss ihn anmachen, solange er frisch ist.« Dann hackt er auf seinem Laptop herum und stößt auf eine E-Mail, die ihn erreichte, als er mit seinem neuen Roman auf Deutschlandtournee war. Im Fernsehstudio wurde Leif GW Persson derweil durch einen Psychologen vertreten. »Wo ist unser Gott?«, schrieb ein Zuschauer. »Er meint mich«, sagt Persson, grunzt zufrieden und steckt den Zettel mit den Hinweisen ein. Er wird sich darum jetzt nicht mehr kümmern, es ist spät, er ist erschöpft, und er bestellt ein Taxi, das ihn heimbringen soll.

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Leser-Kommentare
    • Colon
    • 30.04.2007 um 15:53 Uhr

    Dicht und schön geschrieben, dazu lehrreich für die Diskussion in der Republik der Michel. - Oder: ein Beitrag, wie und warum wir den zunehmend wie Dr.Seltsam auftretenden Minister Schäuble und seinen leicht erregbaren rosa Mitspieler Wiefelspütz sehr ernst nehmen müssen. - Angstlust und Kontrollzwang, verheiratet und beständig auf der Suche nach neuen Paragraphen. Horror vacui innenpolitisch.

  1. 2.

    Mein lieber Mann, die armen Schweden. Aber Rettung ist in Sicht.
    Zieht nach Deutschland. Hier gibt`s nach Auskunft der Politiker zwar auch keine Kriminalität, aber die Zeitungen berichten trotzdem wahrheitswidrig jeden Tag darüber. Ihr werdet euch nicht mehr umsonst fürchten und werdet im Handumdrehen eure Paranoia los.

  2. 'trouble in paradies' ...dass sich auch Skandinavier so langsam umzingelt fuehlen kann ich nachvollziehen.Man wird diese Angst nicht politisch schoen schreiben koennen denn wenn man erst mal das Gefuehl der Sicherheut verloren hat kann man es selten oder garnicht wieder finden.

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