Ich habe mit Opel ein bisschen Ärger bekommen. Sie fanden, dass ich das Testauto nicht hätte verraucht zurückgeben dürfen. Ich hatte den Opel Astra 1.3 CDTi für zwei Wochen. Ein kleiner Aufkleber war auf dem Aschenbecher angebracht, darauf stand: »Wir bitten Sie, nicht zu rauchen.« Ich habe es gelesen, ich habe trotzdem geraucht. Extra viel. Spätpubertärer Protest gegen all die in den vergangenen Jahren verteilten Aufkleber und die Hinweisschilder mit durchgestrichenen Zigaretten, die abgeschafften Raucherwaggons, die feindseligen Blicke von Nichtrauchern (sogar in Problemviertel-Kneipen), die Gesundheitspolitiker… Sie förderten meinen ungesunden Widerstand. Dennoch war es nicht richtig. Der Astra gehörte mir nicht. Entschuldigung, Opel!

Als sich die Leih-Ausgabestelle, wenige Tage nachdem man mir den Wagen wieder weggenommen hatte, beschwerte, suchte ich mich zu erinnern. Hatte ich auch in den anderen Autos geraucht, die man mir in der Vergangenheit zum Testen anvertraut hatte? Beklagt hatte sich bislang niemand. Eine Zigarette im Nissan Murano? Im kleinen Citroën? Nein, da war die Versuchung seltsamerweise gering. Womöglich rauchte ich im Opel, weil es ein Opel war. Denn Opel ist die Marke einer goldenen, verrauchten Vergangenheit, des bundesdeutschen Wirtschaftswunders, das Ludwig Erhard mit seiner dicken Zigarre verkörperte. Schon die Modellnamen vereinten bürgerliche Aufstiegsträume und protestantisches Leistungsethos: Die Autos hießen Rekord, Kapitän oder Admiral. Der HB rauchende Patriarch nahm Kind und Frau mit auf eine große Urlaubsfahrt an die Adria. Da waren alle glücklich. Es gab Spaghetti, und im Ferienbungalow wurde hemmungslos geraucht. Im Auto sowieso.

Dann, mit dem Zerfall des bürgerlichen Milieus und dem Aufstieg der individualistischen Wellness-Barbourjacken-Kultur, verkam die Marke Opel zum Sinnbild des Gestrigen. Mit Opel assoziierte man den tiefergelegten Manta mit Fuchsschwanz. Oder den Omega, das Auto für Greise, die auf Lammfellschonbezügen saßen und mit 70 km/h die linke Fahrbahn verstopften. Opel wirkten verbraucht und ließen sich nur noch schleppend verkaufen.

Kommen wir, mit diesem Vorwissen gerüstet, zum Testauto. Schauen Sie sich die obige Abbildung zunächst in Ruhe an. Der Wagen ist klein, aber bullig, muskelbepackt, ein geschrumpfter SUV, ein Geländewagen für den kleineren Geldbeutel. Vorn ziert ihn eine Chromquerstrebe, die man als aerodynamisch bezeichnen könnte, die aber etwas Finster-Futuristisches ausstrahlt. Sie wird auf der Rückseite des Wagens (im Bild gut sichtbar) noch einmal zitiert. Alles in allem also ein gewollt zeitgemäßes Problembezirk-Auto.

Der Fotograf hatte die Idee, den Wagen samt Tester in die bekannte Ikonografie einer westdeutschen Vorstadtsiedlung zu verpflanzen. Mit engen, aneinandergereihten Garagen, die von ferne an Reihenhäuser erinnern, an kleinbürgerliches Glück. Unschön indes der Hintergrund. Man sieht, dass diese Welt ein zutiefst gebrochenes Glücksversprechen in sich birgt, dass die Bewohner in einem Wohnblock hausen – einem an Schimanski-Krimis gemahnenden Bauprojekt der siebziger Jahre, das unheilvoll (drohend?) in unsere Gegenwart hineinragt und das derzeitige »Unterschicht«-Problem versinnbildlicht. Nur die Garage verströmt Gemütlichkeit, in sich geschlossen, ein Uterus, Heimat. Das Auto in diesem Ensemble ist ein Fetisch, ein Phallus, der mächtig in der Sonne glitzerte, wäre zum Zeitpunkt der Aufnahme nicht schlechtes Wetter gewesen.

Es ist nicht die einzige, vom Fotografen beabsichtigte Unstimmigkeit. Sehen Sie den anachronistischen Fuchsschwanz auf dem Autodach? Nur zu Illustrationszwecken wurde er angebracht und gibt die kleinbürgerliche Sehnsucht nach symbolischer Verzierung der Lächerlichkeit preis. Der Fotograf möchte mit diesem Relikt dem Betrachter hintersinnig vor Augen führen, wie Opel mit diesem Wagen vergeblich an die Tradition des Manta anzuschließen sucht, an den stolzen Underdog-Fahrer, der sich nicht um die versnobten Ansichten anderer scherte. Wie also abermals an die Unterschicht appelliert wird, einen Opel zu kaufen.