Kino Wer wird Millionär?Seite 2/2
Was hat der Mann, der doch eigentlich über die gerechte und korrekte Verwendung der Filmpreisgelder wachen sollte, zu all dem zu sagen? Kulturstaatsminister Bernd Neumann sitzt in seinem Büro im Kanzleramt und hebt beide Hände. Kritik an der Akademie, so Neumann, begegne ihm in der deutschen Filmlandschaft kaum mehr. Vor vier Jahren, als unter der damaligen Kulturstaatsministerin Christina Weiss diskutiert wurde, ob man der Akademie die Verteilung der Preisgelder überlassen solle, zeigte sich Neumann noch skeptisch. Damals betonte er im Ausschuss für Kultur und Medien als zuständiger CDU-Politiker vehement, dass es sich um einen kulturellen Preis handle. Er warf die Frage auf, weshalb die Entscheidungen einer noch zu gründenden Akademie, »bezogen auf den kulturellen Anspruch, qualifizierter und differenzierter« sein sollten als bei einem Gremium, das die Filme gemeinsam im Kino sieht und sich darüber auseinandersetzt. »Wenn das nicht so wäre«, so Neumann damals, »wären die Gelder falsch vergeben.« Heute sagt der Kulturstaatsminister: »Man kann auch nicht alles haben.« Natürlich könne man mit einer Jury eine Entscheidung sehr ausdifferenziert bis zum Schluss diskutieren. So sei das neue Verfahren aber nicht angelegt. Das Ergebnis hält er trotzdem für zufriedenstellend.
Kein Zweifel, die Deutsche Filmakademie hat nicht nur der Lola-Verleihung, sondern auch der Kulturstaatsminister-Existenz mehr Glamour verliehen. Strahlend sah man Neumann kürzlich im Frühstücksfernsehen gemeinsam mit Senta Berger die Nominierungen zum Deutschen Filmpreis bekannt geben. Und wenn der Minister auf seinen Wegen durch die deutsche Kinobranche nur begeisterten Akademie-mitgliedern begegnet, dann lässt sich das schwerlich ändern. Trotz der schönen Eintracht kann man ihn aber nicht von der Pflicht entbinden, den Leuten, denen sein Ministerium so viel Geld und Verantwortung anvertraut hat, auf die Finger zu schauen.
In der gemütlichen Akademieprovinz gibt es keine Streitkultur
Dass zum Beispiel in der Vorauswahljury für den besten Spielfilm ein Kameramann sitzt, der auch bei Das Parfum mitgewirkt hat, mag seltsam anmuten. Schließlich ebnet genau diese Jury den Weg zu den Nominierungs- und Preismillionen. Aber siehe da: Eine Ausnahmeklausel gestattet der Deutschen Filmakademie, auch befangene Juroren zu ernennen, wenn sich nicht genügend unbefangene Kandidaten unter den Akademiemitgliedern finden. Nur bei der Abstimmung über den eigenen Film müssen sie sich der Stimme enthalten. Man kann dieser Einrichtung jedenfalls nicht vorwerfen, dass sie die eigene Verfilzung nicht vorausschauend legitimiert hätte.
Stimmungsmache des Akademiepräsidenten, Fixierung auf die Subventionsmillionen, das Fehlen einer Diskussions-, geschweige denn Diskurskultur, fragwürdige Klauseln für Befange – das alles erinnert ein bisschen an ein Kleinstädtchen, dessen Honoratioren sich so sicher sind, fürs Gemeinwohl zu arbeiten, dass sie im Umgang mit öffentlichen Mitteln auch mal fünfe gerade sein lassen. In unserer kleinen Akademieprovinz scheint man so sicher zu wissen, was der deutsche Film braucht, dass man Ungereimtheiten und Verflechtungen nicht mehr als solche wahrnimmt.
Die Frage ist also nicht, ob am Freitag
Das Parfum, Vier Minuten
oder auch
Wer früher stirbt ist länger tot
den Deutschen Filmpreis gewinnt. Die Frage ist, ob der Weg zum Pokal und zum Preisgeld für den diesjährigen und für zukünftige Gewinner so verläuft, dass man ihm ohne schalen Beigeschmack gratulieren kann. Dabei geht es nicht um Feuilletonisten-Eitelkeiten oder Produzentengezeter, um schlechte oder gute Absichten im Umgang mit dem deutschen Film. Es geht um elementare Standards im Umgang mit Steuergeldern. Und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Standards in der deutschen Kinolandschaft im Moment dringender anzugehen sind als ein Häuflein Kritiker, das sich für einen – im Übrigen wunderbaren – Liebesfilm im Brandenburgischen begeistert hat.
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- Datum 11.05.2007 - 12:14 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 03.05.2007 Nr. 19
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man könnte sich der kritik am lobbyismus und kommerzialismus bei der subventionsvergabe ja anschließen, verfiele der rezensent nicht auf die im deutschen feuilleton gängige parteinahme für die \'benachteiligten\' dieser förderungspolitik. das problem ist, dass es in den letzten 25 jahren keinen gelungenen deutschen spielfilm gegeben hat. wer sich einmal durch ein paar dilettantische dffb-diplomdrehbücher gequält hat oder der kindischen borniertheit und selbstüberhebung deutscher ich-mach-auch-was-mit-medien-jungfilmer ausgesetzt war, weiß auch, warum. seien wir objektiv: der deutsche film ist müll. die reaktive aufwertung belangloser, provinzieller Kleinproduktionen mach ihn nicht besser. im übrigen gönne ich das geld wirklich jedem, auch wenn ich\'s sinnvoller fände, es zu versaufen, statt in die umsetzung lausiger skripts zu stecken. aber ich muss mir ja auch keine deutschen filme ansehen.
man könnte sich der kritik am lobbyismus und kommerzialismus bei der subventionsvergabe ja anschließen, verfiele der rezensent nicht auf die im deutschen feuilleton gängige parteinahme für die \'benachteiligten\' dieser förderungspolitik. das problem ist, dass es in den letzten 25 jahren keinen gelungenen deutschen spielfilm gegeben hat. wer sich einmal durch ein paar dilettantische dffb-diplomdrehbücher gequält hat oder der kindischen borniertheit und selbstüberhebung deutscher ich-mach-auch-was-mit-medien-jungfilmer ausgesetzt war, weiß auch, warum. seien wir objektiv: der deutsche film ist müll. die reaktive aufwertung belangloser, provinzieller Kleinproduktionen mach ihn nicht besser. im übrigen gönne ich das geld wirklich jedem, auch wenn ich\'s sinnvoller fände, es zu versaufen, statt in die umsetzung lausiger skripts zu stecken. aber ich muss mir ja auch keine deutschen filme ansehen.
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