Wer hätte das gedacht: Zu den zahllosen neuen Ökohelden, welche die Klimadebatte gebiert, gehören nun auch die Autotuner. »Eco-Tuning« heißt der hübsche Neologismus, der neuerdings die Runde macht. Einschlägig bekannte Betriebe wie Irmscher, Elia, SKN oder Abt bieten klimagerechtes Aufmotzen an, oft sogar mit dem Versprechen, den uralten Zielkonflikt der Branche aufzulösen. Viele PS und Benzinsparen schließen sich nicht mehr gegenseitig aus – man kann jetzt alles haben.

Bis vor Kurzem standen sie noch am Klimapranger. Jahrzehntelang hatten die Autofriseure ungeniert und für viel Geld tiefergelegt, fette Schlappen montiert, Spritkanäle aufgebohrt und störende Filter entfernt – bis Thorstens Kadett 200 rannte und Mikes Polo beim Ampelstart einen Porsche nass machte. Doch dann wurden vier zierverblendete Endrohre und Superbreitreifen zum Symbol für das Desaster. Wer sich damit auf die Straße traute, galt plötzlich als schuldig, falls Spanien versteppen und in Hamburg der Rathauskeller volllaufen sollte.

Nun also der rasante U-Turn der Tuner.Dabei machen Betriebe wie SKN aus Benstorf eigentlich nur, was sie schon immer taten: Chiptuning. Sie fummeln an der elektronischen Steuerung herum. Diesmal so lange, bis der Motor just in dem Betriebspunkt optimal ernährt wird, wo man es am deutlichsten spürt, im Stadtverkehr. Was bei Vollgas passiert, steht auf einem anderen Blatt. Nebenbei wird das Drehmoment im unteren Drehzahlbereich angehoben. Dank »gefühlter Mehrleistung« fährt der Tuningkunde womöglich tatsächlich etwas sparsamer.

Die Konkurrenz setzt auf alternative Brennstoffe. Wenn der zum Boliden hochgerüstete Fiesta nachwachsenden Biosprit schluckt, läuft er – aber ja doch! – geradezu CO 2 -neutral. Im Vergleich zum Norm-Ford jedenfalls. Der fränkische Tuner Elia entwickelt gerade einen Nachrüstsatz für Benziner, die dann 85 Prozent Ethanol vertragen. Schwer öko, der Saft. Dumm nur, dass es derzeit noch nicht einmal 50 Tankstellen in Deutschland gibt, die diesen Mix anbieten.

In der Not will MTM (aus 85139 Wettstetten) sogar auf eine Technik zurückgreifen, mit der im Zweiten Weltkrieg Jagdflugzeuge schneller gemacht wurden: Man packt Wasser in den Tank. Wassereinspritzung ist in Tunerkreisen schon lange ein heißes, pardon: cooles Thema. Durch Verdunstung gekühlte Zylinder sollen sensationelle Leistungen ermöglichen. Oder, das hat MTM der Zeitschrift Auto, Motor und Sport verraten, 30 Prozent Kraftstoff sparen helfen. Wann die Technik in Serie gehe, sei aber unklar.

Es werden wohl nicht ausgerechnet die Tuner sein, die demnächst ein Dreiliterauto mit 300 PS präsentieren. Zumal die großen Automobilhersteller ja auch nicht ganz doof sind. Soeben stellte Volkswagen seinen neuen Klimawandel-Passat vor. Der »Bluemotion« hat Leichtlaufreifen, einen ultralangsamen Leerlauf und – Chiptuning! Die Motorsteuerung wurde auf sparsam programmiert. Wenn es nicht so anrüchig klänge: Die Wolfsburger dürften nun glatt mit »Eco-Tuning« werben. Burkhard Strassmann

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