Mag sein, dass in den unteren Klassen besser geboxt wird. Aber die Königsklasse sind die Schwergewichtler. Das ist im Boxring nicht anders als im Tarifstreit. Und in der Königsklasse setzen sich die IG Metall und die Metall-Arbeitgeber auseinander. Genauer: Sie wärmen sich gerade auf für einen Kampf, der hoffentlich noch zugunsten einer Einigung abgesagt wird. Die Kraft der Großen BILD

Es wäre Deutschland im Aufschwung zu wünschen. Denn diese Auseinandersetzung hat einen erheblichen Symbolgehalt jenseits von Zehntelprozenten für die eine oder andere Seite. Sie setzt ein Zeichen für Arbeitnehmer, ob sie von der heutigen Achterbahn-Wirtschaft auch profitieren können.

Die Kaufkraft ihrer Nettolöhne hat sich in diesem Jahrzehnt so gut wie nicht erhöht, und auch die Gehälter der Metaller sind dank vieler betrieblicher Vereinbarungen deutlich langsamer gestiegen, als es die Tariferhöhungen vorsahen. Jetzt geht es der Wirtschaft wieder besser. Zwar verhandeln einige Branchen dieses Jahr gar nicht über Löhne – wohl aber Metall. Zwar darben andere Wirtschaftsteile wie der Einzelhandel auch noch – nicht aber Metall. Diese deutsche Vorzeigeindustrie boomt.

Damit die Tarifkönige ihren Namen auch verdienen, müssen sie in dieser Woche noch einiges tun. Die Arbeitgeber sollten deutlich tiefer in die Tasche greifen, als es die erst einmal angebotenen 2,5 Prozent plus Konjunkturbonus nahelegen – die Aufschwungsprognosen sind einfach besser geworden. Und die Gewerkschafter dürfen nicht bloß auf eine Prozentzahl größer vier aus sein. Gewinnbeteiligung jedweder Art tut der Wirtschaft gut. Sie lässt die Unternehmen atmen, ohne dass sie in schlechten Zeiten gleich Entlassungen planen müssen, und die Mitarbeiter in guten Zeiten an den Profiten teilhaben.

Man könnte sich ja wünschen, es ginge bei Metall so friedlich zu wie in der Tarifrunde der Chemieindustrie. Die hat schon längst so ähnlich abgeschlossen, wie es bei den Metallern auch wünschenswert wäre. Doch echte Schwergewichtschampions müssen schon die Muskeln spielen lassen, das sind sie sich schuldig. Hauptsache, sie kommen dann noch rechtzeitig zur Besinnung.

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