Der April ist für sein launenhaftes Wetter bekannt: Regen, Schnee, Sturm und Sonne wechseln rasch – »Aprilwetter« eben. Doch diesmal schien die Sonne im Landesdurchschnitt fast doppelt so lange wie sonst. Die Temperaturen lagen 4,5 Grad Celsius über dem Normalwert. Es herrschte zudem extreme Trockenheit. 25 Grad Celsius - und das im April! BILD

Die Ursache der Hitze schien schnell gefunden: die Klimaerwärmung. Tatsächlich ist die Durchschnittstemperatur in Deutschland seit 1900 um 0,9 Grad Celsius gestiegen. Wird der Frühling künftig zur Freiluftsaison? Gerhard Müller-Westermeier ist Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst und Autor des Buches »Wetter und Klima in Deutschland«.

DIE ZEIT: Herr Müller-Westermeier, dieser April war in Deutschland der schönste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 106 Jahren. Kein anderer April in diesem Zeitraum war hierzulande so warm und sonnig, und in keinem anderen regnete es weniger. Ist der Hitzefrühling eine Folge der Klimaerwärmung?

Gerhard Müller-Westermeier: Es passt ins Bild. Aber so einfach ist die Sache nicht. Es war eine ungewöhnliche Wetterlage, der wir die Wärme verdanken.

ZEIT: Warum war es so warm?

Müller-Westermeier: Über Mitteleuropa hatten sich Hochdruckgebiete festgesetzt. Sie sorgten für wolkenlosen Himmel. Die Sonne scheint im April bereits so stark, dass sie die bodennahe Luft stark aufheizt, sofern ihr keine Wolken in die Quere kommen.

ZEIT: Normalerweise haben Hochdruckgebiete im April nicht so lange Bestand, weil von Westen her Tiefdruckfronten nachdrängen. Warum geschah das diesmal nicht?

Müller-Westermeier: Das Wetter ist ein chaotisches System, kleine Veränderungen in der Atmosphäre können große Auswirkungen haben. Deshalb lässt sich das Geschehen selten einfach erklären. Diesmal sind die Tiefdruckgebiete nördlich und südlich an Mitteleuropa vorbeigezogen – in Spanien und in Nordeuropa herrschte im April Regenwetter.

ZEIT: Haben Sie in Mitteleuropa in den letzten Jahren vermehrt sonnig-warme Apriltage registriert?