Deutschland gilt vielen als Neidgesellschaft. Doch diese Kritik lässt sich kaum halten, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag der ZEIT gerade ergab. Denn Neider würden wohl nicht zugeben, dass Anstrengung im Land belohnt wird. Fast 60 Prozent finden nämlich: Der Leistungsträger hat »in Deutschland auch die Chance, vorwärtszukommen«. Dass ihre persönlichen Anstrengungen »bisher alles in allem belohnt« wurden, bejahen gar 70 Prozent. Klicken Sie auf das Bild, um die Grafik vergrößert zu sehen BILD

Natürlich ist die Wahrnehmung nicht überall in der Bundesrepublik gleich. Die Ostdeutschen können die Leistungsgerechtigkeit mehrheitlich nicht erkennen. 56 Prozent meinen, dass diejenigen, die sich anstrengen und viel leisten, noch lange keine Aufstiegschance erhalten. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und der Perspektivenarmut in vielen ostdeutschen Gegenden ist das wohl kein Wunder.

Besonders einig sind sich die Deutschen in der Beurteilung der Politik. Gesundheitsreform, Mehrwertsteuer, Unternehmenssteuer, Regulierung der Stromkonzerne – mit ihrer Politik trage die Große Koalition noch zur Ungerechtigkeit bei, sagt fast die Hälfte. Und noch beschämender für die Berliner Politiker, die doch so viel von (Leistungs-) Gerechtigkeit reden, ist vielleicht dieses Ergebnis: Mehr als 40 Prozent erklären, die Regierung schaffe in Wahrheit weder mehr noch weniger Gerechtigkeit.

Wer die Wahl gewinnen will, muss diese Wahrnehmung wohl schnellstens zu ändern versuchen. UJH

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