Die Energiesparlampe ist womöglich unterschätzt, wenn es um ihr Potenzial geht, einen Atomkrieg zu verhindern. Um diese Behauptung plausibel zu machen, wird in wenigen Augenblicken auch von den Gletschern des Himalaya die Rede sein müssen. Einigermaßen komplex sind, man ahnt es schon, die Zusammenhänge zwischen dem Klimawandel und seinen Folgen für die Weltsicherheitspolitik. Aber es gibt sie. Auf Grundlage der jüngsten UN-Vorhersagen zur Erderwärmung lassen sich diverse Schreckensszenarien für künftige Konflikte entwerfen. Wo steht in Zukunft der Feind ? BILD

Welche Auseinandersetzungen – sei es um Wasser, Getreide, Lebensraum, Rohstoffe oder Energie – könnte ein globaler Temperaturanstieg von vier Grad Celsius in den kommenden 50 Jahren auslösen? Während zwischen Russland, Amerika und der Nato derzeit ein reichlich vordergründiger Streit um Abfangraketen und Mittelstreckenwaffen tobt, der sich aus Kalten-Kriegs-Denkmustern speist, haben die Sicherheitsstrategen in London, Washington oder Berlin längst die Folgen einer globalen Warmzeit als neue Bedrohung entdeckt. Zwar leiden selbst die ernsthaftesten Überlegungen noch unter erheblicher Vagheit, doch eine grundlegende Entwicklung lässt sich schon heute absehen: Mit dem Temperaturanstieg auf dem Planeten werden künftig auch politische Prozesse schneller ihre Siedepunkte erreichen. Denn alle Konflikte sind immer auch Konflikte um Ressourcen, Rohstoffe und Lebensraum; in Zukunft wird der Klimawandel diese Güter zusätzlich verknappen. Die Folge: Mit dem Klimawandel verschärfen sich die Spannungen auf dem Globus.

Was zurückführt zur Energiesparlampe, der Kriegsgefahr und den Gletschern des Himalaya. Letztere sind so etwas wie der Wasserspeicher Asiens. Sie machen 15 Prozent der globalen Eismasse aus, und mehrere der großen asiatischen Flüsse – der Indus, der Ganges, der Mekong und der Jangtse – speisen sich aus ihren Schmelzwassern. Indischen Studien zufolge hängen 500 Millionen Menschen an diesem Versorgungsstrang. Doch wenn die Erderwärmung so voranschreitet, wie es der Klimareport der Vereinten Nationen vorhersagt, könnten die Himalayagletscher bis 2050 gänzlich verschwunden sein.

Vor wenigen Tagen schlug deshalb eine Riege von hochdekorierten pensionierten amerikanischen Generalen Alarm. Die Wasserversorgung in weiten Teilen Asiens könnte sich »dramatisch reduzieren«, schrieben sie in einem Papier für das US-Verteidigungsministerium, mit »destabilisierenden Folgen« für die dortige Innen- und Außenpolitik. Die nuklear bewaffneten Erzfeinde Indien und Pakistan betrachten die Kontrolle über das Wasser des Indus schon lange als strategische Angelegenheit. Seit 1960 gilt ein Vertrag zwischen den Ländern über die Nutzungsrechte. Wird er auch noch gelten, wenn der Flusspegel sinkt und der Energiebedarf gleichzeitig steigt? Die indische Regierung hat gerade erst angekündigt, künftig noch stärker auf Wasserkraft zur Stromerzeugung zu setzen. Vom Energiehunger Chinas, das ebenfalls am Himalaya-Gletscherwasser hängt, ganz zu schweigen. Ebenfalls erst vor wenigen Tagen hat das britische Verteidigungsministerium einen detaillierten Bericht über »strategische Trends« für die Jahre 2008 bis 2036 vorgelegt. Darin heißt es: »China, das heute schon mit Wasserknappheit und -verseuchung zu kämpfen hat, könnte möglicherweise versuchen, Flüsse umzuleiten, die ins benachbarte Indien fließen, wie etwa den Brahmaputra.« Ein asiatisches Wettrüsten könnte die Folge sein.

Wäre es da nicht klüger, schöner und billiger, statt in Panzer und Gewehre in Energiespartechnik zu investieren?

»Ich bin davon überzeugt, Energiesicherheit und Klimaschutz, dies kann das transatlantische Projekt des 21. Jahrhunderts werden. Ein Vorhaben, in dem wir sowohl politische Führung wie globale Verantwortung in gleicher Weise zeigen können.« So sprach Außenminister Frank-Walter Steinmeier am Rednerpult der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar dieses Jahres. Sein Appell für eine Klima-Nato ging unter, weil der russische Präsident Putin schon damals mit einer Brandrede gegen die USA das Podium beherrschte. Nun will die Bundesregierung auf dem Gipfeltreffen der acht reichen Industrienationen (G8) Anfang Juni in Heiligendamm einen weiteren Versuch unternehmen, für ihre neue außenpolitische Priorität »Klimasicherheit« zu werben.