Das pommersche Mädchen hatte viele Talente. Meta Erna Niemeyer (1901 bis 1996), ausgebildet am Weimarer Bauhaus, fotografierte, arbeitete als Journalistin in Berlin, gründete ein Modestudio in Paris und entwarf Kleider für die Damen der Boheme. Zu ihrem Freundeskreis zählten Man Ray, Fernand Léger, Max Ernst und Gisèle Freund – die europäische Avantgarde der zwanziger und dreißiger Jahre. Heute gilt Ré Soupault, wie sie sich später nannte, als eine der bedeutendsten Kamerakünstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Dem bewegten, langen Leben, der vielseitigen Begabung, vor allem aber dem Werk der Ré Soupault widmet sich jetzt eine Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau. In dieser ersten großen Gesamtschau sind rund 250 ihrer Schwarz-Weiß-Bilder zu sehen, die zwischen 1934 und 1952 auf diversen Auslandsreisen entstanden. Gezeigt werden Porträts, Reportagefotos, Alltagsszenen, unprätentiös, schnörkellos, manche beinah wie zufällig eingefangen (unser Bild stammt aus der Serie »Quartier réservé«, Tunis, 1939). Aber der Schein trügt. Ré Soupault wartete stets auf den einen, einzig richtigen Moment. Sie war die »Fotografin der magischen Sekunde«. B.W. BILD

Bis 13. August. Geöffnet täglich außer dienstags von 10 bis 20 Uhr, Eintritt 7 Euro. Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin, Tel. 030/254860, www.gropiusbau.de