Porträt Deutschlands Dividendenkönigin
Die Unternehmerin aus der Quandt-Dynastie ist wegen des Verkaufs der Altana Pharma in die Kritik geraten. Während die Mitarbeiter um ihren Job bangen, kassiert sie einen Rekordgewinn.
An diesem Freitag bekommt Susanne Hanna Ursula Klatten, geborene Quandt, die größte Dividendenzahlung, die jemals in Deutschland an einen einzelnen Aktionär gezahlt wurde – zwei Milliarden und 366 Millionen Euro. Um so viel Geld anzuhäufen, müsste man fünfeinhalb Jahre lang täglich eine Million im Lotto gewinnen. Die Dividende kommt von Altana, einer Aktiengesellschaft mit Sitz in Bad Homburg vor der Höhe, die Susanne Klatten seit 25 Jahren zur Hälfte gehört.
Der Konzern schwimmt in Geld, seit er seine Pharmasparte 2006 für 4,7 Milliarden Euro an die dänische Nycomed-Gruppe verkauft hat. Das neue Management hat kurz darauf angekündigt, jeden Zehnten der weltweit 12500 Arbeitsplätze abzubauen. Allein am Stammsitz in Konstanz sollen 790 Menschen gehen.Was die Sache anstößig macht: dass es dem Konstanzer Unternehmen keineswegs schlecht geht. Von Stagnation oder gar Verlusten kann noch nicht die Rede sein. Altana hat 2006 einen Gewinn von mehr als 750 Millionen Euro eingefahren – allerdings hapert es an der Forschung und dem Nachschub an neuen Medikamenten.
Das Ganze kommt einem vor, als bestätige sich das Bild vom bösen gewissenlosen Kapitalisten: Susanne Klatten und die anderen Aktionäre der Altana genehmigen sich in ihrer Hauptversammlung am Donnerstag dieser Woche eine Gewinnausschüttung in Rekordhöhe – und diejenigen, die das Geld erarbeitet haben, müssen um ihre Jobs bangen. Der Fall erregt. Doch nicht die dänischen Investoren stehen in der Kritik, sondern die deutschen Verkäufer. Neben der Mehrheitseigentümerin ist Chefmanager Nikolaus Schweickart ins moralische Zwielicht geraten. »Klatten und Schweickart haben die Firma rechtzeitig verkauft – und sich dadurch aus der Verantwortung gestohlen«, kommentierte die Süddeutsche Zeitung . Und die Börsen-Zeitung , jeder fundamentalen Kapitalismuskritik unverdächtig, schrieb über die Großaktionärin und ihre Gehilfen, sie hätten nach dem Motto gehandelt: »Nach uns die Sintflut.«
Sie ist die reichste Frau Deutschlands und sitzt bei BMW im Aufsichtsrat
Und was sagt Frau Klatten dazu? Nichts. Wie immer sagt sie nichts. Die Unternehmerin, die vergangene Woche ihren 45. Geburtstag feierte, gibt weder persönliche Erklärungen ab noch Interviews. Sie bleibt im Hintergrund. Mag ihre Mutter alljährlich Preise an Wirtschaftsjournalisten verleihen, die »das Wirken und die Bedeutung von Unternehmerpersönlichkeiten« beschrieben haben, Susanne Klatten lässt sich ungern in die Karten schauen.
Im öffentlichen Leben der Republik spielt sie so gut wie keine Rolle. Promipartys meidet sie konsequent. Undenkbar, dass sie bei einer Bambi-Verleihung im Publikum säße. Dabei hat sie als junge Frau bei dem Verleger Hubert Burda hospitiert, der den Bambi ausrichtet. Klatten muss sich und anderen nichts beweisen, sie ist unabhängig von Quoten und Wählerstimmen.Unabhängig in jeder Beziehung. Susanne Klatten ist die mit Abstand reichste Frau Deutschlands. Außer der Mehrheit der Altana, die als Chemiefirma mit Sitz in Wesel weiterbestehen wird, gehören ihr noch 12,5 Prozent der Stammaktien von BMW. Dieses Paket hat gegenwärtig einen Wert von 3,3 Milliarden Euro. Gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrer Mutter besitzt Klatten darüber hinaus noch die Chipkartenfirma Datacard in Minnetonka im US-Bundesstaat Minnesota sowie einen Anteil an dem Smart-Card-Hersteller Gemalto in den Niederlanden. Das US-Magazin Forbes taxierte ihr Vermögen zuletzt auf sieben Milliarden Euro.
Ihren Reichtum verdankt sie ihrem Vater Herbert Quandt, der Ende der fünfziger Jahre BMW vor der Pleite gerettet und in den sechziger Jahren für den Wiederaufstieg des weißblauen Autoherstellers gesorgt hat. Und ihrem Großvater Günther Quandt – denn der hatte die Vorläuferfirma der Altana während der Nazizeit seinem Industrieimperium einverleibt. Die genauen Umstände der Übernahme sind nicht geklärt. Es handelte sich um eine Firma, die sich lange Zeit in jüdischem Besitz befunden hatte, sie war aber vermutlich schon »arisiert« – also enteignet – worden, bevor Quandt die Firma übernahm. Die entscheidende Sitzung über den Einstieg des Industriellen fand im Reichswirtschaftsministerium statt.
Susanne Klatten hat den Großvater nicht gekannt. Er ist schon acht Jahre tot, als sie 1962 geboren wird. Ihre Mutter war früher die Sekretärin Herbert Quandts und seit 1960 dessen dritte Ehefrau. Susanne wächst in einer Villa auf der Ellerhöhe oberhalb von Bad Homburg auf. Der Butler trägt weiße Handschuhe. Als 1971 der Handelsunternehmer Theo Albrecht entführt wird, gelten auch die Quandts als gefährdet – neben den Flicks sind sie damals die Reichsten in Deutschland. Susanne und ihr jüngerer Bruder werden von einem Fahrer zur Schule gebracht.
- Datum 09.03.2009 - 11:21 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 03.05.2007 Nr. 19
- Kommentare 26
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2,366 Mrd. Euro sind aktuell 3,12 Promille des in Deutschland vorhandenen Giralgeldes im Sinne von M1. Die Geldmenge M1 in Deutschland teilen sich über 82 Millionen Menschen, und eine Susanne Klatten kassiert davon jetzt ganz alleine über 3 Promille. Millionen von Menschen in Deuschland knappsen Monat für Monat an ein paar Hundert Euro. Und die Politiker wundern sich, dass die Binnenkonjunktur immer mehr lahmt. Denn eine Susanne Klatten kann und wird das Geld nicht so ausgeben, dass es wieder in die Breite der Volkswirtschaft fließt.
Rechnerisch verfügt in dieser Sekunde jeder Haushalt in Deutschland über 23.347 Euro (statistisch gesehen - also im Durchschnitt). Susanne Klatten vereinigt also mit ihrer Dividendenzahlung das Geld von über 100.000 Haushalten in ihrer eigenen Schatulle. Im klassischen Feudalismus sah das ganz ähnlich aus. Nur den modernen Feudalismus, den begreift bisher noch kaum einer.
Entfernt, enthielt Aufruf zu einer Straftat. Die Redaktion/sh
nennt mich neidig
ich wünsche dieser frau den größt möglichen elend und schmerz denn es gibt.
ich hoffe sie stirbt qualvoll
solche menschen sind die wahren asozialen und nicht die hartz IV menschen die nicht arbeiten wollen.
diese frau hat noch nie in ihren leben gearbeitet und weiß nicht was es heißt zu arbeiten oder sorgen, stress und kummer zu haben.
ihre einzige qualifikation ist es die tocher quandt zu sein, sie kann nichts und sie weiß nichts
ich würde mich wirklich freuen wenn jemand aus ihrer familie entführt werden würde
aber ob es sich für die entführer lohnen würde wage ich zu bezweifelen
bei den aldi-gebrüdern mit 68Mrd EUR besitz hat man sich das auch gedacht letztendlich hat der entführer nichts gezahlt weil der alid bruder zu geizig und gerissen war
Immense Transaktionen machen deutlich, dass Arbeitnehmer nur ein Spielball sind. Sie haben diese riesigen Vermögen geschaffen, ihre Pflicht getan. Nun können sie gehen.
Es geht nicht um diesen einen Verkauf. Wissen, das über Jahrzehnte in Deutschland teuer erworben wurde und in Produkte einfloss, wird einfach - weiss Gott wohin - verscherbelt, wodurch die Konkurrenzfähigkeit der Deutschen abnimmt. Die Fördergelder, Steuern, sind für die Katz. Die Frage ist, wie kann sich die Gemeinschaft dagegen wehren? Ist unsere Demokratie noch imstande, diese Auswüchse zu stoppen?
Wie so oft, staune ich über die Kommentare. Was hat die Frau falsch gemacht? Ihr wird Entführung, Tod usw. gewünscht: unglaublich.
Dem Unternehmen ging es lange Zeit ausgezeichnet. Die Arbeiter hatten nicht nur eine Arbeit, sie wurden mit Gewinnausschüttungen beschenkt. Ein Unternehmen stellt Mitarbeiter ein, weil Bedarf besteht; es wirf Sonderprämien ab, wenn es dem Unternehmen am besten geht. Aber dieses Unternehmen dort kränkelt der Zeit und wird es noch eine ganze Weile. Entlassungen waren offensichtlich, da viele der Mitarbeiter zur Hochkonjunktur eingestellt wurden.
Entlassungen, weil Teilbereiches der Unternehmens saniert werden müssen, weil das angestrebte Medikament unbrauchbar geworden ist.
Dass sie geht und ihrem Anteil entsprechend eine Auszahlung haben möchte, ist nach so langer Zeit allzu verständlich. Wie geschrieben steht, hat ihr das Unternehmen zum Teil gehört.
Die hier aktivierten Moralaposteln finde ich unheimlich. Jener Moralkapitalismus, der Mal um Mal in die eine Richtung schlägt, ist mir äußerst suspekt. Jene Gutmenschen machen es sich sehr einfach und verlieren, im internationalen oder historischen Vergleich. Die oft zitierten Vergleiche Reich-Arm, Essensschlacht-HungerInAfrika usw.
Denn es wird leicht vergessen, dass diese Frau etwas leistete, was man anderen Vorständen nicht anrechnen kann. Sie war ja anscheinend für die Menschen da und hat sich um wichtige strategische Belange gekümmert. Das, obwohl sie anscheinend kein richtiges Interesse am Wirtschaftsmagnatdasein hatte oder hat. Sie war sehr lange Teil eines Unternehmens, das Menschen unterstützte. Dass sie irgendwann gehen mag, ist doch unvermeidlich.
Mit Sicherheit wird ihr so genanntes Kapital wo anders Eingang finden. Menschen wie sie sitzen doch nicht auf ihren Gewinnen.
Die Argumentation der anderen finde ich äußerst schwach.
... auch wenn einige Kommentare ihr anderes unterstellen. Danke an jaso!!!
Einige andere Kommentatoren lassen erkennen, dass diese vom Geldkreislauf nichts verstehen. Jaso hat völlig recht:
1. Sie wird ihr Geld woanders reinvestieren, so dass es der gesamten Volkswirtschaft zur Verfügung steht (oder glaubt hier jemand noch an Dagobert Ducks Geldspeicher?)
2. Natürlich könnte sie alles auf der Bank liegen lassen. Dann würde die Bank es als Kredit verleihen (Häuslebauer, Existenzgründer, etc.) Und diese Banken verleihen das Geld auch gerne an Heuschrecken (Raider)! Was Frau Klatten eben nicht ist!
3. Oder unser Staat erhält alles und subventioniert weiter fröhlich ihre Lobbyisten, was den Standort Deutschland und unserer Wettbewerbsfähigkeit keinen deut weiterbringt (ganz im Gegenteil)
4. Frau Klatten investiert (wie ihr Bruder auch) ihr Geld zum größten Teil in Deutschland, in Forschung und Entwicklung und genau das ist das entscheidend positive!
5. Und wenn das Geld in den Händen einiger Kommentatoren hier liegen würde (die ihr so locker Tod und Entführung wünschen), möchte ich mir nicht vorstellen, zu welch weitere unmenschliche Handlungen diese Leute fähig sind.
Dann doch viel lieber: Frau Klatten, übernehmen sie weiter!
mfg bv
Ich habe auch nichts gegen Frau Klatten oder gegen die Tatsache, dass eine Person ueber 7 Milliarden Euro verfuegt.
Aber mit einigen Ihrer Aussagen kann ich mich nicht identifizieren.
Zitat:'4. Frau Klatten investiert (wie ihr Bruder auch) ihr Geld zum größten Teil in Deutschland, in Forschung und Entwicklung und genau das ist das entscheidend positive!'
Aha. Und warum hat sie dann Altana-Pharma verkauft ?
Weil die hauseigene Pharma Forschung nicht mehr genuegend neue Produkte
auf Lager hat.
UND
Zitat:' Dann doch viel lieber: Frau Klatten, übernehmen sie weiter!'
Ich glaube, Sie sind vom Vermoegen der Frau Klatten geblendet, fast hin bis zur Anbetung.
Wenn eine wichtige Medikamentenneuheit es nicht bis zur Zulassung schafft und ALTANA-Pharma daraufhin besser verkauft werden soll, dann ist das doch mangelnde Produktrisiko-Diversifikation seitens der Geschaeftsfuehrung inkl. Vorstand/Eigentuemer.
Laufen Sie ruhig Frau Klatten und den sogenannten Spitzenmanagern
( Hartz,Pierer, Kleinfeld) hinterher, ich fuehre mein eigenes Leben.
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