Porträt Deutschlands DividendenköniginSeite 3/3

Susanne Klatten ist eine ernsthafte, nachdenkliche Person. »Sie macht es sich niemals leicht«, sagt eine, die sie schon sehr lange kennt. In der legendären Aufsichtsratssitzung von BMW im Februar 1999, in der Bernd Pischetsrieder als Konzernchef wegen des Rover-Debakels abgelöst wurde, kämpfte Klatten nach dem Bericht von Augenzeugen zeitweilig mit den Tränen. Bei Altana passierte ihr das jetzt wieder.

Wem sich eine der seltenen Gelegenheit bietet, Susanne Klatten persönlich zu treffen, der erlebt eine scheue, fast misstrauische Person, die sich in ihrer Haut nicht recht wohlzufühlen scheint. Sie verneint die Frage, ob sie ihr Erbe als Belastung empfunden habe (»Ich habe nie in dem Gefühl gelebt, da wartet ein Schuh auf mich, in den ich irgendwann hineinschlüpfen muss«), bekennt aber zugleich, eine »Verbundenheit mit der Geschichte der Familie« zu empfinden.

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Seit 1996 ist sie die stellvertretende Vorsitzende des Altana-Aufsichtsrats. Aber als der damalige Chef des Gremiums einmal verhindert ist, überlässt sie einem Vertreter der Arbeitnehmer die Sitzungsleitung. Ergreift sie das Wort, geht es ihr schon mal darum, ob neue Medikamente wirklich sicher seien. Interesse zeigt sie außerdem für Personalfragen.

Susanne Klatten tritt bescheiden auf. Während die Vorstandsherren alle im Siebener-BMW fuhren, begnügte sich die Großaktionärin ostentativ mit einem Dreier. Bis auf Ohrclips und den Ehering trägt sie keinen Schmuck. Ihre ganze Haltung verrät Disziplin. Sie sieht sich als Unternehmerin in der vierten Generation und im Dienste einer großen Sache. Über das Engagement der Familie bei BMW sagte sie einmal: »Wir halten die Beteiligung nicht aus Ego-Gründen. Wir schaffen dort Ruhe, das wird geschätzt.«

Sie ist keine kalte Kapitalistin, aber will das Geld auch nicht teilen

Die Unternehmerin versteuert ihr Einkommen in Deutschland, aber sie nutzt die Gestaltungsmöglichkeiten. Oder besser: lässt nutzen. Um die Steuern auf die Rekorddividende zu minimieren, hat sie ihre Altana-Aktien kurzfristig in eine Kapitalgesellschaft eingebracht, die Skion GmbH.

Eine kalte Kapitalistin ist Klatten nicht. Die Unternehmerin engagiert sich seit Jahren in einer Stiftung, die den Namen ihres Vaters trägt und deren Kapital sie aufgestockt hat. Die Frage, wohin das Gemeinwesen steuert, beschäftigt sie. Ende April saß sie in Bad Homburg zwei Tage lang mit Wissenschaftlern wie Paul Nolte und Stefan Hradil zusammen, es ging um »Die Mitte als Motor der Gesellschaft«. Eine denkwürdige Veranstaltung. Denn während Klatten und Co über die Nöte der gesellschaftlichen Mitte im Allgemeinen diskutierten, erleben die Pharmaforscher in Konstanz die Bedrohung ganz konkret. Noch steht nicht fest, wer von dem Arbeitsplatzabbau betroffen sein wird. Also sind erst einmal alle verunsichert. »Die Leute wollen wissen: Kann ich bleiben, oder muss ich gehen?«, sagt Benz.

Vor Weihnachten lasen die Altana-Mitarbeiter in der Zeitung, was sich im rheinischen Monheim ereignet hatte. Die Familie Schwarz-Schütte hatte ihre Mehrheit an Schwarz Pharma für 1,4 Milliarden Euro an einen belgischen Konzern verkauft – und ließ die Mitarbeiter an dem Geldsegen teilhaben. Jeder der 4.500 Beschäftigten sollte als Dankeschön 10.000 Euro bekommen. In Konstanz fragen sich die Altana-Beschäftigten, ob sie nicht auch eine solche Erfolgsprämie verdient hätten. Betriebsrat Benz schreibt Susanne Klatten einen Brief. Ihr Referent meldet sich kurz darauf und vereinbart einen Telefontermin. »Da hat sie mir dann erklärt, dass die Belegschaft nichts bekommt«, berichtet Benz. Klatten habe das damit begründet, dass die Mitarbeiter in den vergangenen Jahren üppige Gewinnbeteiligungen erhalten hätten und dass sie mit dem Geld aus dem Verkauf unternehmerisch tätig bleibe. Wenn sie jetzt zahlen würde, erläuterte Susanne Klatten dem Betriebsrat dann noch, sähe das so aus, als habe sie »ein schlechtes Gewissen« bei dem Verkauf. Und das habe sie nicht.

Erbin aus der Quandt-Dynastie
Susanne Klatten wurde 1962 in Bad Homburg als Tochter des Industriellen Herbert Quandt und seiner dritten Ehefrau Johanna geboren. Als ihr Vater 1982 starb, erbte sie gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem jüngeren Bruder Stefan Quandt die Kontrollmehrheit an BMW. Sie erhielt dabei weniger Aktien als ihr Bruder, bekam aber zum Ausgleich allein die Mehrheit an der Altana AG, einem Pharma- und Chemiekonzern, der 1982 aus einer weiteren Quandt-Firma, der Varta AG, herausgelöst worden war. Die Aktien des Batterieherstellers erbten Klattens ältere Halbgeschwister, die drei Kinder aus der zweiten Ehe Herbert Quandts. Nach dem Abitur 1981 lernte Susanne Klatten den Beruf der Werbekauffrau und studierte Betriebswirtschaftslehre an der University of Buckingham. Am International Management Development Institute in Lausanne machte sie 1988 einen MBA. Mit 31 Jahren zog sie 1993 in den Altana-Aufsichtsrat ein, seit 1997 gehört sie auch dem Aufsichtsrat von BMW an. Mit ihrem Ehemann Jan Klatten, einem Halbbruder des EM.TV-Chefs Werner Klatten, hat sie drei Kinder.

Zum Thema:
Personalabbau "nicht unethisch" - Der scheidende Chef der Altana AG, Nikolaus Schweickart, hält Personalanpassungen für einen normalen Bestandteil der Marktwirtschaft»

Ein Konzern wird zerlegt - Das Pharma- und Chemieunternehmen Altana sucht einen Partner für seine Pillensparte. Schwierig, wenn bald das wichtigste Patent ausläuft. Muss die Mehrheitseignerin aussteigen? (DIE ZEIT 21/2006) »

Manager ohne Moral – Hat die Wirtschaftselite das Gefühl für ihr Land verloren? Oder sind viele Manager einfach nur schlecht ausgebildet? Ein Schwerpunkt»

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 04.05.2007 um 14:18 Uhr

    2,366 Mrd. Euro sind aktuell 3,12 Promille des in Deutschland vorhandenen Giralgeldes im Sinne von M1. Die Geldmenge M1 in Deutschland teilen sich über 82 Millionen Menschen, und eine Susanne Klatten kassiert davon jetzt ganz alleine über 3 Promille. Millionen von Menschen in Deuschland knappsen Monat für Monat an ein paar Hundert Euro. Und die Politiker wundern sich, dass die Binnenkonjunktur immer mehr lahmt. Denn eine Susanne Klatten kann und wird das Geld nicht so ausgeben, dass es wieder in die Breite der Volkswirtschaft fließt.

    Rechnerisch verfügt in dieser Sekunde jeder Haushalt in Deutschland über 23.347 Euro (statistisch gesehen - also im Durchschnitt). Susanne Klatten vereinigt also mit ihrer Dividendenzahlung das Geld von über 100.000 Haushalten in ihrer eigenen Schatulle. Im klassischen Feudalismus sah das ganz ähnlich aus. Nur den modernen Feudalismus, den begreift bisher noch kaum einer.

  1. Entfernt, enthielt Aufruf zu einer Straftat. Die Redaktion/sh

    • Anonym
    • 04.05.2007 um 20:10 Uhr

    nennt mich neidig

    ich wünsche dieser frau den größt möglichen elend und schmerz denn es gibt.
    ich hoffe sie stirbt qualvoll

    solche menschen sind die wahren asozialen und nicht die hartz IV menschen die nicht arbeiten wollen.
    diese frau hat noch nie in ihren leben gearbeitet und weiß nicht was es heißt zu arbeiten oder sorgen, stress und kummer zu haben.

    ihre einzige qualifikation ist es die tocher quandt zu sein, sie kann nichts und sie weiß nichts

    • Anonym
    • 05.05.2007 um 1:51 Uhr
    4. \N

    ich würde mich wirklich freuen wenn jemand aus ihrer familie entführt werden würde
    aber ob es sich für die entführer lohnen würde wage ich zu bezweifelen

    bei den aldi-gebrüdern mit 68Mrd EUR besitz hat man sich das auch gedacht letztendlich hat der entführer nichts gezahlt weil der alid bruder zu geizig und gerissen war

  2. Immense Transaktionen machen deutlich, dass Arbeitnehmer nur ein Spielball sind. Sie haben diese riesigen Vermögen geschaffen, ihre Pflicht getan. Nun können sie gehen.
    Es geht nicht um diesen einen Verkauf. Wissen, das über Jahrzehnte in Deutschland teuer erworben wurde und in Produkte einfloss, wird einfach - weiss Gott wohin - verscherbelt, wodurch die Konkurrenzfähigkeit der Deutschen abnimmt. Die Fördergelder, Steuern, sind für die Katz. Die Frage ist, wie kann sich die Gemeinschaft dagegen wehren? Ist unsere Demokratie noch imstande, diese Auswüchse zu stoppen?

    • jaso
    • 05.05.2007 um 10:29 Uhr

    Wie so oft, staune ich über die Kommentare. Was hat die Frau falsch gemacht? Ihr wird Entführung, Tod usw. gewünscht: unglaublich.

    Dem Unternehmen ging es lange Zeit ausgezeichnet. Die Arbeiter hatten nicht nur eine Arbeit, sie wurden mit Gewinnausschüttungen beschenkt. Ein Unternehmen stellt Mitarbeiter ein, weil Bedarf besteht; es wirf Sonderprämien ab, wenn es dem Unternehmen am besten geht. Aber dieses Unternehmen dort kränkelt der Zeit und wird es noch eine ganze Weile. Entlassungen waren offensichtlich, da viele der Mitarbeiter zur Hochkonjunktur eingestellt wurden.

    Entlassungen, weil Teilbereiches der Unternehmens saniert werden müssen, weil das angestrebte Medikament unbrauchbar geworden ist.

    Dass sie geht und ihrem Anteil entsprechend eine Auszahlung haben möchte, ist nach so langer Zeit allzu verständlich. Wie geschrieben steht, hat ihr das Unternehmen zum Teil gehört.

    Die hier aktivierten Moralaposteln finde ich unheimlich. Jener Moralkapitalismus, der Mal um Mal in die eine Richtung schlägt, ist mir äußerst suspekt. Jene Gutmenschen machen es sich sehr einfach und verlieren, im internationalen oder historischen Vergleich. Die oft zitierten Vergleiche Reich-Arm, Essensschlacht-HungerInAfrika usw.

    Denn es wird leicht vergessen, dass diese Frau etwas leistete, was man anderen Vorständen nicht anrechnen kann. Sie war ja anscheinend für die Menschen da und hat sich um wichtige strategische Belange gekümmert. Das, obwohl sie anscheinend kein richtiges Interesse am Wirtschaftsmagnatdasein hatte oder hat. Sie war sehr lange Teil eines Unternehmens, das Menschen unterstützte. Dass sie irgendwann gehen mag, ist doch unvermeidlich.
    Mit Sicherheit wird ihr so genanntes Kapital wo anders Eingang finden. Menschen wie sie sitzen doch nicht auf ihren Gewinnen.

    Die Argumentation der anderen finde ich äußerst schwach.

  3. ... auch wenn einige Kommentare ihr anderes unterstellen. Danke an jaso!!!

    Einige andere Kommentatoren lassen erkennen, dass diese vom Geldkreislauf nichts verstehen. Jaso hat völlig recht:

    1. Sie wird ihr Geld woanders reinvestieren, so dass es der gesamten Volkswirtschaft zur Verfügung steht (oder glaubt hier jemand noch an Dagobert Ducks Geldspeicher?)

    2. Natürlich könnte sie alles auf der Bank liegen lassen. Dann würde die Bank es als Kredit verleihen (Häuslebauer, Existenzgründer, etc.) Und diese Banken verleihen das Geld auch gerne an Heuschrecken (Raider)! Was Frau Klatten eben nicht ist!

    3. Oder unser Staat erhält alles und subventioniert weiter fröhlich ihre Lobbyisten, was den Standort Deutschland und unserer Wettbewerbsfähigkeit keinen deut weiterbringt (ganz im Gegenteil)

    4. Frau Klatten investiert (wie ihr Bruder auch) ihr Geld zum größten Teil in Deutschland, in Forschung und Entwicklung und genau das ist das entscheidend positive!

    5. Und wenn das Geld in den Händen einiger Kommentatoren hier liegen würde (die ihr so locker Tod und Entführung wünschen), möchte ich mir nicht vorstellen, zu welch weitere unmenschliche Handlungen diese Leute fähig sind.

    Dann doch viel lieber: Frau Klatten, übernehmen sie weiter!

    mfg bv

    • Anonym
    • 05.05.2007 um 13:51 Uhr

    Ich habe auch nichts gegen Frau Klatten oder gegen die Tatsache, dass eine Person ueber 7 Milliarden Euro verfuegt.
    Aber mit einigen Ihrer Aussagen kann ich mich nicht identifizieren.

    Zitat:'4. Frau Klatten investiert (wie ihr Bruder auch) ihr Geld zum größten Teil in Deutschland, in Forschung und Entwicklung und genau das ist das entscheidend positive!'

    Aha. Und warum hat sie dann Altana-Pharma verkauft ?
    Weil die hauseigene Pharma Forschung nicht mehr genuegend neue Produkte
    auf Lager hat.

    UND

    Zitat:' Dann doch viel lieber: Frau Klatten, übernehmen sie weiter!'

    Ich glaube, Sie sind vom Vermoegen der Frau Klatten geblendet, fast hin bis zur Anbetung.
    Wenn eine wichtige Medikamentenneuheit es nicht bis zur Zulassung schafft und ALTANA-Pharma daraufhin besser verkauft werden soll, dann ist das doch mangelnde Produktrisiko-Diversifikation seitens der Geschaeftsfuehrung inkl. Vorstand/Eigentuemer.

    Laufen Sie ruhig Frau Klatten und den sogenannten Spitzenmanagern
    ( Hartz,Pierer, Kleinfeld) hinterher, ich fuehre mein eigenes Leben.

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