Skandinavien Diese netten DänenSeite 3/3
Eine Kultur der Solidarität lässt sich nicht erzwingen
Im Zusammenhang mit Dänemark wird bis heute gern zustimmend der Begriff flexicurity benutzt: Er bezeichnet einen flexiblen Arbeitsmarkt mit wenig Kündigungsschutz, der zugleich (deshalb?) so dynamisch ist, dass er den Arbeitnehmern die Sicherheit (security) bietet, nach dem Verlust des Arbeitsplatzes schnell ein neues Auskommen zu finden. »Das ist der entscheidende Punkt«, sagt Werner Jann, der sich seit Langem mit internationalen Leistungsvergleichen befasst: »Die Lockerung des Kündigungsschutzes mag auch für Deutschland eine sinnvolle arbeitsmarktpolitische Konsequenz sein – aber die Sache kann nur funktionieren, wenn man sich den dänischen Kontext aufmerksam ansieht.« Viel entscheidender als die formale Regelung sei nämlich die kulturelle Wahrnehmung eines Problems, die Frage nach dem im jeweiligen Land »angemessenen« Verhalten. Und da komme man zu höchst unterschiedlichen Befunden für Dänemark und Deutschland: So seien in Dänemark mehr als 80 Prozent der Arbeitnehmer in Gewerkschaften organisiert – die ihren Mitgliedern Sicherheit bieten, gleichzeitig aber Reformen erklären und vermitteln. Es ist leicht vorstellbar, dass sich auf dieser Grundlage ein geringeres Bedürfnis nach arbeitsrechtlicher Absicherung ergibt – zumal auch das »angemessene Verhalten« für Arbeitgeber in einem kleinen Land mit einer Hauptstadt, in der alle Entscheidungsträger wie in Helsinki dieselbe Sauna frequentieren oder wie in Kopenhagen denselben Smörrebröd-Keller aufsuchen, anders aussieht als im großen Deutschland mit seinen vielen unabhängigen Wirtschaftszentren.
Eine Kultur der Gemeinsamkeit und Solidarität lässt sich nicht erzwingen – aber es ist gut möglich, dass wir Deutschen in unserer fragmentierten Gesellschaft uns besonders danach sehnen. Der Niederländer Geert Hofstede befragte Anfang der siebziger Jahre in einer bahnbrechenden Studie mehr als 100000 Mitarbeiter eines multinationalen Konzerns und identifizierte dabei vier Dimensionen, nach denen sich die Wertesysteme der von ihm untersuchten Nationen unterschieden: erstens das in einer Gesellschaft akzeptierte Machtgefälle; zweitens die Toleranz gegenüber Unsicherheit; drittens die Bedeutung des Individualismus; schließlich die »Maskulinität« eines Gemeinwesens, also die Bedeutung traditionell »männlicher« Werte wie Leistungsbereitschaft, Betonung von Autorität und Hierarchie, Materialismus. »Weiblichere« Gesellschaften hingegen setzen laut Hofstede eher auf Gruppenentscheidungen, schätzen das Karrierestreben geringer, kennen weniger Stress am Arbeitsplatz und verteilen Aufgaben gleichmäßiger zwischen Männern und Frauen.
Wir Deutschen leben immer noch in einer Welt der großen Machtgefälle, und die »Maskulinität« unseres Arbeitsalltags ist schwer zu bestreiten. Mag sein, dass uns auch deshalb die kleinen, beschaulichen, stressfreien und weiblicheren Länder insbesondere Skandinaviens attraktiv erscheinen. Dass diese genau so sind – beschaulich, stressfrei, weiblicher –, ist zwar eine Verallgemeinerung. Aber man merkt es schließlich in jedem Urlaub.
ZEIT-Serie:
Ist im Norden alles besser?
Schweden
Warum hat ein Land ohne große Probleme so viel Angst?
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- Datum 07.05.2007 - 08:16 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 03.05.2007 Nr. 19
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Russland ist das bevoelkerungsreichste Land in Europa, selbst wenn man nur den europaeischen Teil betrachtet. Aber wahrscheinlich ist die Autorin noch nicht mal bis Frankfurt/Oder gekommen.....
Bloß kein Stress hier.
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