AutotestRollende Unvernunft

Verbieten sollte man dieses Auto zwar nicht. Aber vielleicht seinen Benzinverbrauch höher besteuern. Uwe Jean Heuser, ZEIT-Ressortleiter Wirtschaft, im Hummer H3 Executive

Zugegeben, ich bin ein Freund des Marktes. Der Mensch hat noch keinen Mechanismus erfunden, der die Konsumentenwünsche und die Vorstellungen der Produzenten besser miteinander in Einklang brächte. Und wenn dem Staat eine Entwicklung missfällt, dann muss er die Produkte noch lange nicht reglementieren oder verbieten. Er kann sie mit Steuern belegen oder Alternativen günstiger machen. Dann reagieren die vernunftbegabten Menschen – wie bei Ökosteuern oder Einspeisevergütungen für die Windenergie. Und der Markt bleibt intakt.

Auch das gebe ich zu: Ich bin kein Freund des Hummer. Der Hersteller hat sein im ersten Golfkrieg so erfolgreiches Militärfahrzeug für die Straße umgebaut und bietet schon die dritte Variante an, den Hummer (sprich: Hammer) H3. Die Fenster des Monstrums sind niedrig, die Frontscheibe steigt steil auf. Das Paramilitärische an der Kiste ist also kaum zu übersehen.

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Die Frage ist aber vor allem, warum sich Hummer selbst in Zeiten des Klimawandels so gut verkaufen, dass immer neue Modelle erfunden werden. Ihr Luftwiderstandswert kommt dem eines Einfamilienhauses nahe, aber die werden ja auch immer größer. Wie Psychologen vermuten, liegt es daran, dass die Menschen im modernen Kapitalismus viel eigenen Platz brauchen. Ich hier drin, ihr da draußen: Dieses Signal senden auch Hummer aus.

Tatsächlich ist der H3, eine Art Riesenbaby, der bislang Kleinste aus der Hummer-Familie. Er braucht auch nicht unbedingt mehr Sprit als andere Geländewagen. Und das Auto fährt sich komfortabel, so vom Ledersitz aus auf Kleinlasterhöhe, mit Servolenkung, Schiebedach und Sitzheizung. Der Laderaum ist gar nicht mal so riesig, dafür ist der Tankdeckel umso wuchtiger. Sei’s drum. Wie es sich für einen echten Geländewagen gehört, ist der Hummer recht langsam, und er beschleunigt sein großes Gewicht auch nur mit gebührender Verzögerung. Schließlich kann er nichts dafür, dass viele Käufer ihn und seine Artgenossen vornehmlich auf Asphalt bewegen.

Und doch: Das Auto ist eine Waffe im Rückzugsgefecht der Überflussgesellschaft, in der alles ging, was mit Geld zu bezahlen war. Ein Aufbäumen gegen die Zukunft. Wie lange kann das noch cool sein angesichts der Tatsache, dass Hollywoodstars mit Hybrid-Toyotas und Elektroautos durch die Gegend gondeln? Dass der Klima-Terminator Arnold Schwarzenegger die Firma dazu gebracht hat, ihm ein wasserstoffgetriebenes Exemplar zu bauen, hat allerdings eher Ablasscharakter. Zu viel Energie pro Meile verbrauchen die Ungetüme so oder so. Auch dass Hummer die mögliche Umrüstung auf Gasantrieb preist, ändert nichts daran, dass man sich deutlich energieeffizienter fortbewegen kann.

In Deutschland hatte ich eigentlich Reaktionen des Hasses erwartet. Wie kann einer heutzutage nur in diesem Monstrum die Luft verpesten? Etwas in der Art. In Hamburg und in Schleswig-Holstein war davon aber wenig zu merken. Weiter ging es auf die Insel Sylt: An der Sansibar fand der Wagen sogar freundliches Interesse, ja Verständnis. Dort im Dünenweg liegt das Hochland der Porsche Cayenne (am liebsten Cayenne S), der BMW X5 und der Audi-Kombis mit Breitreifen und Allradantrieb. In solcher Umgebung ist Verachtung für Größe wohl zu viel verlangt; desgleichen auf den von Luxusautos gesäumten Straßen des Inselortes Kampen.

Leserkommentare
  1. 1. Hummer

    Doch, man sollte den Hummer verbieten. Es gibt keinen Grund fuer ein derart unvernuenftiges Auto.
    Ich fahre hier (Charleston SC) einen Prius, erreiche eine mileage von 58 bis 60 mpg (ca. 4l/100 km) und in Deutschland einen A2 1.2 TDI, milage ca. 90 mpg (ca. 2,6 l/100 km).
    Warum dann solche verrueckten Autos wie den Hummer oder andere Sprittrinker in dieser Zeit?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Man sollte vielleicht den Umweltgedanken nicht nur auf den Treibstoffverbrauch reduzieren.

    "Prius Outdoes Hummer in Environmental Damage":
    http://clubs.ccsu.edu/Rec...

    Man sollte vielleicht den Umweltgedanken nicht nur auf den Treibstoffverbrauch reduzieren.

    "Prius Outdoes Hummer in Environmental Damage":
    http://clubs.ccsu.edu/Rec...

  2. Man sollte vielleicht den Umweltgedanken nicht nur auf den Treibstoffverbrauch reduzieren.

    "Prius Outdoes Hummer in Environmental Damage":
    http://clubs.ccsu.edu/Rec...

    Antwort auf "Hummer"
  3. Liegt die Wahrheit in einer Schwarz-Weiß Malerei oder gar in Verboten? Muss der Hummer, ganz gleich ob H2 oder H3, verboten werden oder müssen alle sog. SUVs verboten werden? Warum finde ich keine Artikel über den Cayenne, BMW X5, den Touareg, den Mercedes ML - alle diese Fahrzeuge werden mit Benzinmotoren angeboten, die dem Hummer im Verbrauch nicht nachstehen. Sollte man nicht sinnvollerweise auch gleich die Billigflüge für EUR 19 oder 29 o.ä. verbieten? Mit dem eingesparten Treibstoff, ließe sich eine ganze Flotte von SUVs über längere Zeit betreiben. Vielleicht sollte man noch weitergehen und alle Energieverschwender verbieten - fangen wir doch einfach bei alten Heizungssystemen in Wohnhäusern an, den offenen Feuern im Garten, den Motorradfahrern, die nur aus Spaß durch die Gegend fahren. Ist das wirklich das, was wir wollen? Ein steigendes Umweltbewußtsein ist mehr als wichtig, aber bitte in vernünftigen kleinen Schritten und mit Weitblick.

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