Protest Rebellen für gewisse StundenSeite 3/3

Wer sich bei der Verbindung dieses respekta- blen Namens mit radikaler Systemkritik an die Exstipendiaten Gudrun Ensslin oder Horst Mahler erinnert fühlt, der ist allerdings auf dem Holzweg. »Diesen Weg wollen wir nicht gehen«, sagt Johannes unzweideutig. Auch Lena winkt genervt ab: »Gewaltfreiheit war nun wirklich das Erste, worauf wir uns verständigt haben.«

Die Rebellion von 68 indes sehen alle »eher als gutes Beispiel«. Jedenfalls, schränkt Justus ein, wenn man aus den Erfahrungen der Apo-Opas lerne: »Wir sind nicht dogmatisch. Wir denken nicht, dass wir die Guten sind und alle anderen die Blöden. Wir wollen auch nicht bloß eine Bewegung der Jugend bleiben. Darüber, wie wir in Zukunft leben wollen, müssen alle Altersgruppen miteinander diskutieren.«

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Und wie soll das gehen, wenn die Jungen allen Institutionen aus dem Weg gehen? Warum treten sie nicht beispielsweise bei Attac ein? »Nicht schlecht«, meint Justus, »aber nicht eindeutig systemkritisch.« Drücken sich die neuen Spontis nicht vor der oft quälenden Kompromisssuche in jener Demokratie, die zu verteidigen sie sich anmaßen? Das bestreitet Lena energisch: »Gequält haben wir uns auch. Wir entscheiden alles basisdemokratisch.« Und warum versuchen politische junge Leute nicht, die Parteien von innen heraus zu verändern? »Eine berechtigte Frage«, meint Justus. »Aber zurzeit geht Veränderung nur von außen.« Und Johannes meint: »In den Parteien werden wichtige Entscheidungen doch gar nicht mehr unten getroffen. Wir wollen, dass uns mehr zugemutet wird.«

Auf die Zumutung in umgekehrter Richtung, im Bundestag, reagierten viele Abgeordnete empört, nicht nur aus politischen Gründen; die eingesprungene vermeintliche Guerilla hatte ihnen schlicht einen gehörigen Schrecken eingejagt. In den Reihen der linken Parteien habe er allerdings, behauptet Johannes, auch »einzelne aufmunternde Blicke« gesehen.

 
Leser-Kommentare
    • keox
    • 14.05.2007 um 9:56 Uhr

    "Aber all diese Themen sind doch längst in Angriff genommen: Die Große Koalition kämpft für den Klimaschutz, die Bundeskanzlerin will gerechtere Regeln für die Globalisierung; rennt die Jugend nicht weit geöffnete Türen ein?"

    gibt es in den aufsichtsräten auch zeit-autoren?

  1. Ich bin sehr froh, dass "die jungen Leute" endlich etwas unternehmen, wenigstens in Berlin! Und ihr Aufgebrachtsein verstehe ich nur zu gut. Jetzt fühle ich mich nicht mehr so allein ;-) mit meinen stillen Beobachtungen und habe nicht mehr nur den Eindruck, ich wäre halt einfach in die falsche Zeit hineingeboren.
    Sehr ähnliche Gedanken wie Lena und Johannes habe ich schon sehr oft gehabt ohne sie zu äußern. Und vereinzelte Zeitgenossen von mir ebenfalls.
    Egozentriertheit, unpolitisch sein, keine Zeitung lesen (oder diese lesen für den Lebenslauf...), lächerlicherweise mit 20 Jahren nur an "die Karriere" und den Lebenslauf denken, von Einzelkämpfergesellschaft faseln, bei dem ganzen inneren Druck nervöse Verhaltensstörungen entwickeln ohne es zu bemerken, nicht mehr nachdenken ... all das (und noch viel mehr...) begegnet einem regelmäßig im universitären Alltag. Es wird für den Lebenslauf studiert und gelebt, nicht, weil die Inhalte begeistern, weil es Spaß macht, etwas zu erfahren, zu entdecken, zu lernen. Schneller als der Kommilitone, besser als der Kommilitone, das ist, worauf es ankommt. Wofür früher evtl. mal nur angehende Rechtswissenschaftler traurig bekannt waren, gibt es scheinbar nun auch häufiger in anderen Studiengängen.
    Die Shell-Studie hat ja all dies schon aufgedeckt. :-)

    • Anonym
    • 14.05.2007 um 16:19 Uhr

    die jetzige Bundesregierung. Aber wenn die mächtign Staaten wie USA, China u.a. nicht bereit sind, Umweltschutz zu betreiben, wird sich nichts ändern. Die jüngsten Umweltschutzverträge hat Umweltminister Gabriel nicht unterzeichnet, weil sie ein Rückschritt bedeuten.

    Also der Fortschritt in Sachen Umwelt (Wirtschaft) lässt noch auf sich warten. Solche studentischen Aktionen können ein wenig Aufmerksamkeit auf das Thema lenken, aber Auswirkungen auf politische entscheidungen haben sie leider nicht.

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