Eigentlich fehlen Sigmar Gabriel nur drei Dinge zur Kanzlerkandidatur: Zeit, Erfolg und Popularität. Das klingt vielleicht schlimmer, als es ist. Zeit vergeht bekanntlich von allein, und je hartnäckiger Kurt Beck darauf beharrt, die SPD im Jahr 2009 ins Gefecht zu führen, umso besser für Gabriel. Zum einen ist dann bei der darauffolgenden Bundestagswahl der Job des SPD-Kanzlerkandidaten mit einiger Sicherheit wieder frei. Zum anderen wird Gabriel 2013 immerhin 54 Jahre alt und ist damit selbst nach den Maßstäben der SPD kein Nachwuchspolitiker mehr. Damit wäre ein wesentliches Handicap beseitigt, das den Bundesumweltminister begleitet, seit er mit Anfang 40 einmal als Kurzzeit-Ministerpräsident von Niedersachsen gescheitert ist.

Zur zweiten Kandidatenzutat, dem Erfolg, hat Gabriel ein denkbar sozialdemokratisches Verhältnis: Erfolg kommt von Arbeit, glaubt der Sohn einer alleinerziehenden Krankenschwester. Bisher ist er damit nicht schlecht gefahren. An Erfolgen hat es Gabriel so richtig nur einmal gemangelt, am Ende seiner kurzen Zeit als Schröder-Erbe in Hannover. Leider waren gerade da die Landtagswahlen. Dank Protektion durch Vizekanzler Müntefering verfügt der Niedersachse aber jetzt über ein Berliner Ministerium, aus dem er herausholt, was er kann: Der Umweltminister tritt gleichzeitig auf als Wirtschaftsminister (Öko-Hightech!) und Heimatschutzminister (Tod dem Klimatod!). Aber kann ein Umweltminister Kanzler werden? Das haben sie Angela Merkel auch immer gefragt.

Die schwierigste Beziehung hat Sigmar Gabriel zur Popularität.

Irgendwie bekommt er immer zu viel oder zu wenig davon ab und beides ist politisch unbekömmlich. Kein Amt hat ihn so bekannt gemacht wie das des »Popbeauftragten der SPD« und es kostete ihn Jahre, seinen Ruf als »Siggy Pop« wieder loszuwerden. Trotzdem fiel Gabriel auch bei seiner Liaison mit Knut, dem Eisbären, prompt dem populärpolitischen Jo-Jo-Effekt zum Opfer. Gerade hat der Umweltminister die Patenschaft für den Berliner ZooZögling übernommen, da befindet sich Knut bereits wieder auf dem Abstieg in die Welt der Trash-Symbole.

Kann man sich von einem Eisbären scheiden lassen?