Wer in die Geburtskirche zu Bethlehem will, muss sich klein machen. Die winzige Pforte wurde einst von den Kreuzfahrern verkleinert, um die Basilika besser verteidigen zu können. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier passt gebückt so gerade noch durch und schon hat seine siebte Nahost-Reise ein passendes Bild: Wer sich in die religiös aufgeladenen Konflikte dieses Teils der Welt einmischen will, übt sich besser gleich in Demut.

Auf dem Platz vor der Geburtskirche haben sich ein paar erregte Demonstranten unter einem Plakat versammelt, auf dem in Arabisch und Englisch zu lesen steht, wer die Stadtverwaltung Bethlehems boykottiere, sei in der Geburtsstadt Jesu nicht willkommen. Der Bürgermeister der Stadt hatte vergeblich auf einen Händedruck des Außenministers vor der Kirche gehofft. Er steht der »Volksfront zur Befreiung Palästinas« (PFLP) nahe, die der EU als Terrororganisation gilt. Der verweigerte Händedruck wird in arabischen Medien empört zum »Boykott« aufgeblasen.

Boykott? In Wahrheit versucht Steinmeier, jenen Teilen der palästinensischen Regierung aus der Isolation herauszuhelfen, die für einen Gewaltverzicht und die Anerkennung Israels stehen. Angela Merkel hatte bei ihrem Besuch vor einem Monat noch jeden Kontakt mit der nationalen Einheitsregierung aus Fatah und Hamas gemieden. Steinmeier trifft als erstes Mitglied der Bundesregierung mit moderaten Regierungsmitgliedern zusammen mit dem parteilosen Finanzminister Salam Fajad, der ebenfalls parteilosen Tourismus-Ministerin Khouloud Daibes, dem Informationsminister Mustafa Barghouti, dem Außenminister Said Abu Amr und schließlich mit dem Präsidenten Mahmud Abbas.

Hinter diesem vorsichtigen Politikwechsel der Europäer Steinmeier vertritt hier auch die Ratspräsidentschaft steht die Einsicht, dass politische Isolation am Ende den islamistischen Radikalen in Hamas und Fatah hilft, weil sie die Handlungsmöglichkeiten von Mahmud Abbas einschränkt. Mit dem Finanzminister Fajad werde derzeit darüber verhandelt, so Steinmeier, die EU-Finanzhilfen an die Palästinenser wieder für Investitionen und öffentliche Gehälter freizugeben. Nach dem Hamas-Triumph bei den letzten Wahlen hatte Europa sich auf humanitäre Hilfe beschränkt. Steinmeier ist gekommen, um eine hilflose Politik zu beenden, die das wachsende Elend in den palästinensischen Gebieten alimentiert und gleichzeitig die Regierung politisch schwächt.

Steinmeier trifft Fajad in Bethlehem, im traumhaft schönen, aber menschenleeren Hotel Jacir Palace. Es liegt nur wenige Schritte von dem Sperrwall entfernt, der die palästinensischen Gebiete einschließt.

Hier mit der gesamten Delegation zu übernachten statt wie üblich in Jerusalem ist ganz ohne große Worte eine bewegende Geste für die zunehmend verelendenden Bewohner des Westjordanlandes. Die gespielte Aufregung um den Bürgermeister ist denn auch schnell vergessen. Dass der deutsche Außenminister in dem Geisterhotel absteigt sechs Prozent Auslastung sind hier sonst üblich , als wäre es schlichte Normalität, wird ihm so schnell nicht vergessen werden.

Steinmeier reiste schon nach Syrien, als die USA das noch für verrückt hielten.