Wachstum Wo Deutschland wächst
Mehr Gewinne, mehr Jobs, mehr Steuern: Die Bundesrepublik im Aufschwung. Was hat die Wende gebracht? Eine Suche nach alten und neuen Stärken im Land
Dieser Aufschwung ist fast zu gut, um wahr zu sein. Die deutsche Wirtschaft wächst schon im zweiten Jahr um 2,5 Prozent oder mehr, und die Prognostiker schieben das Ende der Entwicklung ein ums andere Mal weiter in die Zukunft. Bald könnte die Zahl der zusätzlichen Jobs eine Million erreichen – mehr als 800.000 sind es im Vergleich zum Vorjahr schon jetzt. Kein Wunder, dass der Staat Steuern einnimmt wie noch nie – bis zum Jahr 2011 sollen es nun 200 Milliarden Euro mehr sein als vorab veranschlagt.
Noch aber ist dieser Aufschwung auch nicht gut genug, um wahr zu sein. Seit Beginn des Jahrzehnts sind die Nettolöhne der Kaufkraft nach nicht gestiegen, und die Rentner mussten Abschläge hinnehmen; der Niedriglohnsektor rückt in den Blick der Öffentlichkeit, und die Einkommensdifferenzen wachsen. Die Mehrheit der Deutschen gibt an, den Aufschwung nicht zu spüren.
Es ist ein besonderer Aufschwung. Keinen haben sich die Deutschen in den vergangenen Jahrzehnten mehr verdient. In vielen Betrieben leisten die Angestellten mehr fürs gleiche Geld oder gar für weniger. Nur so konnte die deutsche Wirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit drastisch steigern. In keinem Industrieland sind die Lohnkosten, gemessen an der Wirtschaftsleistung, seit dem Jahr 2000 so deutlich gesunken wie zwischen Rhein und Oder. Mehr noch: Während die Deutschen fast ein Zehntel einsparten, stiegen die Kosten in den meisten Konkurrenzländern.
»There is no such thing as a free lunch«, sagte der verstorbene Ökonom Milton Friedman aus den USA: Es gibt nichts umsonst. Auch dass Deutschland anscheinend weniger Wachstum braucht als früher, um Jobs zu schaffen und die Arbeitslosigkeit zu vermindern – auch das bedarf besonderer Anstrengung. Die rot-grünen Arbeitsmarktreformen führen dazu, dass Hilfeempfänger recht schnell Jobs annehmen, die sie zuvor nicht wahrgenommen hätten. Und mit teils schon durchgesetzten und teils noch geplanten Steuersenkungen schiebt sich das Land in der internationalen Konkurrenz um Investitionen weiter nach vorn.
Bei der Suche nach den ökonomischen Stärken stößt man auf einen enormen Leistungswillen, den viele schon im Freizeitpark Deutschland begraben sahen. Man findet alte Tugenden wieder: den Konsens in Betrieben, in denen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam die Effizienz steigern. Oder dies: Viele Produzenten, von Maschinenbauern bis zu Medizintechnikfirmen, genießen international den Ruf, besondere Qualität zu liefern. Das entspricht dem Selbstverständnis hiesiger Ingenieure und mittelständischer Unternehmer. Auch dass deutsche Firmen Pioniere der Umwelttechnik sind, macht sich nun wieder vermehrt bezahlt – der Weltkonjunktur und der Klimadebatte sei es gedankt.
Einmal auf der Suche, lassen sich neben den alten neue Stärken entdecken. Unternehmerische Initiative in Ostdeutschland etwa. Oder die Tatsache, dass viele Ausländer hierzulande Firmen aufbauen. Sie kommen nicht mehr nur aus einer Handvoll westeuropäischer Länder, sondern vielfach aus der Türkei, aus Polen oder Fernost.
Mehr Jugendliche öffnen sich der Ökonomie. Sie wählen das Fach Wirtschaft in der Schule, werden selbst Aktionäre oder gründen vermehrt eigene Schülerunternehmen.
Im Land wächst auch die Bereitschaft zum sozialen Engagement. Mit ihren Initiativen knüpfen die Bürger ein zusätzliches Netz und schaffen neue Werte.
Damit dieser Aufschwung zum Aufschwung der großen Mehrheit wird, muss er nach fünf Jahren Stagnation vor allem eines: andauern. Nur dann können Zeitarbeiter, deren Zahl besonders schnell gestiegen ist, auf den Sprung in die Betriebe hoffen. Dann können die Arbeitnehmer wieder einen größeren Anteil des Volkseinkommens erreichen. Und dann haben Reformpolitiker die Möglichkeit, mehr Chancengleichheit zu schaffen.
Uwe Jean Heuser
- Datum 02.07.2007 - 03:16 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 10.05.2007 Nr. 20
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"Seit Beginn des Jahrzehnts sind die Nettolöhne der Kaufkraft nach nicht gestiegen..."
"In vielen Betrieben leisten die Angestellten mehr fürs gleiche Geld oder gar für weniger. Nur so konnte die deutsche Wirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit drastisch steigern."
"Bei der Suche nach den ökonomischen Stärken stößt man auf einen enormen Leistungswillen, den viele schon im Freizeitpark Deutschland begraben sahen."
gepriesen sei das schröder'sche lohnsenkungsprojekt, das umverteilungsprojekt von unten nach oben, das gesellenstück von rot-grün.
nun, schröder ist mittlerweile aus dem gröbsten raus, es wird sich auch für den schäbigen rest bezahlt machen.
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