Auf dem Bild streckt er Polizisten seinen Mittelfinger entgegen, auf einem anderen hält er einen Gegenstand in der Hand und holt zum Wurf aus. Die Fotos eines jungen Berliners mit perfekt gestyltem Irokesenschnitt wurden nach dem 1. Mai vielfach abgedruckt, weil die Krawalle in Kreuzberg sonst nicht viel hergaben. Normalerweise steht er aber nicht zufällig, sondern professionell vor der Kamera. Maxe, 21 Jahre alt, arbeitet als Miet-Punk für Werbespots und Filmproduktionen.

Bei der Berliner Agentur autseider wird er unter der Model-Nummer 220 geführt: 1,92 Meter groß, 80 Kilogramm schwer, die Haarfarbe wird mit »braun/bunt« beschrieben. Die Agentur hat sich auf »vermeintliche Randgruppentypen« spezialisiert: Ganzkörpertätowierte, Gruftis, Punks.

»Das Leben darf ihnen im Gesicht stehen«, sagt Agenturchefin Diana Briant. Riesennasen oder abstehende Ohren erhöhen die Chance auf eine Set-Card. Die Freak-Models sind begehrt: Briant hat gerade eine Filiale in Köln aufgemacht. Maxe ist unter den autseidern einer der Stars, wurde für Produktionen mit Eva Padberg gebucht und für ein Musikvideo der Teenie-Band Killerpilze. » Ich kenne ihn nur zuverlässig und freundlich«, sagt Briant, »er ist jederzeit wieder bei mir willkommen.« Seit dem 1. Mai hätte sie ihn bereits zweimal vermitteln können doch Maxe sitzt noch in Untersuchungshaft.