Es ist eine Kapitulation der europäischen Industrie. Neuerdings wünscht sich nicht nur der Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee eine »öffentlich finanzierte Aufbauphase« für das europäische Weltraum-Großprojekt Galileo – sondern auch der Geschäftsführer des deutschen Galileo-Gesellschafters TeleOp. Sprich: Das Netz aus 30 Satelliten, die bald um die Erde kreisen und das amerikanische Ortungssystem GPS ersetzen sollen, wird nicht wie geplant als öffentlich-private Partnerschaft realisiert. Zumindest nicht zu Beginn. So sollen sie aussehen, die Galileo-Satelliten. Ob sie auch fliegen werden? BILD

Wenigstens ist das mal ein klares Wort. Die acht Gesellschafter, darunter auch EADS, wissen nicht, ob es einen ausreichend großen kommerziellen Markt für das 3,5-Milliarden-Euro-Projekt gibt, von dem sie bislang zwei Drittel finanzieren sollten. Das amerikanische GPS kann schließlich von jedermann kostenlos genutzt werden, es wurde als militärisches Projekt entwickelt. Das Grundangebot von Galileo muss also auch umsonst sein, während die Zusatzdienste – mehr Details, mehr Zuverlässigkeit, wie Schiffsführer und Flugzeugkapitäne sie sich wünschen – etwas kosten.

Trotzdem gilt es jetzt, das Galileo-Projekt zu retten. Es geht nicht nur darum, ob Galileo den Logistikmarkt beliefern kann oder nicht. Es geht um Europa als Innovationsstandort. Darum, nicht den Anschluss in der Weltraumforschung zu verlieren, und um Unabhängigkeit von den USA. Die könnten ihre Satelliten ja eines Tages abstellen. Europas Staatschefs sollte dieses Anliegen 2,3 Milliarden Euro zusätzlicher Steuermittel wert sein. Wenn dann die Betriebsphase beginnt, kann man mit der Industrie sicher wieder über eine Partnerschaft reden.

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