»Der Steppenwolf« und »Siddharta« waren noch nicht geschrieben, als Hermann Hesse sein anderes Talent entdeckte. Dank eines Arztes, der ihn, den schwer Depressiven, durch eine Maltherapie zu heilen hoffte. Was als gesundheitsfördernde Maßnahme begann, wurde bald zur dringend notwendigen Einnahmequelle und zur großen Leidenschaft. Hermann Hesse – Dichter & Maler heißt eine Ausstellung im Wiener Leopold Museum, die sich mit beiden Begabungen befasst, das Hauptaugenmerk aber auf Hesses weit weniger bekannte Seite als Maler richtet. Zu sehen sind illustrierte Handschriften, Briefe, Gedichte und rund hundert Aquarelle. In den ab 1919 im Tessin entstandenen Bildern findet sich keine Spur mehr von Hoffnungslosigkeit. Im Gegenteil: Die Landschaft inspirierte Hesse und ließ ihn Farben von fast explosiver Kraft verwenden – feurige Rot- und Orangetöne, saftiges Grün, sonnenwarmes Gelb. »Nicht dass ich mich für einen Maler hielte«, sagte der Künstler einmal nicht ohne Koketterie, »aber das Malen ist wunderschön.« Das Ergebnis auch.
B.W.
"Vero Arasio", gemalt 1925 BILD

Bis 3. Juni. Täglich 10 bis 18, Do bis 21 Uhr, Eintritt 9 Euro. Auskunft: Tel. 0043-1/525700, www.leopoldmuseum.org , ab 15. Juli im Kulturforum Bad Mergentheim, www.bad-mergentheim.de