Raumfahrt Kein Taxi ins AllSeite 2/2
»Bindende Verträge gibt es bei solchen Raumfahrtprojekten nie«, sagt Thomas Galinski, der zuständige Abteilungsleiter beim DLR. Grundlage der Milliardeninvestitionen in Columbus und AMS waren Absichtserklärungen der Nasa, die Geräte »nach bestem Vermögen« in die Erdumlaufbahn zu transportieren. Die Ursache ihres derzeitigen Unvermögens hat weniger technische als politische Gründe. Präsident George W. Bush hatte Anfang 2004 den Mond und anschließend den Mars als Ziel der amerikanischen Raumfahrt ausgerufen. Um das nötige Geld dafür freizuschaufeln, wurde das Ende der Shuttle-Flüge für 2010 beschlossen – und damit auch das der amerikanischen Mitarbeit an Aufbau und Versorgung der Raumstation ISS.
Pikant ist, dass es praktisch keine Alternative zum Spaceshuttle gibt. Das AMS ist nämlich nicht als eigenständiger Satellit geplant und gebaut worden, sondern als angedocktes Großgerät an der Außenseite der ISS. Für den hohen Strombedarf des supraleitenden Magneten und die Übertragung der gewaltigen Menge an Messdaten ist der Teilchendetektor auf die Infrastruktur der Raumstation angewiesen. Die ISS kann zwar auch mit einer russischen Proton-Rakete und demnächst sogar mit europäischen und japanischen Trägern beliefert werden. Aber das Gewicht und die Ausmaße des AMS sind für die Raketenköpfe zu groß.
»Im AMS-Team wurden schon Pläne für die Umrüstung des Experiments zu einem frei fliegenden Satelliten entworfen«, sagt Wim de Boer vom Karlsruher Institut für experimentelle Kernphysik. Theoretisch sei das möglich, und die chinesischen Kollegen hätten sogar eine günstige Startmöglichkeit auf ihrer Rakete Langer Marsch angeboten. Praktisch kommt dieser Ausweg aber nicht infrage – weniger aus technischen als aus juristischen Gründen. Die strikten Richtlinien der USA zur Exportkontrolle machen die Übergabe des Satelliten samt aller speziell entwickelten Materialien und Elektronik an die chinesischen Partner unmöglich.
AMS-Projektleiter Samuel Ting weist denn auch alle Spekulationen über eine Alternative zum Shuttletransport entschieden zurück. »Die amerikanische Regierung schuldet uns einen Flug, sonst niemand«, ließ er aus Genf mitteilen. Sein Ärger ist dabei kaum zu überhören. Schließlich hatte sich die Nasa mehrfach mit dem Forschungsprojekt des Nobelpreisträgers gebrüstet und schon 1998 einen Gerätetest an Bord der Raumfähre als »ersten Flug eines hochempfindlichen Teilchendetektors ins All« gefeiert.
Die Sorgen der AMS-Entwickler sind symptomatisch für das gestörte Verhältnis der amerikanischen Raumfahrtagentur zu ihren internationalen Kooperationspartnern. Die Forscher setzen ihre Hoffnungen nun auf einen Wechsel in der amerikanischen Politik. Die Chancen stehen nicht schlecht: Wenn der Teilchendetektor Ende 2008 am Kennedy Space Center in Florida abgeliefert wird, läuft auch die Amtsperiode von Präsident Bush aus.
Information im Internet
Alpha Magnetic Spectrometer (AMS)
»
Offizielle Liste der Nasa mit allen noch vorgesehenen Shuttle-Flügen
»
- Datum 13.05.2007 - 14:22 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.05.2007 Nr. 20
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