Die Zukunft ist schwarz-gelb. Sie kommt aus Polen und rollt durch Dresden. Mit leisem Zischen fährt der Gelenkbus an der Haltestelle Prager Straße vor. Er bedient hier die Linie 82, die unten in Johannstadt an der Elbe beginnt. Sie führt durch die City, dann das Elbtal hinauf nach Plauen zur Endstation Dölzschen. An den Fenstern prangt in großen Lettern die Aufschrift »Hybrid«, darüber: Solaris Urbino 18. Bergab jault er, und bergauf ist die Batterie schnell leer: Der Dresdner Hybridbus mit polnischer Karosse und amerikanischem Herzen BILD

Als »umweltfreundlich und ökonomisch« preisen die Dresdner Verkehrsbetriebe ihr modernstes Vehikel. Es stammt von dem jungen Hersteller Solaris mit Sitz in Bolechowo bei Posen. Die Dresdner sind stolz, »Europas ersten Serienhybridbus« zu testen. Er ist zwar teuer, soll aber viel Sprit sparen, den Schadstoffausstoß deutlich reduzieren – und leise sein: »fast wie ein Pkw«.

Steigen wir also ein und fahren mit. Still setzt sich der Lindwurm in Bewegung. Große Fenster und stoffbezogene Sitze sorgen für ein helles, entspanntes Ambiente. Achtzehn Meter liegen im Urbino 18 zwischen Hinterbank und Fahrer, dazwischen die wankende Ziehharmonika des Drehgelenks.

Im Rücken des Fahrers fällt eine rechteckige Kiste auf. Darin könnte man locker drei Hünen begraben. Hier fristen unruhige Geister ihr Dasein: Sie jaulen, rasseln und rumoren, als durchliefen sie ein Fegefeuer. Bei Stillstand herrscht gedämpftes Brummen. Mit steigender Geschwindigkeit nimmt das Getöse zu, besonders belastend scheinen lange Bergabfahrten zu sein, dann jault es erbärmlich im Hünengrab.

Bremsen verwandeln Energie in Hitze und Staub. Anders der Elektromotor

»Besonders leise isser nisch«, bestätigt der Busfahrer. Er ist Gedröhn gewohnt. Den neuen Hybrid findet er toll. »Läuft super und fährt sich einfach. Ein Tag Einweisung, das war’s.« Stolz weist er auf die Tankanzeige, die steht fast auf viertelvoll. »Im normalen Bus müsste ich bald schon auftanken.« An der Endstation dreht er sich halb aus dem Sitz und deutet mit dem Fuß auf das Bremspedal. »Das brauch ich fast nicht mehr.«

Genau hier liegt die Stärke der Hybride. »Hybrid« heißt zwittrig, ihr Antrieb umfasst einen Verbrennungsmotor und Elektromotoren. Letztere können beschleunigen und bremsen. Beim Verzögern wird ein E-Motor zum Dynamo, getrieben von den Rädern. Der Hybridbus produziert dann Strom, tausendmal so viel wie ein Fahrraddynamo. Der Strom fließt in die Batterie – und beim Anfahren wieder zurück. Dann wird er verbraucht, zum Antreiben des E-Motors.

Das genial einfache Hybridprinzip erfreut sich im Pkw-Bereich wachsender Nachfrage. Toyota feiert damit Verkaufserfolge, vor allem in den Städten der USA. Kein Wunder, dort sind Fahrzeuge eher Stehzeuge im Stop-and-go-Verkehr, ideal für Hybride! Bremsen und Anfahren bedeutet dann: Strom rein, Strom raus. Gewöhnliche Bremsen hingegen verwandeln wertvolle Bewegungsenergie mit reibenden Klötzen in Hitze und Staub. Das beherrschten bereits die alten Römer. Inzwischen hat fast jeder eine Karre, es drohen Klimawandel, Ölmangel und Emissionen – höchste Zeit, die antike Reibetechnik durch schlaue Elektrodynamik zu ersetzen.

»Was im Pkw funktioniert, müssten wir doch auch im Bus hinkriegen«, sagte sich Uwe Weich, bei den Dresdner Verkehrsbetrieben Leiter des Kraftfahrzeugzentrums. Er kennt den deutsch sprechenden Chef von Solaris persönlich. Der habe ihm spontan geantwortet: »Das wollt ich schon immer ausprobieren.« Bald rollte der Urbino durch Dresden. Mit polnischer Karosse. Mit amerikanischem Herzen.