Sieben Fragen an 1968 Haben die 68er die Familie zerstört?Seite 2/2

Aber Geschichte ist listig, und deshalb gibt es auch gute Nachrichten. Vom geilen WG-Gefühl ist heute zu hören – von großen Kindern, die sich gern bei ihren Eltern einrichten. So viel Lockerheit war nie. Und eine CDU-Ministerin hat sogar Wohnexperimente für die Zukunft angesagt, sie nennt es noch ein wenig unbeholfen: Mehrgenerationenhäuser. Also für alte Träume jedenfalls gilt – vollkommen unzerstörbar! Susanne Mayer

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Danke!

    Treffender hätte man die heuchlerische Verlogenheit unserer Neukonservativen kaum enthüllen können, als mit dem unverblümten Hinweis auf die selbsternannten Schutzherren der deutschen Familie und deren mörderisches Ende. Dieses Zitat gehört auf alle Buchumschläge von Eva Hermann.

  2. auch wenn ich in einem punkt abweiche, nicht zuletzt da die live-version von "young man's blues" der who live at leeds sich regelmäßig in meine playlists verirrt: früher war ein junger mensch nichts, heute ist er alles. das ist - bevor dieser zustand motto einer vielfalt von industriezweigen wurde, ergebnis dessen, was man gerne mit "antiautoritärer erziehung" etikettiet - bevor man es in das kerbholz der 68er schnitzt.

    war diese veränderung zunächst das logische resultat der wahrnehmung von kindern als zu respektierende individuen, ist sie heute ja die basis der zunehmenden infantilisierung der gesellschaft [es gibt da einen wirklich köstlchen podcast im dlf, abteilung politisches feuilleton zum thema] - gemündet ist dieser respekt ja letztlich in den moment, in dem das kind beklagt, daß alle anderen in der klasse "nike"-schuhe tragen - und nicht, wie zu hoffen in einem gereiften selbst-respekt der nachfolgenden generationen.

    "respekt, alda!" ist zwar eine durchaus gängige formel, aber unglücklicherweise kommt sie in der regel aus dem mund von couchpotatoes, die im haus der eltern mit 22 ihre wut auf die ungerechtigkeit in der welt an hilflosen pixeln auslassen. als passender soundtrack dazu goldkettchenbewehrte revoluzzer, die mit dem mund maschinengewehre in richtung polizei entleeren. halt die art von kids, die überlegt, ob sie demnächst mal in ihrer alten schule vorbeischauen sollten.

    über die frage, ob dies das ergebnis der "antiautoritären erziehung" oder einer systematischen gehirnwäsche durch waschmittelverkäufer, die sich ab und an den spaß erlauben, den werbeblock durch eine soap oder einen "äkkschn-fuim" zu unterbrechen, läßt sich sicher streiten.

    aber darüber, daß sich seither das verhältnis zwischen jung und alt radikal verändert hat, wahrscheinlich weniger.

    trotzdem, vielen danke für den geistreichen artikel!

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