Globalisierung Maos ErfolgsrezeptSeite 2/2

Chinas Eisenbahnpläne sind nicht weniger ambitioniert, schon weil die Bahn das umweltverträglichste Verkehrsmittel ist. So sieht der neue Fünfjahresplan eines der größten Schienenbau-Projekte aller Zeiten vor. 17000 Streckenkilometer sollen bis 2011 dem bestehenden Netz hinzugefügt werden – das entspricht knapp der Hälfte des deutschen Schienennetzes.

Dafür stellt die Zentralregierung seit 2006 jährlich zwei Milliarden Euro zur Verfügung, doppelt so viel wie in den Jahren zuvor. Der australische Ingenieur Richard Bullock, ein ehemaliger Eisenbahnberater der Europäischen Zentralbank, hat in seinem Pekinger Büro eine chinesische Landkarte ausgebreitet, auf der alle neuen Schienenprojekte bis 2011 eingezeichnet sind. Er zeigt auf eine rote Linie zwischen Peking und Hongkong. »Diese Hochgeschwindigkeitstrasse ist länger als alle in Japan«, sagt Bullock. Er zeigt auf eine zweite rote Linie zwischen Peking und Shanghai. »Und diese ist länger als alle TGV-Trassen in Frankreich.«

Die Infrastruktur wächst – ihre dunkle Seite auch, wie sich in Pingxiang zeigt. Was nützt der Stadt die neue Autobahn mit noch mehr Verkehr, wenn sie die horrende Luftverschmutzung und die Vergiftung des nahen Liuyang-Flusses nicht in den Griff kriegt? Pingxiang zählt schon heute zu den zehn verschmutztesten Städten Chinas.

Inoffizielle Schätzungen des chinesischen Umweltministeriums besagen, dass die ökologischen Folgekosten schon zehn Prozent des Wachstums auffressen. Hauptprobleme sind Wassermangel und Wasserverschmutzung. Überhaupt werden nur 56 Prozent aller städtischen Abwässer geklärt.

Auch gegen dieses Problem sind Infrastrukturprojekte in Arbeit, sie werden mit der gewohnten Effizienz umgesetzt. Aber mit Wasser ist es wie mit Energie: Sparen wäre das sinnvollste Konzept. Besonders in Chinas Norden, wo die Intensivierung der Landwirtschaft, die Ausdehnung der Wüsten und Industrien wie Kohle, Zement und Papier den Wassermangel schaffen. Was tun Chinas Planer dagegen? Sie haben das größte Wasserumleitungsprojekt der Weltgeschichte angestoßen – den dreifachen Kanalbau zwischen Jangtse im Süden und dem Gelben Fluss im Norden.

Die Idee stammt noch von Mao. Die Bauarbeiten haben 2002 begonnen.

 
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