Diskothek Der neue TresorSeite 3/3
ZEIT: Von Subkultur kann da nicht mehr die Rede sein.
Hegemann: Es kommt auf die Perspektive an. Die Berliner Subkultur ist sehr vielschichtig. Wenn man ihr ein großes Forum bieten will, braucht man einen großen Raum, und zwar nicht in der Pampa, sondern mitten im Herzen der Stadt. So ein Raum ist naturgemäß »kommerziell«, aber immer noch was anderes als eine städtische Kultureinrichtung wie der Hamburger Bahnhof.
ZEIT: Welches Publikum wünschen Sie sich für den Tresor?
Hegemann: Unser Publikum wird wieder zwischen 20 und 24 sein, denn mit älteren Semestern können Sie in Berlin dauerhaft kein Geld verdienen. Es gibt immer wieder welche, die es versuchen, zuletzt die Betreiber des Goya in Schöneberg, das schon wieder geschlossen ist. Ab Mitte 30 gehen die Leute vielleicht noch zweimal im Monat tanzen, und dann wollen sie nicht nur Gleichaltrige sehen. Ohne die Kids geht es nicht.
ZEIT: Sie sind 52 Jahre alt, wie lange halten Sie noch durch?
Hegemann: Meine ehemalige Freundin hat gesagt, ich solle jetzt mal langsam an meine Lebensrestzeitplanung denken. Und das mache ich auch. Nicht jeder ist Iggy Pop. Irgendwann wird die Geschichte mit mir und dem Tresor zu Ende gehen. Ich werde ihn noch eine Zeit lang begleiten, dann werden das andere tun. Und ich gehe zurück aufs Land. Tresor ist eine Marke geworden, die von alleine funktioniert. Sie steht für Berlin, für die Ruine und ekstatische Musik, Aufbruch und Jugend. Der Tresor ist ein Schutzraum für ein ganz bestimmtes Lebensgefühl. Und dieser Geist lebt ewig.
Interview: Christiane Rösinger, Stefanie Flamm
Mehr Berliner Clubs, die einen Besuch wert sind:
Berghain-Panoramabar
(Am Wriezener Bahnhof, Mitte/
Friedrichshain,
www.berghain.de
): Zurzeit der beliebteste Club Berlins,
junge Menschen aus ganz Europa tanzen bis in die Mittagsstunden. Harter
Techno, kühle Ästhetik, strenge Türpolitik und das freundlichste
Partyvolk der Stadt
Cookies
(Fiedrichstraße/Unter den Linden, Mitte,
www.cookies.ch
): Schon mehrmals ist das Cookies umgezogen und dabei
immer größer und eleganter geworden, nun ist es im ehemaligen
französischen Kulturinstitut gelandet. Unerbittliche Türpolitik,
gepflegte, amüsierwillige Menschen ab 30
Maria
(An der Schillingbrücke, Mitte/ Friedrichshain,
www.clubmaria.de
): Auch nach dem Umzug vom Ostbahnhof an die Spree
blieb Maria weniger schick als andere Berliner Clubs. Das Programm,
eine Mischung aus ambitionierter elektronischer Musik und dumpfem
Techno, zieht kunstinteressierte Spezialisten und erlebnishungrige
Jugendliche aus dem Umland an
RIO
(Chausseestraße 106, Mitte,
www.rioberlin.de
): Ausgehen
in Berlin wie es früher war. Über verlotterte Hinterhöfe und
halsbrecherische Treppen kommt man in die gekachelten Räume, in denen
sich die Berliner Elektroclash-Szene um ihre Hauptfigur, die kanadische
Sängerin Peaches, schart
Sage Club
(Köpenicker Straße, im U-Bahnhof
Heinrich-Heine-Straße, Mitte,
www.sage-berlin.de
): Der aufwendig
eingerichtete Club mit Außenpool ist keiner Musikrichtung verpflichtet.
Von Rock über Techhouse, Funk, Soul bis Hip-Hop wird alles gespielt
Watergate
(Falckensteinstraße 49, Kreuzberg,
www.water-gate.de
): Elegante Einrichtung im Stil der frühen sechziger
Jahre, junges Publikum, das sich gerne schick macht. Die untere
Tanzfläche bietet einen großartigen Blick auf die Spree. Musikalisch
liegt der Schwerpunkt auf minimalistischem Drum ’n’ Bass
Weekend
(Alexanderplatz 5, Mitte,
www.week-end-berlin.de
): Im
zwölften Stock des ehemaligen Hauses des Lehrers treffen sich
Schauspieler und aufstrebende junge Menschen aus der Werbebranche. Es
läuft die Musik, die gerade angesagt ist
103
(Falckensteinstraße 47, Kreuzberg,
www.103club.de
): Der
Name des Clubs war Anfang der neunziger Jahre seine Adresse,
Friedrichstraße 103. Mit den Jahren wurde die Türpolitik liberaler, das
Publikum jünger, das Programm abwechslungsreicher. Rhythmischer
Breakbeat und regelmäßige Livekonzerte
- Datum 23.05.2007 - 05:54 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 17.05.2007 Nr. 21
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