Austausch Ungleiche Freundschaft
Von der ungewöhnlich engen Wissenschaftskooperation zwischen China und Deutschland profitieren vor allem die Chinesen
Siegfried, tatsächlich Siegfried. So steht es auf seiner Visitenkarte: Wu Siegfried Zhiqiang. »Ich bin wohl der Einzige in ganz China, der so heißt«, sagt er und grinst. Wu ist Chefplaner der Expo 2010 in Shanghai und Professor für Städtebau. Vor allem aber ist er ein Liebhaber alles Deutschen. Deshalb sein Name, deshalb sein Job als Dekan an der Tongji-Universität.
Die Hochschule in Shanghai ist das Vorzeigebeispiel deutsch-chinesischer Wissenschaftskooperation. 55 Partnerschaftsprojekte mit deutschen Hochschulen zählt die Tongji, Dutzende ihrer Wissenschaftler kennen Heidelberg, Aachen oder Berlin von Forschungsaufenthalten. Viele Studenten lernen Deutsch als zweite Fremdsprache.
Und da es sich in diesem Mai zum hundertsten Mal jährt, dass deutsche Ärzte die Tongji als »Medizinschule für Chinesen« gründeten, pflegt man die Germanophilie 2007 noch etwas intensiver als sonst: mit deutschsprachigen Redewettstreiten, binationalen Workshops und Symposien und einem Besuch von Bundespräsident Horst Köhler. »Deutschland ist uns besonders nah«, sagt der neue chinesische Wissenschaftsminister Wan Gang, der bis vor Kurzem die Tongji-Universität leitete.
Dass der 54-Jährige ins Regierungskabinett berufen wurde, obwohl er nicht der kommunistischen Partei angehört, kam in China einer Sensation gleich. Wan Gang lebte 15 Jahre in Deutschland, promovierte als Ingenieur in Clausthal-Zellerfeld, arbeitete zehn Jahre bei Audi und sitzt bis heute im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp. Kaum einer verkörpert den deutsch-chinesischen Wissenstransfer so stark wie er.
Die Chinesen sind Meister im Durchsetzen ihrer Ziele
Die deutsche Präsenz im Reich der Mitte führt lange zurück und weist weit über die Gründung der Tongji-Universität hinaus. Schon Gottfried Wilhelm Leibniz soll mit dem Kaiser von China korrespondiert haben. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) lud bereits 1935 chinesische Stipendiaten nach Berlin ein. Nach der Kulturrevolution war der DAAD eine der ersten ausländischen Organisationen, die wieder vor Ort waren.
Heute hat China im Überfluss, was westliche Wissenschaftsmanager zu Hause vermissen. Die chinesische Wirtschaft brummt im Dauerboom, das Forschungsbudget wächst jedes Jahr um 20 Prozent. Innerhalb von knapp zehn Jahren hat sich die Zahl der Studenten hier vervierfacht. Mit großem Selbstbewusstsein und massiver Unterstützung des Staates streben Universitäten wie die Tsinghua in Peking oder die Jiao-Tong in Shanghai in die globale Champions League der Wissenschaft. China gilt als die weltweit interessanteste Nation für Hochschulpartnerschaften.
Kaum eine Woche vergeht, ohne dass eine deutsche Hochschule eine neue Verbindung mit dem fernöstlichen Land verkündet. Der jährliche Besuch in Peking, Shanghai oder Nanking gehört zum festen Termin im Kalender deutscher Universitätspräsidenten. Mit keinem Land pflegt die Bundesrepublik mehr Wissenschaftsabkommen: Während mit Frankreich 14 Verträge existieren, bestehen mit China 24.
Alle großen Wissenschaftsorganisationen haben mittlerweile ein Verbindungsbüro in Peking. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) verfügt seit dem Jahr 2000 sogar gemeinsam mit Chinas National Natural Science Foundation über ein eigenes Zentrum für Wissenschaftsförderung – eine einmalige Einrichtung mitten im staatlich-wissenschaftlichen Komplex, um die andere Nationen Deutschland beneiden. »Über das Zentrum haben wir direkten Zugang zu den höchsten Verantwortlichen in China«, sagt DFG-Präsident Matthias Kleiner.
Bis heute sind viele Spitzenpositionen in chinesischen Universitäten und Forschungseinrichtungen mit Gelehrten besetzt, die einst in Deutschland studiert oder geforscht haben. Die deutsche Forschung habe in China einen exzellenten Ruf, sagt der Vizepräsident der Shanghaier Jiao-Tong-Universität, Sheng Huanye, auch er ein ehemaliger DAAD-Stipendiat. Zudem arbeite man gern mit den Deutschen zusammen, weil sie »rein wissenschaftlich« dächten, während US-Amerikaner und Japaner aggressiver und marktorientierter vorgingen, so Sheng.
Neuerdings hört man auf deutscher Seite derartiges Lob jedoch gar nicht mehr so gern. In die China-Euphorie deutscher Forschungsfunktionäre mischen sich kritische Töne. Bisher nämlich besticht die akademische Partnerschaft zwischen beiden Ländern vor allem durch ihre Ungleichheit: Während China Studenten und Wissenschaftler nach Europa schickt, liefert Deutschland Geld und Know-how. »Wir verkaufen uns in China oft zu billig«, sagt Thomas Schmidt-Dörr, Leiter der DAAD-Außenstelle in Peking.
- Datum 21.05.2007 - 14:05 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 17.05.2007 Nr. 21
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Ungleiche Freundschaft? Das ist ganz leicht erklaert:
1) Fuer jeden Chinesen ist Deutschland eine Strafe, besser waere USA oder alle englischsprachigen Laender.
2) Kein Chinese lernt Deutsch aus Ueberzeugung. Sie werden dem Fach Deutsch einfach zugeteilt.
3) Deutsche sprechen Englisch in China, sind also nur eine Art westliche Subkultur, das merkt jeder Chinese.
4) Deutschland hat keine Politik und kein Militaer, praktisch keine Macht irgendetwas durchzusetzen, das weiss kaum ein Deutscher, aber Chinesen lernen das alle schon waehrend der Mittelschule.
5) China will gar nichts von den Deutschen. Deutschland will aber alles von China.
6) Deutschland hat keine Eliteuniversitaeten wie China. Das kann man einem Amerikaner schon schlecht erklaeren, aber einem Volk der selektiven Intelligenzauslese wie den Chinesen ist das unverstaendlich und primitiv. Universitaeten wie Bielefeld oder Dortmund z. B. sind nur etwas fuer mittelmaessige Studenten, tauchen in keinem Weltranking auf.
7) Chinesen sind intelligenter als Deutsche. Man erwartet gar nicht erst, dass Deutsche Mandarin lernen. Wir kennen das Problem ja mit den Tuerken in Deutschland, nur dass die Deutsch ein wenig lernen... waehrend die Deutschen in China praktisch komplett unfaehig sind: sie wollen aber koennen es nicht.
8) Chinesen lernen drei viermal so lange und intensiv wie Deutsche. Besser fuer Studenten und Lehrer.
9) Deutschland hat keinen Plan, was es eigentlich in China soll, weil die Politik zu Hause nicht stimmt. Chinesen dagegen wollen erste Weltmacht werden. Jeder Amerikaner oder Brite oder Japaner stemmt sich dagegen, nur die "wissenschaftlichtlichen" Deutschen fuegen sich schnell und dienen als technologischer Maulesel. Soviel Gehorsam sieht der Chinesische Kader gerne und baut den dicken faulen Deutschen in Shanghai gerne ueberteuerte Hotels zum Wohlfuehlen.
10) Deutschland als Land hat den Chinesen nicht viel zu bieten. Natuerlich findet jeder die Waelder und Kirchen und Doerfer schoen, schon allein wegen der Sauberkeit. Aber das sind Touristenschwaermereien. Deutschland ist ein Bauernland und hat nichts, aber auch gar nichts was es einem groesseverwoehnten, aufwaertsstrebenden Chinesen geben koennte.
11) Wuerden die Deutschen mehr aus der Freundschaft herausholen wollen, muesste ihre Heimat etwas groesseres Ausstrahlen. Das wird aber nie mehr der Fall sein.
Fazit: Deutschland muss sich endlich seines niedrigen Standes und beschraenkter Mittel in Asien bewusst werden. China ist eine Supermacht und eine Zivilisation. Deutschland nicht einmal mehr Mittelmacht.
Ich stimme dem Vorkommentar eingeschränkt zu. derzeit bin ich Student an der Tongji. Studiere Chinesisch, und ja es ist tatsächlich schwer..., aber nicht unmöglich. es gibt, sehr wenige, deutsche studenten, die reguläre studiengänge auf chinesisch studieren. Naja...gezwungen wird hier keiner, deutsch zu lernen, das sind freiwillige Kurse, oder in Studiengängen, wo deutsch verwendet wird, eine selbstverständlichkeit.
Die weiteren Punkte bewerte ich als Frust nicht erfüllter China-Deutschlandträume in seinem Kommentar. Eine Strafe ist Deutschland ganz und gar nicht, und die endlosen Neuanmeldungen zum Deutschlernen sind kein Zwang...wo soll der herkommen? (zumindest an der Uni, in der Schule "musste" ich auch französisch lernen...) Ausserdem kosten die Deutschkurse Geld...sind also eine Investition in die eigene Ausbildung. Klar ist USA und England beliebter als Deutschland zum Studieren...aber das ist doch bei uns nicht anders...
Es grenzt an Arbeitsverweigerung, was die deutsche Seite an "Gegenleistung" den Studenten bringt, die sich, nicht nur aus selbstzweck, die Mühe machen, chinesisch zu lernen oder Kooperationen zu vertiefen. Es ist ja auch zu einfach in diesem Land der Essenseinladungen, abends lieber am Bund schön Cocktails zu saufen, anstatt einmal die deutschen Studenten hier zum Dialog einzuladen.
Grundsätzlich ist hier ganz deutlich die deutsche Offizielle Seite schuldig. wenn deutsche studenten hier gern als ausstellungssobjekte bei tollen reden in irgendwelchen germencenters oder CDHK(Chin.-dt- hochschulkolleg) genommen werden, aber gespräche und Kontakte zu einflussreichen Leuten aus purer Arroganz verwehrt bleiben. So war getsern der Zwischenruf eines deutschen Studenten bei der 100Jahrfeier für die deutschen Organisationen an der Tongji: "Wir wollen Jobs!" während der rede des Generalkonsuls von Shanghai bezeichnend.
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