Rufus Wainwright Der PrimadonnaSeite 5/5

ZEIT: Seltsamerweise war das einmal genau umgekehrt: Da hat die Popmusik beim Überleben geholfen, und die Tradition galt als Bürde.

Wainwright: Darüber habe ich schon oft gestritten, wie die Idee aufkommen konnte, die klassische Musik sei eine elitäre Veranstaltung. Vielleicht gilt das für einige ökonomische Aspekte: Bayreuth zum Beispiel ist eine ziemlich geschlossene Gesellschaft, aber letztlich geht es um Etiketten, die von außen aufgepappt werden. Schauen Sie sich doch die Pop- und Rapvideos an: Sie sind auf ihre Weise extrem elitär. Wir wollen Geld, aber nicht dafür arbeiten, wir kümmern uns nur um uns selbst, wir sind der Club – das ist von der Haltung her fast aristokratisch.

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ZEIT: Was ist auf der Strecke geblieben?

Wainwright: Es gab eben einmal eine Zeit, in der Popmusik Grenzen überschritt, wo Weiße mit Schwarzen abhingen und diese Botschaft quer durch die Gesellschaft ging. Heute geht es nur noch um Märkte und Sparten. Jeder, der einen Plattenladen betritt, sieht das sofort: Hier ist die Rap-Schublade, dort die Folk-Sektion. Und dann gehen Sie zur Abwechslung mal in die Klassikabteilung: Nichts als Komponisten, von A bis Z, 2000 Jahre Kultur.

Das Gespräch führte Thomas Gross

Rufus Wainwright, 33, hat sein neues Album »Release the Stars« in Berlin-Köpenick aufgenommen, in den alten Rundfunkgebäuden der DDR, parallel dazu erscheint eine von ihm zusammengestellte Auswahl klassischer Musik bei der Deutschen Grammophon

 
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