Jeder mittlerweile in die Jahre gekommene 68er wird, wenn er das Buch von Uwe Soukup über den 2. Juni 1967 zur Hand nimmt, sich der Gefühle der Trauer und der Wut erinnern, die er damals empfand – Trauer und Wut angesichts eines Geschehens, das man in der deutschen Nachkriegsdemokratie, zumal im sogenannten freien Teil Berlins, nicht für möglich gehalten hätte.

Uwe Soukup hat sich vor allem einen Namen gemacht als Biograf Sebastian Haffners – und als Berliner Kleinverleger, der sich des Werkes von Haffner annahm, als kein großer Verlag sich mehr dafür zu interessieren schien. (Unter anderem brachte er 1996 die erste deutsche Übersetzung von Germany: Jekyll & Hyde heraus) . Und die Beschäftigung mit Haffner war es offenbar auch, die Soukup zu seinem neuen Vorhaben inspiriert hat. Die Nacht der langen Knüppel war ein berühmter Kommentar im stern überschrieben, in dem der nach Deutschland zurückgekehrte Publizist seinerzeit das Verhalten der Verantwortlichen beim Besuch des Schahs von Persien in Berlin in schärfster Weise verurteilt hatte: »Es war ein systematischer, kaltblütig geplanter Pogrom, begangen von der Berliner Polizei an Berliner Studenten.«

Soukup hat mit vielen Beteiligten von damals gesprochen – mit Polizeibeamten (deren Namen er allerdings aus verständlichen Gründen nicht preisgibt), mit Politikern der SPD und mit Opfern des Polizeieinsatzes; er hat Akten im Berliner Polizeipräsidium eingesehen und die Protokolle des parlamentarischen Untersuchungsausschusses und des studentischen Ermittlungskomitees studiert. Und er hat Fotos als dokumentarisches Beweismaterial zusammengetragen – in einer Fülle, wie man sie noch nicht gesehen hat. Das alles wird verwoben zur dichten Beschreibung eines Tages, der die Republik wie kein anderer verändern sollte.

Der Vorsitzende des parlamentarischen Untersuchungsausschusses, Gerd Löffler, hat später im Berliner Abgeordnetenhaus bemerkt, es sei »nicht möglich, aus vermeintlichen Indizien folgern zu wollen, daß die Ordnungsmacht es darauf angelegt habe, ein Exempel zu statuieren, daß sie, wie es hieß, eine Falle gestellt habe, um dann ihren Unmut an den Studenten auszulassen«. Soukup hat sich vorgenommen, ebendies zu beweisen, und manches spricht in der Tat für eine gezielte Eskalationsstrategie.

Das begann am späten Vormittag vor dem Schöneberger Rathaus, als die berüchtigten »Jubelperser« (in der Mehrzahl Angehörige des iranischen Geheimdienstes Savak) ungehindert auf friedliche Demonstranten einprügeln durften. »Schon hier«, so der Autor, »sind etliche schwere Rechtsbrüche festzustellen, denen die Berliner Polizei tatenlos zuschaute.«