Niederlande Supercop im RathausSeite 3/3

Gerade ihnen, den jungen Extremisten von Slotervaart, setzt der Bürgermeister zu. Er schickt »Straßen-Coaches« los, stämmige junge Männer, die sich um die Brennpunkte kümmern. 24 Stunden lang. Offensiv. Vertreter eines etwas traditionelleren Konzepts der Sozialarbeit rieten ihm anfangs davon ab. Mit dieser demonstrativen Robustheit, sagten sie, komme man nicht weiter. Wichtig sei es, die Sprache der Jungen zu sprechen, nur so könne man mit ihnen kommunizieren.

Marcouch lacht. »Ihre Sprache sprechen? Wieso? Diese jungen Leute müssen die Sprache des Gesetzes verstehen lernen.« Die will er ihnen beibringen – und ihren Eltern.

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Sie sind die andere Zielgruppe des Ahmed Marcouch, diese »unsichtbaren Eltern«, wie die niederländische Journalistin Margalith Kleijwegt sie in ihrem gleichnamigen Bestseller über Slotervaart genannt hat. Eltern, die fremd geblieben sind in diesem Land, die von der Heimkehr in ihre fernen Dörfer träumen und ihre Kinder in der fremden Stadt sich selbst überlassen. Eltern wie die von Mohammed Bouyeri.

Marcouch kennt dieses Buch. Noch besser kennt er die Probleme, die darin beschrieben sind. Diese »Tu-nix-Eltern« knöpft der einstige Superbulle sich persönlich vor, besonders die Väter. Er sucht sie auf, um mit ihnen über ihre Söhne zu sprechen, wenn die auffällig werden. Sie müssen keine Straftaten begangen haben, ein bisschen öffentliches Ärgernis genügt schon. Er spricht mit dem Vater, der keine Ahnung hat, was sein Sohn den ganzen Tag – und in der Nacht – treibt.

Das Prinzip dahinter ist offensichtlich: Wo Vertrauen so missbraucht wird wie in Slotervaart, da ist Misstrauen nicht genug. Sozialkontrolle ist besser, und die Kontrollierten sollen die Kontrolle fühlen. So wie es früher war, in dem fernen Dorf, wo die Alten einst lebten. »Ihr seid jetzt ein Teil von Amsterdam«, sagt Marcouch ihnen auf Arabisch, »und ein Teil der Niederlande. So sollt ihr auch handeln.«

Er geht auch zu den Imamen. Spricht mit ihnen über ihre Predigten und wie sie der Gemeinde helfen können. Marcouch ist selbst gläubiger Muslim, und die Religion ist für ihn ein Schlüssel zur Befriedung der Gemeinschaft. Und zwar ganz pragmatisch. Er sagt: »Ihr predigt, der Prophet verlange Sauberkeit. Wie kommt es dann, dass es draußen im Viertel so schmutzig ist?« Für Marcouch könnte gerade die Religion, in der viele den Grund allen Übels sehen, den Weg zur Heilung weisen. So hat auch ein ehemaliger Superbulle seine Träume.

Ahmed Marcouch ist zum Erfolg verurteilt. Für ihn ist es fünf vor zwölf. Denn zum Amtsantritt hat er einen »Aktionsplan gegen Radikalisierung« vorgelegt und erste Ergebnisse bis Ende 2008 angekündigt. Ein ehrgeiziges Projekt, entwickelt zusammen mit Sozialforschern von der Universität, politisch und finanziell unterstützt von der Stadt und der Haager Regierung. Alle schauen jetzt auf ihn. Slotervaart ist das Schaufenster geworden, in dem ein Einzelkämpfer das Unmögliche versucht.

 
Leser-Kommentare
  1. Ein Stadtteil wird wohl unbewohnbar wenn seine bauliche Substanz verfällt. Was der Autor in diesem Zusammenhang meint ist wohl etwas anderes...

  2. ist so ein Bezirk am besten von einem Mann regierbar der seine'Pappenheimer' kennt und sich nicht scheut auch mal ganz klare Sprache zu benutzen.Er steht nicht unter Druck der 'political correctness'- man wird ihm zwar keinen Rassismus oder aehnliches vorwerfen - trotzdem wird auch er keine Wunder vollbringen koennen.Ich wuensche ihm auf jeden Fall viel Glueck in seinem Vorhaben.

  3. Wenn Leute wie Herr Marcouch es nicht schaffen sollten, die vorhandenen Probleme erkennbar zu reduzieren, dann ist man mit dem Mittel konventioneller Gewaltprävention endgültig gescheitert - und dann wird man über ganz andere Lösungsansätze nachzudenken haben.
    Warten wir´s ab.

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