Physik Das Ende der SchwereSeite 2/2
Genie oder Scharlatan? Außergewöhnliche Behauptungen erfordern außergewöhnliche Beweise – und die blieb der Russe bis heute schuldig. Unabhängige Bestätigungen seiner Erfolge? Fehlanzeige. Besucher dürfen nicht in sein Moskauer Labor – angeblich aus Sicherheitsgründen. Aber warum filmt er seine Versuche nicht wenigstens auf Video? Antwort: »Bei den heutigen Methoden zur Bildbearbeitung würden uns Kritiker selbst dann nicht glauben.«
»Die meisten Experten gehen davon aus, dass ausreichend Anstrengungen unternommen wurden, um Podkletnows Behauptung zu prüfen«, bilanziert Clive Woods von der Louisiana State University in Baton Rouge. Der Brite forschte Ende der neunziger Jahre im Auftrag von BAE Systems am Geheimprojekt Greenglow. »Auch wenn die von Podkletnow spezifizierten Parameter in keinem der Nachahmerexperimente ganz erreicht wurden – man war mehrmals so dicht dran, dass man einen Effekt hätte sehen müssen«, sagt Woods. Ron Koczor, der frühere Leiter des Nasa-Projekts Delta G, hat über 600000 Dollar in den Sand gesetzt, bevor ihm seine Chefs mangels positiver Resultate den Geldhahn zudrehten. Letzte Gewissheit werde es erst geben, wenn jemand das Experiment komplett repliziert habe, sagt Koczor: »Aber selbst wenn mir jemand all das Geld gäbe, das dafür nötig wäre – ich würde den Auftrag vermutlich ablehnen.«
Martin Tajmar hat deshalb gute Gründe, sich von dem dubiosen Russen zu distanzieren: »Beide Experimente miteinander in Verbindung zu bringen hieße Äpfel mit Birnen zu vergleichen.« Podkletnow ließ kompliziert zu fertigende zweilagige Keramikscheiben in Stickstoffdämpfen rotieren. Die Seibersdorfer Forscher benutzen stattdessen gewöhnliches Niob, das erst bei viel tieferen Temperaturen supraleitend wird. Anders als der Russe traktieren sie ihren Kryokreisel dabei nicht mit Hochfrequenzfeldern. Und im Gegensatz zu ihm beobachten sie nur während der Beschleunigungsphasen einen Effekt, nicht aber, solange sich der Niobring mit konstanter Geschwindigkeit dreht. Martin Tajmar lädt Skeptiker ein, sich vor Ort von der Präzision seines 1,5 Millionen Euro teuren Versuchsaufbaus zu überzeugen: »Sauberer kann man so eine Messung nicht machen.«
Um systematische Fehler definitiv auszuschließen, hat Tajmar andere Forscher gebeten, sein Experiment zu wiederholen. Mit offiziellen Ergebnissen ist wohl im Sommer zu rechnen, bis dahin wollen die Nachahmer inkognito bleiben. Ein Fünkchen Unsicherheit bleibt also – was den österreichischen Tüftler aber nicht hindert, schon weiterzudenken. Denn obwohl die gemessenen Kraftfelder maximal einige Zehnmillionstel der Erdbeschleunigung betragen: Es wäre ein Anfang, der Startschuss für eine neuartige Gravitationstechnologie. Eine mögliche Anwendung wäre ein Mikrogravitationslabor auf der Erde, in dem supraleitende Gravitationsgeneratoren die Schwerkraft lokal aufheben. Praktisch wäre das zum Beispiel, um hochreine Kristalle zu züchten oder um Satelliten vor dem Start in der Schwerelosigkeit zu testen.
George Hathaway ist empfänglich für solche Visionen. »Ich glaube fest daran, dass es irgendwann gelingen wird, eine Technik zu entwickeln, mit der sich die Schwerkraft lokal verändern lässt«, erklärt der Elektroingenieur. Der Kanadier gilt als letzte Instanz für Wissenschaft in der Grauzone zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Eine zahlungskräftige Allianz philanthropischer Geldgeber ermöglicht es ihm, krude Konzepte experimentell zu prüfen. George Hathaway macht Versuche abseits des wissenschaftlichen Mainstreams, für die kein vernünftiger Forscher Zeit und Drittmittel verpulvern würde.
Wenn Tajmar recht hat, muss die Physik umgeschrieben werden
Seine Werkstatt im Industriegebiet von Toronto füllt mehrere Lagerhallen, in deren Regalen sich die Gerätschaften bis unter die Decke stapeln. Von säuberlich sortierten Kondensatoren bis zur Bedampfungsanlage, vom Laserlabor bis zum Elektronenmikroskop – hier gibt es alles, was der Experimentator braucht. Nur einen technischen Trick, um die Schwerkraft in den Griff zu bekommen, den hat auch George Hathaway noch nicht gefunden. Bislang musste er alle hoffnungsvollen Entdecker wieder desillusioniert nach Hause schicken.
Jewgienij Podkletnow war einer davon. Viereinhalb Jahre lang hat Hathaways Team versucht, dessen Experiment zu wiederholen: »Wir haben nie einen Effekt gemessen, den wir nicht allein durch statistische Schwankungen erklären konnten.« Dass der Russe seitdem Verschwörungstheorien verbreitet, wonach der Kanadier den Effekt zwar bestätigt habe, das aber nicht zugeben dürfe, weil er in Wahrheit für den Geheimdienst arbeite – Hathaway nimmt es achselzuckend zur Kenntnis: »Ich habe schon hundertmal klargestellt, dass das völliger Quatsch ist, aber am Ende glauben solche Leute doch sowieso, was sie glauben wollen.«
Den mutmaßlichen Raumzeit-Quirl aus Seibersdorf hält George Hathaway dagegen für »ernst zu nehmend«. Nachgebaut hat er ihn noch nicht, weil andere Projekte zurzeit Vorrang haben. Außerdem findet der Experte für die Grenzbereiche der Wissenschaft die theoretische Basis fragwürdig – und weiß sich in guter Gesellschaft. Martin Tajmars Interpretation der Messwerte basiert darauf, dass Gravitonen – die eigentlich masselosen Übermittler der Schwerkraft – in Supraleitern eine Masse haben. Laut Quantentheorie könnte diese Massenzunahme den Gravitomagnetismus dramatisch verstärken und so die Größe des in Seibersdorf beobachteten Effektes erklären. Mit dem Standardmodell der Teilchenphysik sind massive Gravitonen aber nur schwer vereinbar. »Die gesamte Theorie müsste umgeschrieben werden«, sagt James Overduin von der Stanford University. Manchem wäre es deshalb lieber, wenn sich alles als Irrtum herausstellte. Doch Martin Tajmar erweckt nicht den Eindruck, als störe es ihn, dicke Bretter zu bohren. Im Sommer will er verfeinerte Messungen vorlegen, die letzte Zweifel ausräumen: »Wenn ich recht habe, kann man das natürlich nicht ewig ignorieren.«
Zum Thema:
Gravitation
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Die Grundgesetze einer rätselhaften Kraft
- Datum 17.05.2007 - 03:33 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 17.05.2007 Nr. 21
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Das Antigravitationstriebwerk - kalt,lautlos, ohne Treibstoffbedarf; der sanfte, alternative Antrieb für UFOs und künftige Raumschiffe - wird es nie geben! Außer in Hollywood natürlich. Und das hat einen einfachen Grund.
Angenommen, es gäbe einen solchen Apparat, dann könnte man damit eine Maschine bauen, die folgendermaßen aussieht und funktioniert:
Zwischen senkrecht angebrachten Führungsschienen kann sich der Apparat auf- und abbewegen. Zunächst sei er am unteren Endpunkt der Schienen. Er wird eingeschaltet, erzeugt Antigravitation und bewegt sich nach oben. Am oberen Endpunkt wird er abgeschaltet. Weil er ein Gewicht hat, holt ihn die Gravitationskraft wieder herunter. Das Schalten läßt sich automatisieren. Die Bewegung läßt sich, wenn man will, über Pleuel und Kurbel in eine Drehbewegung umwandeln. Was haben wir nun vor uns? Richtig, ein Perpetuum Mobile! Und das kann es nach dem 2.Hauptsatz nicht geben! Und der ist nun mal das Gesetz der Gesetze; er ist die "Weltformel" - jedenfalls wenn man die Welt - das Universum - als Prozeß auffaßt und nicht bloß als Raum mit Körpern darin.
Es mag ja sein, daß diese Versuche zu einem Antigravitationsapparat führen. Aber wenn der als Triebwerk dienen soll, dann muß er Energie umsetzen, dann braucht er Treibstoff! Und seine Güte wird - wie bei allen Triebwerken - nach seinem Wirkungsgrad und seiner Spezifischen Leistung bemessen.
Es tut mir ja ein bischen leid, daß ich Ihre Phantasien zurechtstutzen mußte. Aber der zweite Hauptsatz steuert nun mal den Lauf der Welt. Und das ist gut so. Denn ohne ihn gäbe es uns nicht. Wir funktionieren nämlich auch nach ihm.
Schönen Gruß an Sie alle !
wbgard
Und Schönen Gruß an Sie, wbgard!
Ihr Apparat hat leider mit dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik überhaupt nichts zu tun. Einzig der Energieerhaltungssatz ist hier relevant. Und in dem Fall Ihres nicht unintelligenten Apparates, der tatsächlich funktionieren würde (!), bewirkt er, dass Sie die Rotationsenergie der Erde verwenden würden, um den Apparat zu betreiben: Durch die Erddrehung wird der Apparat bei abgeschirmter Gravitation sich tangential von der Erde wegbewegen, dadurch wird das Erde-Apparat-System langsamer rotieren. Wenn Sie die Energie beim Rückfall z.B. elektrisch oder thermisch nutzen, wird die Energie nicht wieder der Rotationsenergie hinzugefügt - die Erde dreht sich bei wiederholter Anwendung also immer langsamer. Es handelt sich somit nicht um ein Perpetuum Mobile - irgendwann wird die Erde nämlich aufhören zu rotieren und der Apparat stoppt. Das ganze wird vielleicht noch offensichtlicher, wenn Sie sich statt der Erde einen entsprechenden elektrisch geladenen Körper vorstellen, der ja tatsächlich einfach abgeschirmt werden kann.
Trotzdem Glückwunsch zur Idee: Nun brauchen wir nur noch die Gravitation effektiv abzuschirmen - und unsere Energieprobleme sind (zumindest vorerst) gelöst!
WHeisenberg
Hallo wheisenberg!
Nach ein paar Tagen Abwesenheit habe ich Ihren Kommentar erst heute gelesen. Auch den Artikel habe ich mir noch mal genau angesehen. Da ist der Tat von Abschirmung die Rede. Es ist also gemeint eine Kompensation des Gravitationsfeldes. Sie haben Recht: Die Maschine würde laufen. An der Erdoberfläche. Wo allerdings Maschinen zunächst einmal zu stehen pflegen. Sie würde die Rotationsenergie der Erde anzapfen. Die Folgen wären vermutlich geraume Zeit zu ertragen. Sie haben nicht Recht: Der zweite Hauptsatz kommt bei jedem Energie- wandlungsprozeß zum tragen. In diesem Fall bezüglich der Reibung natürlich - das dürfte unerheblich sein - und bezüglich der "Hilfsenergie", die man zuführen muß, damit der Apparat seine geheimnisvolle Wirkung entfaltet. Denn der arbeitet ja nicht durch guten Willen. Diese Hilfsenergie dürfte beträchtlich sein, wenn es darum geht, das Gewicht von etlichen Tonnen Masse zu kompensieren. Die Maschine hat natürlich nur einen Sinn, wenn diese Hilfsenergie in vertretbarem Rahmen bleibt, wenn die Maschine also einen annehmbaren Wirkungsgrad hat. Wie wirkt die Apparatur nun als Raumschiffantrieb?
Anknüpfend an die obige Maschine könnte man im Prinzip an eine Art Schleuder denken, möglichst am Äquator, mit der dem Raumschiff eine Geschwindigkeit von (über den Daumen gepeilt) 400 bis 500 m/s mitgegeben wird. Davon nimmt der Luftwiderstand noch einiges weg. Der Hilfsenergie-Vorrat muß hier an Bord mitgeführt werden. Weggeschleudert wird das Schiff auf einer der üblichen Bahnen dahinziehen. Es wird nun eine andere Antriebsmöglichkeit brauchen. Und natürlich den dazu passenden Treibstoffvorrat. Ich glaube nicht, daß die Raumfahrer damit zufrieden sein würden. Wenn der AG-Effekt tatsächlich auf dem Lense-Thirring-Effekt beruht, wird das Gerät ohnehin nur in Nähe der Erde oder eines anderen Himmelskörpers funktionieren. Schon von daher wird das Triebwerk im freien Raum nicht arbeiten. Die Wirkung wird wohl exponentiell mit der Entfernung abnehmen. Ganz allgemein vermute(!) ich mal: Es wird sich zeigen, daß die Naturgesetze dafür sorgen werden, daß diese Bäume nicht in den Himmel wachsen. Etwa so, wie es bei relativistischen Geschwindigkeiten der Fall ist. Freilich: Wer hätte beim Anblick einer "Elektrisiermaschine" des 18.Jahrhunderts an Turbogeneratoren 200 Jahre später glauben können?
Beobachten wir also weiter den Gang der Ereignisse!
Vielleicht treffen wir hier mal wieder zusammen.
wbgard
Was auch immer die Physiker zur Gravitation noch entdecken werden: Es wird ihnen wahrscheinlich niemals gelingen, die "klassische" Allgemeine Relativitätstheorie mit der "nicht-klassischen" Quantenmechanik zu einer empirisch überprüfbaren Theorie der Quantengravitation zu vereinigen (GUT). Dies hat ein Wissenschaftstheoretiker in subtilen erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Analysen von S. HAWKING's theoretischen Versuchen exemplarisch gezeigt. Die Physik steckt in einer "Sackgasse", sowohl in theoretischer als auch in empirisch-experimenteller Hinsicht. Sie bleibt prinzipiell unabschliessbar, analog dem mathematischen Unvollständigkeitstheorem von Kurt GÖDEL.
(Vgl. auch: U(h)RKRAFT. UNIVERSUM, ZEIT UND ZUKUNFT (www.amazon.de)
Viele Grüße an alle Physiker und Meta-Physiker!
malediva
Von dem russischen Versuch existiert Bildmaterial, das in einer Doku
gesendet wurde. Ich hab das damals gesehen. Bezeichnend war dabei, dass
sich die Gravitation innerhalb eines Hauses bis zum obersten Stock
gleichmäßig reduzierte, egal wieviel Masse sich dazwischen befand.
Sollte dieses Phänomen bei dem österreichischen Versuch ebenso
auftreten, wage ich zu behaupten, dass ein globales Hantieren mit der
Schwerkraftreduktion im großen Maßstab unter Umständen katastrophale
Folgen für das Leben auf der Erde mit sich bringen könnte. Innerhalb
der Raum-Zeit-Quirl-Theorie bedeutete dies eine Beeinflussung der
Erdrotation über die Schwerkraftmanipulation. Die Auswirkungen wären
wohl ähnlich wie im Film "The Core" geschildert, nur wahrscheinlich
über einen längeren Zeitraum und in unterschiedlicher Intensität. Ich
behalte mir also hiermit vor, der erste
"Antigrav-Antriebs-Forschungsgegner" zu sein. Jedenfalls solange, bis
mögliche negative Zusammenhänge hinsichtlich der Erdrotation
ausgeschlossen werden können Ich habe dies mit meiner Frau erörtert. Sie bemerkte gleich
gleich, dass - stelle man sich eine Welt vor, in der statt Flugzeugen
Antigravitaionsantriebsfluggefährte den globalen Verkehr bestimmten -
sich im Fall dass sich die Gravitation auch über den Vehikeln
reduziert, sicherlich die Atmosphäre unseres Planeten über kurz oder
lang verabschieden würde. Sie merkte noch trocken an: "Wahrscheinlich
haben "die" solche Tests schon lange am Laufen - und wahrscheinlich
kommt das Ozonloch auch daher."
Dieses schrumpft ja vor allem an den Polen. Sind wir mal ehrlich:
hätten wir Geld und etwas zu verbergen: wo würden wir derartige
Forschungen betreiben?
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