Nutztiere Die Biene, das Geld und der Tod
Die industrielle Landwirtschaft nutzt die Biene als Bestäuberin. Die Völker werden weltweit versandt. Nun hat eine Seuche in den USA die Imker aufgeschreckt. Ist die Biene ein Opfer der Globalisierung?
Die ersten Alarmmeldungen kamen aus Pennsylvania: Seit Monaten grassiert dort ein mysteriöses Bienensterben mit gravierenden Folgen. Weil ihm plötzlich 85 Prozent seiner 3.000 Bienenvölker fehlten (und damit 450.000 Dollar Einkommen), wandte sich der Berufsimker David Hackenberg im Oktober vergangenen Jahres verzweifelt an die Bienenforscherin Diana Cox-Foster von der Pennsylvania State University und an den Bienenexperten Pennsylvanias, Dennis van Engelsdorp. Bald hörten die beiden von Verlusten aus mehreren US-Staaten. Im Januar gründeten sie ein Netzwerk, um die Ursachen der neuen Krankheit aufzuspüren, die erst einmal einen Namen bekam: Colony Collapse Disorder (CCD), zu Deutsch Völkerkollapsstörung. Das seltsame Leiden lässt scheinbar gesunde Völker binnen weniger Tage spurlos verschwinden. Im Stock zurück bleiben die Königin, Nahrungsvorräte, Brut und einzelne Arbeiterinnen, die gleich an mehreren Infektionen leiden – als sei ihr Immunsystem kollabiert.
Der Alarm stieß auf offene Ohren. Schon im Herbst vergangenen Jahres hatte ein Ausschuss des Nationalen Forschungsrates vor einer drohenden »Bestäubungskrise« gewarnt, falls die Zahl der Bienen weiter sinke. Der Ertrag vieler Obst- und Gemüsesorten, auch von Futterpflanzen für das Vieh hängt von einer Bestäubung durch Insekten ab. So schätzt das US-Landwirtschaftsministerium den Gesamtwert insektenbedingter Ertragssteigerungen bei 95 Obst- und Gemüsesorten auf etwa 14,6 Milliarden Dollar. Der CCD-Alarm führte zu einer Anhörung im Kongress, das Bienensterben reifte zum nationalen Drama heran. Große Zeitungen prophezeiten, bald könne es nur noch Wasser und Brot geben. Schon Albert Einstein habe gewarnt: »Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen mehr.«
Mitte März erreichte das mediale Bienensterben auch Deutschland. Bald vermeldeten auch hiesige Blätter lokale Völkerverluste von 25 Prozent und mehr. Aids im Bienenstock, Experten fürchten um die ganze Art, Maja summt nicht mehr, lauteten die Schlagzeilen, der Deutsche Berufsimker Bund (DBIB) bestärkte die Untergangsstimmung. »Die Bienenstöcke sind leer«, klagte DBIB-Präsident Manfred Hederer. Er warnt schon seit Langem: »Der Todeskampf der Honigbiene und der Imkerei in Deutschland hat begonnen.« Hederer hat ein klares Feindbild. Als wichtige Ursachen des Völkersterbens nennt er Pestizide und den Einsatz von Gentechnik.
Die inzwischen international organisierte Bienenforschung rückt jedoch andere Probleme in den Vordergrund, die ebenfalls verstörend sind: Weniger sind die Bienen vom Aussterben bedroht als die traditionelle Hobby-Imkerei. Das Insekt, Sinnbild von Fleiß und Fruchtbarkeit, dürfte wegen seiner enormen ökonomischen Bedeutung wohl kaum verschwinden. Vielmehr wird es züchterisch »optimiert« – als industrieller Bestäubungssklave von globaler Bedeutung.
Die Sorge um die Bienen waren groß, als sich Ende März in der Aula der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim Wissenschaftler aus den deutschsprachigen Ländern, mehreren Nachbarstaaten, aber auch aus Brasilien und Mexiko trafen. Das Fazit der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft der Bieneninstitute war deutlich. »Den deutschen Bienen geht es zurzeit recht gut«, konnte Stefan Berg, Gastgeber der Tagung und Bienenforscher der LWG, verkünden. Ein Sterben wie in den USA drohe derzeit nicht, das belegten erste Zahlen des »Deutschen Bienenmonitorings«. In dessen Rahmen werden landesweit mehr als 7000 Völker beobachtet. Erfahrungen aus der Vergangenheit hatten gezeigt, dass punktuelle Alarmmeldungen von Imkern, zusätzlich verstärkt durch die Resonanz der Medien, zu Fehlalarmen führten.
Inzwischen liegen alle Zahlen des Bienenmonitorings vor. Der durchschnittliche Völkerverlust nach dem Winter beträgt knapp acht Prozent – bis zu zehn Prozent gelten als normal. »Der vergangene Winter war sehr mild, deshalb sind die guten Zahlen kein Wunder«, sagt Stefan Berg. Mehr noch: Der ungewöhnlich warme April hat bereits zu Rekorderträgen beim Honig und zum Anwachsen starker Bienenvölker geführt, die Insekten lieben Wärme. Da die Winterverluste in den Vorjahren höher lagen, wurden vorsorglich Ersatzvölker gezüchtet – für die gibt es nun kaum Bedarf. »Manche Imker dürften auf ihren Völkern sitzen bleiben«, sagt Berg.
Bienen vermehren sich unter guten Bedingungen sehr schnell, eine Arbeiterin lebt durchschnittlich nur etwa vier Wochen lang. Die Königin legt täglich ein- bis zweitausend Eier, produziert Nachwuchs im Minutentakt. Im Winter entfällt das Brutgeschäft. Die Insekten müssen Monate im Stock überdauern, unter zehn Grad Celsius droht draußen der Kältetod. Entsprechend heikel ist diese Winterphase für die Tiere. »Da kann schon eine natürliche Ursache wie dunkler Honig dem Stock gefährlich werden«, sagt Berg. Dunkler Wald- oder Tannenhonig ist ballaststoffreich, das wird für Bienen zum Problem – sie müssen mehr koten. Das tun die reinlichen Wesen normalerweise draußen. »Bei langer Kälte geht dies jedoch nicht, dann koten sie im Stock«, sagt Berg. Wehe, eine Biene ist krank: Ihre Keime verteilen sich, das Volk gerät in Gefahr. »Dies ist nur ein Beispiel von vielen, warum Winterverluste natürlich sind«, erklärt der Forscher. Er ist skeptisch, ob die neue Völkerkollapsstörung CCD wirklich neu ist.
Sein Kollege Peter Rosenkranz, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Bieneninstitute und Forscher an der Universität Hohenheim, bekräftigt diese Skepsis. Dass Bienenstöcke plötzlich leer sind, sei ein altbekanntes Phänomen, »Kahlfliegen heißt der Fachausdruck«. Der Hintergrund: »Bienen sind treue Staatsdiener bis in den Tod.« Wenn ihr Ende naht, fliegen sie weg. Ihr letzter Dienst entlastet das Volk von der Leiche und möglichen Keimen. Falls kranke Tiere nicht weichen, prügeln ihre Artgenossen sie aus dem Stock.
- Datum 04.02.2009 - 12:55 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 24.05.2007 Nr. 22
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Zwei kleine Ergänzung zum Artikel. Auch wenn es vor dem
"weißen" Einwandererimker keine vom Menschen gehaltenen
Honigbienen gab, so exisitierten natürlich wilde Honigbienen und, was noch viel wesentlicher für die Bestäubung in der Natur, abseits des Bedarfs in den industriellen Monokulturen ist, hunderte Arten von Hummeln, Erd- und Felsenbienen, die nicht in großen Schwärmen, sondern in kleinen Gemeinschaften von 40- 300 Individuen leben.Bei uns kann man die Wildarten z.B. in den Informationszentren der Biosphärenreservate in vivo beobachten.
Fast allen "wilden" Bestäubern setzt die industrielle Landwirtschaft massiv zu. Das liegt auch an der Vielzahl von Spritzmitteln und an der fortschreitenden Artenreduzierung bei den landwirtschaftlich genutzten Pflanzen, die großflächig die ökologischen Nischen für die Spezialisten immer mehr einengt.
Ganz problematisch ist derzeit, dass aus Gründen der Ertragssteigerung, aber auch durch geschicktes Marketing der vier weltweit operierenden Anbieter, genetisch veränderte Ernährungs- und Energiestoffpflanzen angebaut werden. Diese Pflanzen sind als einzige resistent gegen die dann eingesetzten Totalherbizide. Auf solchen Ackerflächen wächst derzeit nur noch die Anbausorte, jedenfalls, solange nicht andere Pflanzen resistent werden. Jeder Biologe kann sich ausrechenen, was das auf Dauer für den Artenreichtum und die Widerstandsfähigkeit ganzer Ökosysteme bedeutet.
"Die globalisierte Imkerei hat die Varroamilben, die ursprünglich aus Asien stammen, in Europa und Amerika eingeschleppt"
1977 wurde die Varromilbe durch Wissenschaftlern des Bieneninstitutes Oberursel durch Unachtsamkeit nach Deutschland eingeschleust. Das Wort "globalisiert" ist hier nicht zutreffend.
"Große Völker sammeln zudem effizient Honig, rasch 30 Kilo und mehr."
Quatsch...ich besitze nur ein Volk und habe heute am 27.05.2007 ca. 15 kg geschleudert. Was ungewöhnlich ist, denn wir schleudern schon Ende Mai. In drei Wochen schleudern wir nochmal und kommen auch auf 30 Kilo - ohne "großes Volk".
Da der überwiegende Teil (70-90%) der Biodiversität in Agrarökosystemen in den benachbarten Ackersaumen zu finden ist, frage ich mich, wie die Bewirtschaftungsweise auf dem Acker eine große Rolle spielen kann ? Eine effektiver Artenschutz erfolgt durch die Schaffung von Rückzugsflächen, wie sie zum Beispiel von der EU seit Jahren massiv gefördert wird. Das Anwachsen der Zeckenpopulationen, da es jetzt wieder mehr Kleinsäugetiere gibt, ist nur ein Indiz dafür. Aber man sieht wohl nur, was man sehen will.
Das Heraufbeschwören von ökologischen Super-GAUs durch Pestizide (warum werden wir trotzdem immer älter? Warum ist die Lebenserwartung von Landwirten höher, wie die von der Durchschnittsbevölkerung ? Warum dürfen Bio-Bauern das hochtoxische Kupfer spritzen, aber nicht viel weniger toxische "synthetische" Alternativen ?) und GVOs (die USA lebt seit über 10 Jahren Gen-Mais immer noch) lenkt nur Ressourcen von den wahren Problemen ab.
Leider gilt für viele Ideologen folgender Ausspruch: "Wer den Menschen erzählt, was sie hören wollen, muss meist keine großartigen Beweise liefern. Auch wer ihnen zeigt, was sie gerne sehen möchten, braucht keine lästigen Nachfragen zu fürchten."
Ad quax74
Lieber „quax74“
Dort, wo die neue grüne Gentechnik industriell eingesetzt wird, sind die Feldgrößen andere gworden. - Mnachesmal bis zum Horizont! Gerne würde ich Ihnen zeigen, dass dort auch keine breiten Ackerrandstreifen angelegt werden und über die riesigen Feldflächen zudem kein Austausch zu spärlichen Randbereichen stattfindet.
Die Zeckenpopulationen wachsen an, weil im Winter der Frost ausbleibt. - Ein beschleunigter Klimawandel ist dafür mit verantwortlich. - Von einer Diversifizierung der Zeckenarten oder der
Kleinsäugerarten ist mir nichts bekannt.
Biodiversität meint Artenreichtum. Der entsteht fast immer in Gebieten, die Mangel an Nährstoffen und anderen Vitalstoffen aufweisen. Z.B. Regenwald, Trockenrasen, Streuobstwiesen mit maximal
2 Mahden, Feuchtgebiete, Berg- und Schluchwald, Hutewald, etc.
Masiv abgenommen hat übrigens die Biodiversität der Futter- und Nahrungspflanzen, dort wo GVOs eingesetzt werden, exponentiell. - Massiv abgenommen haben auch die Nutztierrassen. - Dort gibt es auch viel weniger selbstständige Bauern und weniger Angestellte (Landflucht), weil die Produktion mechanisiert wurde und sukzessive in den Besitz von Großagrariern geraten ist. Die können sich den jährlich notwendigen Kauf der Gen-Saaten, übrigens von den gleichen Firmen die die Herbizide verkaufen, noch leisten.
Bleiben Sie also sachlich „quax74“.
Grüße
Ad quax74
Lieber „quax74“
Dort, wo die neue grüne Gentechnik industriell eingesetzt wird, sind die Feldgrößen andere gworden. - Mnachesmal bis zum Horizont! Gerne würde ich Ihnen zeigen, dass dort auch keine breiten Ackerrandstreifen angelegt werden und über die riesigen Feldflächen zudem kein Austausch zu spärlichen Randbereichen stattfindet.
Die Zeckenpopulationen wachsen an, weil im Winter der Frost ausbleibt. - Ein beschleunigter Klimawandel ist dafür mit verantwortlich. - Von einer Diversifizierung der Zeckenarten oder der
Kleinsäugerarten ist mir nichts bekannt.
Biodiversität meint Artenreichtum. Der entsteht fast immer in Gebieten, die Mangel an Nährstoffen und anderen Vitalstoffen aufweisen. Z.B. Regenwald, Trockenrasen, Streuobstwiesen mit maximal
2 Mahden, Feuchtgebiete, Berg- und Schluchwald, Hutewald, etc.
Masiv abgenommen hat übrigens die Biodiversität der Futter- und Nahrungspflanzen, dort wo GVOs eingesetzt werden, exponentiell. - Massiv abgenommen haben auch die Nutztierrassen. - Dort gibt es auch viel weniger selbstständige Bauern und weniger Angestellte (Landflucht), weil die Produktion mechanisiert wurde und sukzessive in den Besitz von Großagrariern geraten ist. Die können sich den jährlich notwendigen Kauf der Gen-Saaten, übrigens von den gleichen Firmen die die Herbizide verkaufen, noch leisten.
Bleiben Sie also sachlich „quax74“.
Grüße
Ad quax74
Lieber „quax74“
Dort, wo die neue grüne Gentechnik industriell eingesetzt wird, sind die Feldgrößen andere gworden. - Mnachesmal bis zum Horizont! Gerne würde ich Ihnen zeigen, dass dort auch keine breiten Ackerrandstreifen angelegt werden und über die riesigen Feldflächen zudem kein Austausch zu spärlichen Randbereichen stattfindet.
Die Zeckenpopulationen wachsen an, weil im Winter der Frost ausbleibt. - Ein beschleunigter Klimawandel ist dafür mit verantwortlich. - Von einer Diversifizierung der Zeckenarten oder der
Kleinsäugerarten ist mir nichts bekannt.
Biodiversität meint Artenreichtum. Der entsteht fast immer in Gebieten, die Mangel an Nährstoffen und anderen Vitalstoffen aufweisen. Z.B. Regenwald, Trockenrasen, Streuobstwiesen mit maximal
2 Mahden, Feuchtgebiete, Berg- und Schluchwald, Hutewald, etc.
Masiv abgenommen hat übrigens die Biodiversität der Futter- und Nahrungspflanzen, dort wo GVOs eingesetzt werden, exponentiell. - Massiv abgenommen haben auch die Nutztierrassen. - Dort gibt es auch viel weniger selbstständige Bauern und weniger Angestellte (Landflucht), weil die Produktion mechanisiert wurde und sukzessive in den Besitz von Großagrariern geraten ist. Die können sich den jährlich notwendigen Kauf der Gen-Saaten, übrigens von den gleichen Firmen die die Herbizide verkaufen, noch leisten.
Bleiben Sie also sachlich „quax74“.
Grüße
1) Schlaggröße = f(Auftreten von GVOs)
Die Zunahme der Schlaggröße (=Feldgröße) hat wohl eher etwas mit den Faktoren (1) gestiegener Mechanisierungsgrad, (2) Sterben kleiner Betriebe bzw. Konzentration, (3) günstige Marktlage für Agrarprodukte (China und Ethanol führen zur starken Steigerungen in der Nachfrage) zu tun. Diese Riesenflächen gab es außerdem auch schon in Vor-GVO Zeiten. Nun werden halt leider auch wieder die stillgelegten Flächen in Produktion genommen (sowohl in den USA, als auch in der EU -> "set-aside"-Politik der 90er), da es sich halt wieder rechnet. Ich verstehe den von ihnen postulierten Zusammenhang zwischen GVOs und fehlenden Rückzugsgebieten in Agrarökosystemen nicht. Sehe ihn vor allem nicht. Da werfen Sie zwei voneinander unabhängige Sachen in den gleichen Topf. Wieso kann man zwischen zwei Schlägen mit GM-Mais keine Hecke pflanzen ? Ist doch alles eine Frage der Agrarstrukturpolitik.
2) Zeckenpopulationen
Die von Ihnen (mit Einschränkungen) postulierte Monokausalität (der warme Winter ist es) ist wohl zu einfach. Neben der klimatischen Komponente, gibt es auch eine starken "Management"-Einfluß [1,2]. Dieser hat zum Beispiel zu einem signifikanten Anwachsen der Kleinnagerpopulationen geführt [3,4].
[1] Epidemologisches Bulletin Nr. 14, 2007, Rober-Koch-Institut
[2] Epidemologisches Bulletin Nr. 15, 2007, Rober-Koch-Institut
[3] Epidemologisches Bulletin Nr. 10, 2005, Rober-Koch-Institut
[4] Nutall PA & Labuda M, 2003, Dynamics of infection in tick vectors and at the tick-host interface. Advances in Virus Research, 60: 233-272
3) Biodiversität
Was wollen sie mir hier eigentlich sagen ?
4) Untergang der Landwirtschaft bzw. Menschheit = f(GVO)
Sie sprechen ganz viele Probleme an, aber haben natürlich gleich einen einzigen Schuldigen: GVOs !!! So leicht kann ich es mir nicht machen. Landflucht und Armut sind hauptsächlich das Ergebnis korrupter politischer Systme, sowie von Krisen und Kriegen.
In den USA werden mittlerweile > 90% von Soja, Cotton und Corn als GVO angebaut. Warum ? Weil die Landwirte einen ökonomischen Nutzen davon haben und nicht weil sie von der bösen multinationalen-Globalisierungs-Agrarlobby dazu gezwungen werden ("bau unser Saatgut an oder wir brechen dir deine Beine"). Auch in Ländern wie Indien und China wächst der Anteil an GM-Cotton stetig. Warum ? Weil die große, große Mehrheit an Landwirten einen ökonomischen Nutzen davon hat. Allerdings ist mir natürlich auch klar, dass sich Stories von selbstmordenden indischen Bauern bei uns in den Medien besser verkaufen. Das diese Selbstmorde aber auch schon in Vor-GVO Zeiten passiert sind, muss ja nicht unbedingt erwähnt werden.
Wir stehen vor riesigen Herausforderungen. Wir müssen eine den Nahrungsmittel- und (mittlerweile auch) Energiebedarf einer stetig wachsenden Weltbevölkerung decken. Romantische Vorstellungen von (häufig urbanen) Theoretikern helfen da nicht wirklich weiter.
1) Schlaggröße = f(Auftreten von GVOs)
Die Zunahme der Schlaggröße (=Feldgröße) hat wohl eher etwas mit den Faktoren (1) gestiegener Mechanisierungsgrad, (2) Sterben kleiner Betriebe bzw. Konzentration, (3) günstige Marktlage für Agrarprodukte (China und Ethanol führen zur starken Steigerungen in der Nachfrage) zu tun. Diese Riesenflächen gab es außerdem auch schon in Vor-GVO Zeiten. Nun werden halt leider auch wieder die stillgelegten Flächen in Produktion genommen (sowohl in den USA, als auch in der EU -> "set-aside"-Politik der 90er), da es sich halt wieder rechnet. Ich verstehe den von ihnen postulierten Zusammenhang zwischen GVOs und fehlenden Rückzugsgebieten in Agrarökosystemen nicht. Sehe ihn vor allem nicht. Da werfen Sie zwei voneinander unabhängige Sachen in den gleichen Topf. Wieso kann man zwischen zwei Schlägen mit GM-Mais keine Hecke pflanzen ? Ist doch alles eine Frage der Agrarstrukturpolitik.
2) Zeckenpopulationen
Die von Ihnen (mit Einschränkungen) postulierte Monokausalität (der warme Winter ist es) ist wohl zu einfach. Neben der klimatischen Komponente, gibt es auch eine starken "Management"-Einfluß [1,2]. Dieser hat zum Beispiel zu einem signifikanten Anwachsen der Kleinnagerpopulationen geführt [3,4].
[1] Epidemologisches Bulletin Nr. 14, 2007, Rober-Koch-Institut
[2] Epidemologisches Bulletin Nr. 15, 2007, Rober-Koch-Institut
[3] Epidemologisches Bulletin Nr. 10, 2005, Rober-Koch-Institut
[4] Nutall PA & Labuda M, 2003, Dynamics of infection in tick vectors and at the tick-host interface. Advances in Virus Research, 60: 233-272
3) Biodiversität
Was wollen sie mir hier eigentlich sagen ?
4) Untergang der Landwirtschaft bzw. Menschheit = f(GVO)
Sie sprechen ganz viele Probleme an, aber haben natürlich gleich einen einzigen Schuldigen: GVOs !!! So leicht kann ich es mir nicht machen. Landflucht und Armut sind hauptsächlich das Ergebnis korrupter politischer Systme, sowie von Krisen und Kriegen.
In den USA werden mittlerweile > 90% von Soja, Cotton und Corn als GVO angebaut. Warum ? Weil die Landwirte einen ökonomischen Nutzen davon haben und nicht weil sie von der bösen multinationalen-Globalisierungs-Agrarlobby dazu gezwungen werden ("bau unser Saatgut an oder wir brechen dir deine Beine"). Auch in Ländern wie Indien und China wächst der Anteil an GM-Cotton stetig. Warum ? Weil die große, große Mehrheit an Landwirten einen ökonomischen Nutzen davon hat. Allerdings ist mir natürlich auch klar, dass sich Stories von selbstmordenden indischen Bauern bei uns in den Medien besser verkaufen. Das diese Selbstmorde aber auch schon in Vor-GVO Zeiten passiert sind, muss ja nicht unbedingt erwähnt werden.
Wir stehen vor riesigen Herausforderungen. Wir müssen eine den Nahrungsmittel- und (mittlerweile auch) Energiebedarf einer stetig wachsenden Weltbevölkerung decken. Romantische Vorstellungen von (häufig urbanen) Theoretikern helfen da nicht wirklich weiter.
1) Schlaggröße = f(Auftreten von GVOs)
Die Zunahme der Schlaggröße (=Feldgröße) hat wohl eher etwas mit den Faktoren (1) gestiegener Mechanisierungsgrad, (2) Sterben kleiner Betriebe bzw. Konzentration, (3) günstige Marktlage für Agrarprodukte (China und Ethanol führen zur starken Steigerungen in der Nachfrage) zu tun. Diese Riesenflächen gab es außerdem auch schon in Vor-GVO Zeiten. Nun werden halt leider auch wieder die stillgelegten Flächen in Produktion genommen (sowohl in den USA, als auch in der EU -> "set-aside"-Politik der 90er), da es sich halt wieder rechnet. Ich verstehe den von ihnen postulierten Zusammenhang zwischen GVOs und fehlenden Rückzugsgebieten in Agrarökosystemen nicht. Sehe ihn vor allem nicht. Da werfen Sie zwei voneinander unabhängige Sachen in den gleichen Topf. Wieso kann man zwischen zwei Schlägen mit GM-Mais keine Hecke pflanzen ? Ist doch alles eine Frage der Agrarstrukturpolitik.
2) Zeckenpopulationen
Die von Ihnen (mit Einschränkungen) postulierte Monokausalität (der warme Winter ist es) ist wohl zu einfach. Neben der klimatischen Komponente, gibt es auch eine starken "Management"-Einfluß [1,2]. Dieser hat zum Beispiel zu einem signifikanten Anwachsen der Kleinnagerpopulationen geführt [3,4].
[1] Epidemologisches Bulletin Nr. 14, 2007, Rober-Koch-Institut
[2] Epidemologisches Bulletin Nr. 15, 2007, Rober-Koch-Institut
[3] Epidemologisches Bulletin Nr. 10, 2005, Rober-Koch-Institut
[4] Nutall PA & Labuda M, 2003, Dynamics of infection in tick vectors and at the tick-host interface. Advances in Virus Research, 60: 233-272
3) Biodiversität
Was wollen sie mir hier eigentlich sagen ?
4) Untergang der Landwirtschaft bzw. Menschheit = f(GVO)
Sie sprechen ganz viele Probleme an, aber haben natürlich gleich einen einzigen Schuldigen: GVOs !!! So leicht kann ich es mir nicht machen. Landflucht und Armut sind hauptsächlich das Ergebnis korrupter politischer Systme, sowie von Krisen und Kriegen.
In den USA werden mittlerweile > 90% von Soja, Cotton und Corn als GVO angebaut. Warum ? Weil die Landwirte einen ökonomischen Nutzen davon haben und nicht weil sie von der bösen multinationalen-Globalisierungs-Agrarlobby dazu gezwungen werden ("bau unser Saatgut an oder wir brechen dir deine Beine"). Auch in Ländern wie Indien und China wächst der Anteil an GM-Cotton stetig. Warum ? Weil die große, große Mehrheit an Landwirten einen ökonomischen Nutzen davon hat. Allerdings ist mir natürlich auch klar, dass sich Stories von selbstmordenden indischen Bauern bei uns in den Medien besser verkaufen. Das diese Selbstmorde aber auch schon in Vor-GVO Zeiten passiert sind, muss ja nicht unbedingt erwähnt werden.
Wir stehen vor riesigen Herausforderungen. Wir müssen eine den Nahrungsmittel- und (mittlerweile auch) Energiebedarf einer stetig wachsenden Weltbevölkerung decken. Romantische Vorstellungen von (häufig urbanen) Theoretikern helfen da nicht wirklich weiter.
Lieber "Quax74",
Danke für Ihre Antwort. Wie Sie meiner Antwort entnehmen konnten, bin ich vorsichtig bei der Formulierung von Exklusivargumenten. Sie offenbar nicht, weil Sie jetzt z.B. Dinge unterstellen, die von mir nicht behauptet wurden. Die Anbauflächenvergrößerungen in Südamerika und Indien, zunehmend auch in China haben natürlich mit den von Ihnen angeführten Gründen ebenso zu tun. Aber unstrittig ist auch, dass der zunehmende Einsatz von GVOs diese Entwicklung mit angetrieben hat. - Ihre Einschätzung
der Landflucht und der milionenfachen Vertreibung von Kleinbauern und Pächtern, die die neuen Anbaumethoden schlicht nicht bezahlen können (GV-Saat,Maschinen,Läger, Transport, Dünger, Totalherbizide,Pestizide, Energiekosten, Wasser und Schutzausrüstung bei der Arbeit), ist nicht einseitig?
Wenn Sie im corn belt der V.Staaten oder in Argentinien oder in Brasilien in den Anbaugebieten der Großbetriebe nach "Schlägen" suchen, werden Sie ausgelacht. Ebenso, wenn Sie dort "Ackerrandstreifen" auffinden wollen.
In allen drei Bereichen Nahrungspflanzen, Tierfuttermittel
und Energiepflanzen wird zunehmend von einer kleinen Schicht, mit sehr wenigen ertragreichen Pflanzensorten für den Weltmarkt produziert. Die besten Böden dienen dem Weltmarkt, nicht der einheimischen Bevölkerung (sehr krass, derzeit in Brasilien und Mexiko) und der return of investments aus dieser Wirtschaftsweise in diese Länder ist denkbar schlecht (gut untersucht für Brasilien und Venezuela).- Der größte Gewinn landet nicht wieder in der Landwirtschaft. Die Betriebe hängen über Abnahme-und Handelsverträge, über das Saatgut, die Kreditgeber und die Agrarbörsen unweigerlich an der Strippe der Agarindustrie und seit geraumer Zeit der Spekulanten an den Warenbörsen. Für den je einheimischen Markt bedeutet das die Zerstörung lokaler Strukturen.
Biodiversität: Da geht es eben genau um den umgekehrt proportionalen Zusammenhang von Populationsdichten und Größen in einem Raum und der Artenzahl. Biodiversität bedeutet Artenreichtum, nicht die Quantität weniger Populationen. Natürlich gibt es Untergrenzen und Obergrenzen für Arten in einem Ökosystem.
Der pauschale Vorwurf, ich hätte "monokausal" argumentiert, ist unfair, Ihr letzter Absatz daher eher polemisch.Ich habe überhaupt keine Andeutung in Richtung Ihrer Beispiele gemacht.
Eines ist jedoch klar. Die "GVO- Landwirtschaft" wird die "riesigen Herausforderungen" nicht lösen, denn Sie ist, mit dem Energiehunger unserer Zivilisation und
der von Ihr verkörperten Wirtschaftform, zunehmend ein Teil des Problems.
Grüße
Lieber "Quax74",
Danke für Ihre Antwort. Wie Sie meiner Antwort entnehmen konnten, bin ich vorsichtig bei der Formulierung von Exklusivargumenten. Sie offenbar nicht, weil Sie jetzt z.B. Dinge unterstellen, die von mir nicht behauptet wurden. Die Anbauflächenvergrößerungen in Südamerika und Indien, zunehmend auch in China haben natürlich mit den von Ihnen angeführten Gründen ebenso zu tun. Aber unstrittig ist auch, dass der zunehmende Einsatz von GVOs diese Entwicklung mit angetrieben hat. - Ihre Einschätzung
der Landflucht und der milionenfachen Vertreibung von Kleinbauern und Pächtern, die die neuen Anbaumethoden schlicht nicht bezahlen können (GV-Saat,Maschinen,Läger, Transport, Dünger, Totalherbizide,Pestizide, Energiekosten, Wasser und Schutzausrüstung bei der Arbeit), ist nicht einseitig?
Wenn Sie im corn belt der V.Staaten oder in Argentinien oder in Brasilien in den Anbaugebieten der Großbetriebe nach "Schlägen" suchen, werden Sie ausgelacht. Ebenso, wenn Sie dort "Ackerrandstreifen" auffinden wollen.
In allen drei Bereichen Nahrungspflanzen, Tierfuttermittel
und Energiepflanzen wird zunehmend von einer kleinen Schicht, mit sehr wenigen ertragreichen Pflanzensorten für den Weltmarkt produziert. Die besten Böden dienen dem Weltmarkt, nicht der einheimischen Bevölkerung (sehr krass, derzeit in Brasilien und Mexiko) und der return of investments aus dieser Wirtschaftsweise in diese Länder ist denkbar schlecht (gut untersucht für Brasilien und Venezuela).- Der größte Gewinn landet nicht wieder in der Landwirtschaft. Die Betriebe hängen über Abnahme-und Handelsverträge, über das Saatgut, die Kreditgeber und die Agrarbörsen unweigerlich an der Strippe der Agarindustrie und seit geraumer Zeit der Spekulanten an den Warenbörsen. Für den je einheimischen Markt bedeutet das die Zerstörung lokaler Strukturen.
Biodiversität: Da geht es eben genau um den umgekehrt proportionalen Zusammenhang von Populationsdichten und Größen in einem Raum und der Artenzahl. Biodiversität bedeutet Artenreichtum, nicht die Quantität weniger Populationen. Natürlich gibt es Untergrenzen und Obergrenzen für Arten in einem Ökosystem.
Der pauschale Vorwurf, ich hätte "monokausal" argumentiert, ist unfair, Ihr letzter Absatz daher eher polemisch.Ich habe überhaupt keine Andeutung in Richtung Ihrer Beispiele gemacht.
Eines ist jedoch klar. Die "GVO- Landwirtschaft" wird die "riesigen Herausforderungen" nicht lösen, denn Sie ist, mit dem Energiehunger unserer Zivilisation und
der von Ihr verkörperten Wirtschaftform, zunehmend ein Teil des Problems.
Grüße
Lieber "Quax74",
Danke für Ihre Antwort. Wie Sie meiner Antwort entnehmen konnten, bin ich vorsichtig bei der Formulierung von Exklusivargumenten. Sie offenbar nicht, weil Sie jetzt z.B. Dinge unterstellen, die von mir nicht behauptet wurden. Die Anbauflächenvergrößerungen in Südamerika und Indien, zunehmend auch in China haben natürlich mit den von Ihnen angeführten Gründen ebenso zu tun. Aber unstrittig ist auch, dass der zunehmende Einsatz von GVOs diese Entwicklung mit angetrieben hat. - Ihre Einschätzung
der Landflucht und der milionenfachen Vertreibung von Kleinbauern und Pächtern, die die neuen Anbaumethoden schlicht nicht bezahlen können (GV-Saat,Maschinen,Läger, Transport, Dünger, Totalherbizide,Pestizide, Energiekosten, Wasser und Schutzausrüstung bei der Arbeit), ist nicht einseitig?
Wenn Sie im corn belt der V.Staaten oder in Argentinien oder in Brasilien in den Anbaugebieten der Großbetriebe nach "Schlägen" suchen, werden Sie ausgelacht. Ebenso, wenn Sie dort "Ackerrandstreifen" auffinden wollen.
In allen drei Bereichen Nahrungspflanzen, Tierfuttermittel
und Energiepflanzen wird zunehmend von einer kleinen Schicht, mit sehr wenigen ertragreichen Pflanzensorten für den Weltmarkt produziert. Die besten Böden dienen dem Weltmarkt, nicht der einheimischen Bevölkerung (sehr krass, derzeit in Brasilien und Mexiko) und der return of investments aus dieser Wirtschaftsweise in diese Länder ist denkbar schlecht (gut untersucht für Brasilien und Venezuela).- Der größte Gewinn landet nicht wieder in der Landwirtschaft. Die Betriebe hängen über Abnahme-und Handelsverträge, über das Saatgut, die Kreditgeber und die Agrarbörsen unweigerlich an der Strippe der Agarindustrie und seit geraumer Zeit der Spekulanten an den Warenbörsen. Für den je einheimischen Markt bedeutet das die Zerstörung lokaler Strukturen.
Biodiversität: Da geht es eben genau um den umgekehrt proportionalen Zusammenhang von Populationsdichten und Größen in einem Raum und der Artenzahl. Biodiversität bedeutet Artenreichtum, nicht die Quantität weniger Populationen. Natürlich gibt es Untergrenzen und Obergrenzen für Arten in einem Ökosystem.
Der pauschale Vorwurf, ich hätte "monokausal" argumentiert, ist unfair, Ihr letzter Absatz daher eher polemisch.Ich habe überhaupt keine Andeutung in Richtung Ihrer Beispiele gemacht.
Eines ist jedoch klar. Die "GVO- Landwirtschaft" wird die "riesigen Herausforderungen" nicht lösen, denn Sie ist, mit dem Energiehunger unserer Zivilisation und
der von Ihr verkörperten Wirtschaftform, zunehmend ein Teil des Problems.
Grüße
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