FassbinderMan kann uns nicht einfach ausradieren

Vor 25 Jahren starb Rainer Werner Fassbinder. Jetzt platzt seiner Ex-Ehefrau Ingrid Caven der Kragen: Sie prangert die Geschichtsfälschungen der Fassbinder-Erben an. Ein Gespräch über Geniekult, Lüge und die Utopie einer großen Kino-Ära von 

DIE ZEIT: Frau Fassbinder

Ingrid Caven: Ach nein, Quatsch, Sie brauchen mich nicht so zu nennen. Rainer wollte aus sentimentalen Gründen, dass ich den Namen behalte. Es hing auch damit zusammen, dass wir ja nach der Scheidung noch so oft zusammen auf Reisen waren. Das war einfacher, um gemeinsam das Zimmer zu nehmen. Also heiße ich mit bürgerlichem Namen immer noch so.

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ZEIT: Wann sind Sie und Rainer Werner Fassbinder sich zum ersten Mal begegnet?

Caven: 1967 sah ich mir ein Stück an, das Peer Raben inszeniert hatte, eine Collage aus verschiedenen Antigone -Texten. Fassbinder, der im selben Jahr zum action theater stieß, war auch da. Und ich merkte, dass er mich so komisch konzentriert beobachtete. Ich glaube, Rainer hat sich die Leute einfach ausgesucht. Bei Hanna Schygulla wusste er ja schon sehr früh und sehr klar, dass sie seine Hauptdarstellerin sein würde. Und ich war dann sozusagen die Frau fürs Private.

ZEIT: Es heißt immer, Fassbinder habe viele Menschen vereinnahmt. Wie erging es Ihnen?

Caven: Ich kam damals gerade aus einer Analyse heraus und hatte versucht, mir über die paar Probleme, die ich vielleicht mit sadomasochistischen Tendenzen hatte, klar zu werden. Ich war da nicht so in Gefahr, unter seine Fuchtel zu geraten. Vielleicht war das ja genau der Punkt, der ihn interessiert hat. Außerdem sind meine Schwester, die Opernsängerin Trudeliese Schmidt, und ich, in einem sehr musikalischen Haushalt groß geworden. Ich bekam die Möglichkeit, ziemlich früh meine eigenen Vorstellungen von Musik und Gesang zu entwickeln. Da gab es also schon ein Stilempfinden, das ich einbringen konnte. Und zunächst mal war er ja auch nur mein bester Freund. Erst mit der Zeit habe ich kapiert, dass er anderen gegenüber so stumm war und so wenig von sich erzählt hat.

ZEIT: Hat er Ihnen denn einen richtigen Heiratsantrag gemacht?

Caven: Ach, es war rührend. Er ging immer in die Klappe, und danach zogen wir um die Ecken. Eines abends haben wir dann zusammen geschlafen. Ich fand’s schön, und das war’s dann aber auch. Ich hatte halt mit ’nem Schwulen geschlafen. Der Rainer saß aber am Morgen im weißen Hemd da. Er sagte gleich: »Wir müssen jetzt heiraten.« Dann hörte er nicht mehr auf mit diesem Heiraten. Ich weiß nicht, warum ich dann irgendwann Ja sagte. Ich glaube, ich hatte einfach das Gefühl, es könnte lustig werden.

ZEIT: Haben Sie mit Fassbinder über sein sexuelles Verhältnis zu Frauen und Männern gesprochen?

Leserkommentare
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    Redaktion

    Sehr geehrter kritiker70,

    der o.s. Artikel ist im Jahr 2007 bei uns erschienen, wie sie den Angaben rechts oben auf der Seite entnehmen können. Entsprechend erklärt sich die vermeintlich falsche Jahreszahl.

    Grüße, Maria Exner

  2. Redaktion

    Sehr geehrter kritiker70,

    der o.s. Artikel ist im Jahr 2007 bei uns erschienen, wie sie den Angaben rechts oben auf der Seite entnehmen können. Entsprechend erklärt sich die vermeintlich falsche Jahreszahl.

    Grüße, Maria Exner

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  3. Mehr wollte ich eigentlich nicht sagen: Danke, Ingrid Caven, daß Sie diese Zusammenhänge hier so deutlich ausgesprochen haben. Hoffen wir,daß die Fälschungen nicht das letzte Wort haben werden!

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