Fassbinder Man kann uns nicht einfach ausradierenSeite 5/5
ZEIT: Wann sahen Sie Fassbinder zum letzten Mal?
Caven: Ein paar Tage vor seinem Tod bin ich noch mal nach München gefahren. Rainers Zimmer war ganz grauenvoll. Ein Saustall war das. Das war ganz schlimm. Und überall lagen Aschenbecher, Asche und alte Zeitungen. Whiskyflaschen und alles Mögliche stand da herum. Es stank, und dieses Bett war so dreckig und so schmuddelig, ich hab mich nicht mal darauf setzen wollen, so schrecklich war das. Besitzergreifend war er immer noch. Er rief im Drogenwahn bei meinem Lebensgefährten Jean-Jacques Schuhl in Paris an und sagte: »Die Ingrid muss noch bei mir bleiben.« Ich habe dann noch mit seiner Mutter geredet, ob man was machen soll, aber es war alles so aussichtslos.
ZEIT: Wie hat die Fassbinder-Zeit Sie verändert?
Caven: Ich habe ziemlich profitiert, von diesen Energien, dieser Kraft, die ja auch eine Menschensicht, eine moralische Haltung war. Der Glaube, dass jeder Mensch eine poetische Möglichkeit hat, ist bei mir immer noch so stark, dass es mir ganz egal ist, ob diese Möglichkeit zu verwirklichen ist.
ZEIT: Was, glauben Sie, würde Fassbinder heute machen, wenn er noch lebte?
Caven: Ich denke, er wäre auf jeden Fall weiter mit der Welt gegangen. Ich weiß nicht, ob er immer noch Filme machen würde. Aber er hätte sicher versucht, etwas zu machen, was mit seinem Spaß am Denken, Fühlen, Analysieren zu tun hat. Ein Leben ohne künstlerisches Arbeiten hätte ihn bestimmt nicht interessiert.
Das Gespräch führte Katja Nicodemus
Michael Ballhaus zu den Intrigen um Fassbinders Erbe:
»Da ich lange Jahre in Amerika gearbeitet habe, war ich nicht auf dem Laufenden über die Art, wie in Deutschland mit Fassbinders Erbe umgegangen wurde. Mit Juliane Lorenz, der Leiterin der Fassbinder Foundation, hatte ich mich immer gut verstanden. Ich habe mich aber durchaus gewundert, dass etwa bei der großen Fassbinder-Retrospektive am New Yorker MoMA Hanna Schygulla Lieder sang, die Fassbinder für Ingrid Caven geschrieben hatte. Diese Lieder hatte Peer Raben für Ingrid Caven komponiert, und sie wurden einfach mit einer anderen Musik unterlegt. Als ich dann aber wieder nach Deutschland kam, merkte ich, dass die Fassbinder Foundation Ingrid Caven, Peer Raben und andere Menschen, die Fassbinder nahe waren, geradezu systematisch aus der Fassbinder- Geschichte herausgedrängt beziehungsweise herausprozessiert hatte. Es ging so weit, dass Juliane Lorenz bei Veranstaltungen drohte, Filme zurückzuhalten, falls diese Fassbinder-Vertrauten eingeladen würden. Diese Form der Geschichtsklitterung scheint mir ungeheuerlich.«
Michael Ballhaus, einer der erfolgreichsten Kameramänner in Hollywood, hat mit Fassbinder viele Filme gedreht
- Datum 28.05.2007 - 09:02 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 24.05.2007 Nr. 22
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...und nicht vor 25 Jahren.
Sehr geehrter kritiker70,
der o.s. Artikel ist im Jahr 2007 bei uns erschienen, wie sie den Angaben rechts oben auf der Seite entnehmen können. Entsprechend erklärt sich die vermeintlich falsche Jahreszahl.
Grüße, Maria Exner
Sehr geehrter kritiker70,
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Grüße, Maria Exner
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