Ein Dopingskandal erschüttert Deutschland. Zwar wusste man, dass leistungssteigernde Substanzen zu den Grundnahrungsmitteln von Radrennsportlern gehören, aber bei deutschen Athleten glaubte man lieber den Unschuldsmienen. Jetzt stellt die Bild -Schlagzeile Ihr habt uns jahrelang betrogen die ehemaligen Nationalhelden an den Pranger. Misstrauen erfasst inzwischen das ganze Land. Nur vorsichtig überqueren deutsche Passanten die Radwege und fürchten, irgendein Fahrradbote könnte sie in vollem Dopingspeed rammen. Selbst junge Mütter mit Kindersitz sind verdächtig: Können sie ihre täglichen Einkaufstouren nicht nur noch deshalb bewältigen, weil ihnen Epo hilft? Auch in Österreich schlummert seit Längerem ein ähnliches Problem, wenn auch die Reaktionen etwas anders ausfallen. Zunächst Verdrängung: Da warfen die rot-weiß-roten Langläufer und Biathleten während der Razzia in Turin ihre Blutbeutel einfach in den Schnee. Wahrscheinlich glaubten sie, das falle farblich nicht so auf. Nun wurden sie gesperrt, das Land wurde zu einer saftigen Strafe verdonnert. Doch Peter Schröcksnadel, der Allmächtige, erblickt darin lediglich ein Komplott gegen seine kleine Heimat. Schon in der Vergangenheit konnte er sich immer wieder ganze Berge aneignen, um dort die Natur auf den Kopf zu stellen. Seine Huldigungsgemeinde quer durch Politik und Medien fand das sogar natürlich, schließlich waren die Bergpredigten aus dem Evangelium nach Schröcksnadel pures Gold wert. Was glänzt, trübt aber den Blick. Nun sollte die Pharmaindustrie zumindest ein neues leistungssteigerndes Präparat auf den Markt werfen – zur Stärkung der Sehschärfe. BILD

Dieser Artikel wurde für die wöchentliche Österreich-Ausgabe der ZEIT geschrieben »

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