Düren

Es ist eine Frage der Kultur für Ali Mashata, Pflanzenforscher aus dem Kongo, ob die rötliche, bucklige Süßkartoffel sich eines Tages in der deutschen Küche integriert. Schließlich seien den Europäern einst auch Kartoffeln fremd gewesen. Diese haben nun aufgrund globaler Erwärmung und extremer Wetterlagen Wachstumsprobleme, wie Landwirte beklagen.

Kann sich die Wärme liebende Tropenknolle dem Klimawandel womöglich besser anpassen?

Einem Dürener Biobauern hat das aromatische, nahrhafte Grundnahrungsmittel von Asiaten und Afrikanern Appetit gemacht. Und dank dem Know-how des afrikanischen Wissenschaftlers wagt er derzeit einen ersten Anbauversuch. Für den Landwirt hat Mashata, Assistenzprofessor der Universität Kinshasa, eigenhändig zwei lange Reihen Stecklinge gezogen und sie auf dessen Feld gepflanzt. Erst der Ertrag wird zeigen, ob das Gewächs auch für den Flächenanbau taugt. Bis dahin wird Ali Mashata seine Zöglinge verschiedener Sorten haarscharf auf Wachstum und Schädlingsbefall beobachten. Ob die Süßkartoffel in Deutschland gedeiht, interessiert aber auch die Uni Bonn. Der Institutsleiter für Tropischen Pflanzenanbau will Ali Mashatas Beobachtungen in eine Forschung zu der Nutzpflanze in den kühlen Höhenlagen von Burundi integrieren und den Kongolesen gleich mitnehmen. Denn der Biochemiker könnte sich auch ohne Weiteres mit den Kleinbauern im Forschungsgebiet verständigen.

Ali Mashatas Entwicklungshilfe könnte der Ersten und der Dritten Welt gleichermaßen nutzen. Die Idee ist aber offenbar zu schön, um wahr zu sein. Der gefragte Experte ist nämlich ein abgelehnter Asylbewerber.

Solange er mit einer Duldung lebt, kann ihn die Bonner Uni nicht fest einbinden. Freiwillig oder unfreiwillig wird er Deutschland verlassen müssen. Schon länger als ein Jahr erhält Ali Mashata immer nur für einen kurzen Zeitraum eine Duldung. Ob er im Oktober die wohl ersten deutschen Freilandsüßkartoffeln ernten wird, ist derzeit fraglich.