König Fußball ist eine eifersüchtige Majestät, herrschsüchtig, trunken nach Macht, häufig ein cholerischer Schreihals auch. Sein Gesetz ist hart, sein Regiment duldet keinen Widerspruch. In einem Sonett huldigte einmal der unvergessliche Robert Gernhardt der absoluten Monarchie dieses Titanen unter den gekrönten Autokraten: »Erhobnen Hauptes saß er auf dem Throne / Nach Herrscherart. Auf seinen Wink erstarben / Im ganzen Lande Handeln, Streben, Hasten. / Gemeinsam ging das Riesenheer Getreuer / Für seinen König durch das Feuer« Wie die antiken Pharaonen und Imperatoren erträgt auch dieser Göttliche keine Macht und keinen Mächtigen in seiner Nähe. Wie sollten da etwa am Burgtheater Shakespeares finstere Mächtlinge ihre blutigen Intrigen um Reich und Krone treiben, wenn König Fußball im nächsten Jahr einen Monat lang in Wien regiert. Klar, das Pack muss mitsamt seinem Prinzipal ins Exil am besten in ein Zelt an der Peripherie. Und wie sollten, wo König Fußball sein Machtwort spricht, Volksvertreter vorlaute Reden wagen wollen. Ja, sie zittern schon heute vor seinem dröhnenden Ton. Würde man überhaupt ihre schwachen Stimmchen vernehmen können, wenn das Riesenheer seiner Getreuen seine Schlachtgesänge anstimmt? Was erst, wenn sich die Schocktruppen der Hooligans in das Gemenge werfen? Es zeugt von großer Weisheit der Parlamentspräsidentin, schon heute zu kapitulieren: Sie werde, kündigt sie an, ihre Bude einfach dichtmachen, solange die Streitmacht ringsum lagert. Demokratie ist nämlich nur eine Möglichkeitsform. Der Stolz vor solchem Fürstenthrone ist ihre Sache nicht. Ist König Fußball nun besänftigt? Wer weiß, welche Opfer er noch fordert von der leidgeprüften Stadt Wien.