Plattenburg/Martensdorf

Saharafrühling«, »Dürrekatastrophe« düster nahmen sich vor wenigen Wochen noch die Ernteaussichten der deutschen Landwirte aus, außerordentlich düster. Vom »trockensten April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen« war die Rede, die Schlagzeilen überboten sich an Dramatik. Der Klimawandel, so schien es, bedrohte jetzt auch die Existenz der einheimischen Bauern. Und der Deutsche Bauernverband ließ es sich selbstverständlich nicht nehmen, die bevorstehende Katastrophe in beängstigenden Farben auszumalen.

Mit dem Mai jedoch kam der heiß ersehnte Regen, und die Klagen und Hilferufe verstummten jäh. » Mai kühl und nass, füllt den Bauern Scheun und Fass« einmal mehr scheint sich die alte Bauernregel zu bewahrheiten. Abgesehen von einigen sandigen Problemzonen in Brandenburg oder der Lüneburger Heide, haben sich Weizenfelder und Wiesen weitgehend von der Aprildürre erholt, und Mais, Rüben und Kartoffeln gedeihen prächtig. Selbst der Bauernverband räumt ein, dass die Ernteeinbußen vermutlich deutlich hinter den Befürchtungen zurückbleiben. April, April der Katastrophenalarm erweist sich als maßlose Übertreibung.

Cornelia Schmidt muss es wissen. Die Biobäuerin, die in Plattenburg in der Prignitz Schweine unter freiem Himmel hält, fährt auf ihrem wöchentlichen Weg zum Markt in Berlin über viele Kilometer hinweg an brandenburgischen Getreidefeldern vorbei. » Die Felder sehen gut aus«, sagt sie, »besser als in früheren Jahren.« Die voreiligen Klagen des Bauernverbands ärgern Schmidt. » Das ist jedes Jahr dasselbe Gezeter.

Wir leben mit der Natur und müssen eben auch die Risiken tragen, das ist doch das Spannende an unserem Beruf.« Gute und schlechte Ernten gleichen sich aus Sicht der Bäuerin immer irgendwie aus. » Da muss man ganz einfach in guten Zeiten etwas zurücklegen. Aber über Rekordernten spricht man natürlich nicht so gern.«

Auch der mecklenburgische Landwirt Franz Joachim Bienstein blickt gelassen in die Zukunft. Seine Weizen- und Roggenfelder rund um Martensdorf in der Nähe von Wismar versprechen eine reiche Ernte. Die Kassandrarufe des Bauernverbands verfolgt der 41 Jahre alte Diplomlandwirt ebenfalls mit Skepsis. » Wenn Landwirte in Dürrezeiten höhere Kosten durch die künstliche Beregnung ihrer Felder haben, dann darf man nicht nur nach staatlichen Beihilfen rufen«, sagt Bienstein.

»Dann muss man sich auch überlegen, ob es vielleicht sinnvoller ist, etwas anzubauen, das ohne Beregnung auskommt auch wenn es nicht ganz so profitabel ist.«